Opicapon
Opicapon gehört zur Klasse der COMT-Hemmer und wird als Zusatztherapie bei Parkinson-Patienten mit End-of-dose-Fluktuationen eingesetzt. Es bremst den Levodopa-Abbau und verbessert so die motorische Kontrolle.
Opicapon: Übersicht

Anwendung
Opicapon wird angewendet bei:
- Zusatztherapie zu Levodopa in Kombination mit einem DOPA-Decarboxylase-Hemmer (z. B. Carbidopa oder Benserazid)
- Erwachsenen Patienten mit Morbus Parkinson
- Motorischen „End-of-dose“-Fluktuationen
- Unzureichender Stabilisierung unter Levodopa/DDCI-Therapie allein
Anwendungsart
Opicapon wird als Hartkapsel zur oralen Anwendung verabreicht. Die Kapseln sind im Ganzen mit Wasser zu schlucken. Die Einnahme erfolgt einmal täglich beim Zubettgehen, mindestens eine Stunde vor oder nach der Einnahme von Levodopa-haltigen Arzneimitteln.
Wirkmechanismus
Opicapon ist ein peripher wirksamer, selektiver und reversibler COMT-Hemmer mit sehr hoher Bindungsaffinität und einer Wirkdauer von über 24 Stunden. In Gegenwart eines DDCI wird COMT zum Hauptenzym des peripheren Levodopa-Abbaus zu 3-O-Methyldopa (3-OMD). Durch Hemmung dieses Enzyms reduziert Opicapon die 3-OMD-Bildung und erhöht die systemische Levodopa-Exposition.
Dadurch steht mehr Levodopa für den Transport über die Blut-Hirn-Schranke zur Verfügung, wo es durch die aromatische L-Aminosäure-Decarboxylase zu Dopamin decarboxyliert wird. Der Anstieg der synaptischen Dopaminkonzentration im Striatum führt zur verstärkten Aktivierung postsynaptischer D1- und D2-Rezeptoren.
Über die G-Protein-gekoppelten Signalwege wird die Aktivität der direkten und indirekten Basalganglienschleifen moduliert. In der Folge verbessert sich die motorische Kontrolle und die Dauer von „OFF“-Phasen bei Parkinson-Patienten wird reduziert.
Pharmakokinetik
Resorption
- Geringe absolute Resorptionsquote (ca. 20 %)
- Rasche Resorption
- tmax: ca. 1,0–2,5 Stunden nach wiederholter Gabe
Verteilung
- Sehr hohe Plasmaproteinbindung (ca. 99,9 %), konzentrationsunabhängig
- Scheinbares Verteilungsvolumen (50 mg): ca. 29 l
- Kein klinisch relevanter Einfluss auf Proteinbindung anderer Substanzen
Metabolismus
- Hauptmetabolisierung über Sulfatierung → inaktiver Metabolit (Opicaponsulfat)
- Weitere Wege: Glucuronidierung, Methylierung, Reduktion
- Reduzierter aktiver Metabolit <10 % der systemischen Exposition
- Geringe CYP-Hemmung in vitro (CYP1A2, CYP2B6, CYP2C8, CYP2C9)
Elimination
- t½ Opicapon: ca. 0,7–3,2 Stunden
- Opicaponsulfat: lange terminale Phase (t½ 94–122 Stunden); Kumulation möglich
- Hauptausscheidung über Fäzes (ca. 67 %)
- Renale Elimination untergeordnet (ca. 13 %)
Dosierung
Dosierungsempfehlungen für Opicapon aus den Fachinformationen:
Erwachsene
- Empfohlene Dosis: 50 mg einmal täglich
- Einnahme: abends beim Zubettgehen
- Abstand: mindestens eine Stunde vor oder nach Levodopa/DDCI
Dosisanpassung der Begleittherapie
- Opicapon verstärkt die Wirkung von Levodopa
- In den ersten Tagen/Wochen häufig Anpassung der Levodopa-Dosis erforderlich: Verlängerung des Dosierungsintervalls und/oder Reduktion der Einzeldosis von Levodopa
Ältere Patienten
- Keine Dosisanpassung erforderlich
- Bei ≥85 Jahren vorsichtige Anwendung (begrenzte Erfahrung)
Leberfunktionsstörung
- Child-Pugh A (leicht): keine Dosisanpassung erforderlich
- Child-Pugh B (mäßig): Vorsicht, ggf. Anpassung erforderlich
- Child-Pugh C (schwer): Anwendung nicht empfohlen
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Opicapon zu beachten:
- Nicht-selektive MAO-Hemmer (MAO-A und MAO-B): Kombination kontraindiziert, da durch gleichzeitige Hemmung mehrerer Katecholamin-Abbauwege das Risiko einer überschießenden Katecholaminwirkung besteht
- MAO-B-Hemmer bei Parkinson (z. B. Rasagilin, Selegilin): Anwendung in zugelassenen Dosierungen möglich; bei Safinamid liegen nur begrenzte Erfahrungen vor
- Katecholhaltige Arzneimittel (z. B. Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Dobutamin, Isoprenalin): COMT-Hemmung kann deren Metabolisierung vermindern → potenzielle Wirkungsverstärkung
- Trizyklische Antidepressiva und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer: Nur begrenzte Daten zur Kombination
- Chinidin: Verminderung der Opicapon-Exposition (~ 37 % AUC-Reduktion) bei gleichzeitiger Gabe
- CYP2C8-Substrate (z. B. Repaglinid): In Studien kein klinisch relevanter Einfluss unter Steady-State-Bedingungen; dennoch grundsätzlich Aufmerksamkeit bei sensiblen Substraten
- Levodopa: Pharmakodynamische Interaktion durch verstärkte dopaminerge Wirkung → häufig Anpassung der Levodopa-Dosis erforderlich
Kontraindikationen
Opicapon darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Phäochromozytom, Paragangliom oder anderen katecholamin-sezernierenden Neoplasien
- Malignem neuroleptischem Syndrom und/oder atraumatischer Rhabdomyolyse in der Anamnese
- Gleichzeitiger Anwendung nicht-selektiver Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-A- und MAO-B-Hemmer), mit Ausnahme der bei Morbus Parkinson eingesetzten MAO-B-Hemmer
Schwangerschaft
Es liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen zur Anwendung von Opicapon bei Schwangeren vor; tierexperimentell war Opicapon plazentagängig. Die Anwendung während der Schwangerschaft sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Kontrazeption wird nicht empfohlen.
Stillzeit
Opicapon und seine Metaboliten gehen möglicherweise in die Muttermilch über; in Tierstudien zeigten sich vergleichbare Konzentrationen in Milch und Plasma. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden, daher sollte das Stillen während der Behandlung unterbrochen werden.
Verkehrstüchtigkeit
Opicapon kann in Kombination mit Levodopa die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen. Schwindel, orthostatische Symptome und Somnolenz können auftreten, sodass beim Führen von Fahrzeugen oder beim Bedienen von Maschinen Vorsicht geboten ist.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Opicapon zu beachten:
- Anpassung der Levodopa-Therapie: Opicapon verstärkt die Wirkung von Levodopa, weshalb zu Therapiebeginn häufig eine Reduktion der Levodopa-Dosis oder Verlängerung der Dosierungsintervalle erforderlich ist, um dopaminerge Nebenwirkungen zu vermeiden
- Dopaminerge Nebenwirkungen: Dyskinesien, Halluzinationen, Übelkeit, Erbrechen und orthostatische Hypotonie können verstärkt auftreten; klinische Überwachung ist insbesondere in den ersten Behandlungswochen angezeigt
- Absetzen der Therapie: Beim Beenden der Opicapon-Behandlung kann eine Anpassung der übrigen Antiparkinsonmedikation, insbesondere von Levodopa, notwendig werden, um motorische Symptome zu kontrollieren
- Impulskontrollstörungen: Verhaltensauffälligkeiten wie Spielsucht, Hypersexualität, gesteigerte Libido, zwanghaftes Kaufen oder Essattacken können unter dopaminerger Therapie auftreten; regelmäßige klinische Kontrolle empfohlen
- Leberfunktion: Unter COMT-Hemmern wurden Anstiege von Leberenzymen beobachtet; bei rascher Gewichtsabnahme, Anorexie oder Asthenie sollte eine ärztliche Untersuchung einschließlich Leberwertkontrolle erfolgen
- Leberfunktionsstörung: Bei mäßiger Leberinsuffizienz ist Vorsicht geboten; bei schwerer Leberinsuffizienz wird die Anwendung nicht empfohlen
- Lactosegehalt: Das Präparat enthält Lactose; Patienten mit hereditärer Galactose-Intoleranz, Lactasemangel oder Glukose-Galactose-Malabsorption sollten es nicht einnehmen
Alternativen
Mögliche pharmakologische Alternativen zu Opicapon:
Entacapon und Tolcapon sind wie Opicapon COMT-Hemmer und verlängern die Wirkung von Levodopa. Safinamid, Rasagilin und Selegilin sind MAO-B-Hemmer und verstärken ebenfalls die dopaminerge Wirkung von Levodopa zur Reduktion motorischer Fluktuationen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Ongentys® 25 mg/50 mg Hartkapseln (Opicapon) (2022). Bial – Portela & Cª, S.A. Rote Liste Service GmbH. Frankfurt am Main. (Zuletzt aufgerufen am: 26.02.2026)
- European Commission (EC) (2022). Summary of Product Characteristics. Ongentys 25 mg/50 mg Hartkapseln. (Zuletzt aufgerufen am: 26.02.2026)
- European Medicines Agency (EMA) (2016). Dossier zur Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V Ongentys (Opicapon) – EPAR Public Assessment Report / Medicine Overview. Amsterdam. (Zuletzt aufgerufen am: 26.02.2026)










