Omaveloxolon

Omaveloxolon ist ein Aktivator des Nrf2-Signalwegs, der zelluläre Schutzmechanismen gegen oxidativen Stress und mitochondriale Dysfunktion verstärkt. Es wird zur Behandlung der Friedreich-Ataxie zur Verlangsamung des Fortschreitens eingesetzt.

Anwendung

Omaveloxolon wird zur Behandlung der Friedreich-Ataxie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren eingesetzt. Ziel der Anwendung ist eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs und Verbesserung der motorischen Funktionen.

Anwendungsart

Die Einnahme von Omaveloxolon erfolgt als Hartkapsel auf nüchternen Magen mindestens eine oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit.

Wirkmechanismus

Omaveloxolon aktiviert den Nrf2-Signalweg, indem es die Interaktion mit Keap1 (Kelch-like ECH-associated protein 1) verändert, wodurch Nrf2 nicht mehr abgebaut, sondern in den Zellkern transloziert wird.

Dort induziert Nrf2 die Transkription antioxidativer und zellschützender Gene, die Enzyme wie Hämoxygenase-1, NAD(P)H-Chinon-Oxidoreduktase 1 und Glutathion-S-Transferasen kodieren. Diese Enzyme neutralisieren reaktive Sauerstoffspezies und stärken die zelluläre Abwehr gegen oxidativen Stress.

Gleichzeitig stabilisiert Omaveloxolon die Mitochondrienfunktion und hemmt entzündliche Signalwege, indem es die Expression pro-inflammatorischer Mediatoren reduziert. Dieser Mechanismus ist besonders relevant für Friedreich-Ataxie, da hier eine Nrf2-Unteraktivierung vorliegt, die zu gestörtem Energiestoffwechsel und neuronaler Degeneration führt. Durch die Reaktivierung dieses Signalwegs trägt Omaveloxolon dazu bei, neurodegenerative Prozesse zu verlangsamen und die zelluläre Homöostase wiederherzustellen.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Maximale Plasmakonzentration: nach ca. 7–14 Stunden (nüchtern).
  • Bei Patienten mit Friedreich-Ataxie wird Omaveloxolon 2,3-mal schneller resorbiert als bei gesunden Probanden.
  • fettreiche Mahlzeit erhöht die Cmax um das 4,5-Fache, beeinflusst aber die Gesamtverfügbarkeit (AUC) nur gering.
  • Einnahme auf nüchternen Magen empfohlen.

Verteilung

  • Hohe Plasmaproteinbindung (~97%), hauptsächlich an Albumin.
  • Großes Verteilungsvolumen: ca. 7361 L.

Elimination

  • Hauptausscheidung über 92% Fäzes, nur 0,1% über Urin.
  • Terminale Halbwertszeit: ca. 58 Stunden.
  • Scheinbare Plasmaclearance: 109 L/Std.

Dosierung

Reguläre Dosierung von Omaveloxolon

  • Empfohlene Dosis: 150 mg einmal täglich.
  • Einnahme: Auf nüchternen Magen, mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit.
  • Falls eine Dosis vergessen wurde, einfach die nächste reguläre Dosis zur gewohnten Zeit einnehmen.

Dosisanpassung bei Leberfunktionsstörung

  • Leichte Leberfunktionsstörung (Child-Pugh A): Keine Anpassung erforderlich.
  • Mäßige Leberfunktionsstörung (Child-Pugh B): Reduktion auf 100 mg täglich, bei Nebenwirkungen ggf. auf 50 mg täglich senken.
  • Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C): Anwendung vermeiden.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

Interaktionen mit CYP3A4-Modulatoren:

  • Starke CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Itraconazol, Clarithromycin): Dosisreduktion kann erforderlich sein.
  • Starke CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut): Anwendung vermeiden, da Wirksamkeit sinkt.

Langzeittherapie erforderlich, regelmäßige Kontrolle von Leberwerten, Lipidprofil und BNP-Werten empfohlen.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Omaveloxolon (≥10%):

  • Erhöhungen von ALT und AST
  • Kopfschmerzen, Ermüdung
  • Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Rückenschmerzen, Muskelspasmen
  • Gewichtsabnahme, verminderter Appetit
  • Erhöhter BNP-Wert
  • Häufiger Grippeinfektionen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Urtikaria und Ausschlag

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Omaveloxolon zu beachten:

  • CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Itraconazol, Clarithromycin, Fluconazol, Grapefruitsaft): Können die Omaveloxolon-Konzentration im Blut erhöhen, was das Risiko für Nebenwirkungen steigert. Falls eine gleichzeitige Anwendung unvermeidlich ist, kann eine Dosisreduktion erforderlich sein.
  • CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut, Carbamazepin): Beschleunigen den Abbau von Omaveloxolon, was die Wirksamkeit verringern kann.
  • Substrate von CYP3A4 (z. B. Midazolam, orale Kontrazeptiva): Omaveloxolon kann die Wirkung von CYP3A4-abhängigen Medikamenten abschwächen. Hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Ring) können weniger wirksam sein, daher zusätzliche oder alternative Verhütungsmethoden erforderlich.
  • Substrate von CYP2C8 (z. B. Repaglinid, Pioglitazon): Die Plasmakonzentration dieser Medikamente kann durch Omaveloxolon gesenkt werden. Überwachung der Blutzuckerwerte bei Diabetikern empfohlen.
  • BCRP-Substrate (z. B. Rosuvastatin): Omaveloxolon kann die Blutkonzentration von BCRP-Substraten verringern, was deren Wirkung beeinflussen kann. Regelmäßige Kontrolle der Blutfettwerte bei gleichzeitiger Statin-Therapie empfohlen.

Kontraindikationen

Omaveloxolon darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der enthaltenen Hilfsstoffe
  • Schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C) 
  • Gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut)
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Omaveloxolon sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da tierexperimentelle Studien Hinweise auf Reproduktionstoxizität zeigen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und bis 28 Tage danach eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Omaveloxolon in die Muttermilch übergeht, jedoch wurde es bei Tieren in der Milch nachgewiesen. Daher wird empfohlen, während der Behandlung nicht zu stillen.

Verkehrstüchtigkeit

Omaveloxolon kann Ermüdung und Schwindel verursachen, was die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Omaveloxolon zu beachten:

  • Leberwerterhöhungen: Omaveloxolon kann ALT- und AST-Werte erhöhen, insbesondere in den ersten 12 Behandlungswochen.
  • Erhöhte Blutfettwerte: Eine Erhöhung des LDL-Cholesterins und eine Verringerung des HDL-Cholesterinswurden beobachtet.
  • Erhöhter BNP-Wert: Einige Patienten zeigten Anstiege des natriuretischen Peptids (BNP), was ein Hinweis auf eine mögliche Herzinsuffizienz sein kann. Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen sollten regelmäßig auf Flüssigkeitsretention und kardiale Symptome überwacht werden.
  • Gewichtsverlust: Eine leichte bis mäßige unbeabsichtigte Gewichtsabnahme kann auftreten.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Es können allergische Reaktionen wie Urtikaria und Hautausschlagauftreten.
  • Wechselwirkungen mit CYP3A4-Modulatoren: Starke CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Clarithromycin) können die Wirkstoffkonzentration erhöhen, während starke CYP3A4-Induktoren (z. B. Johanniskraut) die Wirksamkeit vermindern.
  • Verhütung und Schwangerschaft: Omaveloxolon kann die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva verringern. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und bis 28 Tage danach zusätzliche oder alternative Verhütungsmethoden anwenden.
  • Verkehrstüchtigkeit: Omaveloxolon kann Ermüdung und Schwindel verursachen. Patienten sollten darauf achten, wie sie auf das Medikament reagieren, bevor sie Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen.

Alternativen

Alternativen zu Omaveloxolon:

Diese Substanzen zielen auf oxidativen Stress und mitochondriale Dysfunktion ab, die zentrale Mechanismen bei Friedreich-Ataxie sind. Sie variieren in ihrer Wirkstärke, Zulassung und Evidenzlage, wobei Omaveloxolon derzeit als einzige zugelassene Therapie zur Krankheitsmodifikation gilt.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
554.71 g·mol-1
Autor:
Stand:
27.04.2025
Quelle:

Fachinformation Skyclarys (2024). Biogen Netherlands B.V. Rote Listen Service GmbH. (Aufgerufen am: 16.03.2025)

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1 Präparate mit Omaveloxolon