Oxybutynin
Oxybutynin ist ein Anticholinergikum mit spasmolytischer Wirkung auf die glatte Muskulatur der Blase. Es wird zur Behandlung von Detrusorhyperaktivität eingesetzt, indem es die Blasenkapazität erhöht und unkontrollierte Kontraktionen reduziert.
Oxybutynin: Übersicht

Anwendung
Oxybutynin wird angewendet zur symptomatischen Behandlung von Detrusorhyperaktivität (idiopathische und neurogene Detrusorhyperaktivität). Die Detrusorhyperaktivität ist gekennzeichnet durch imperativen Harndrang, Pollakisurie und Harninkontinenz.
Bei Kindern über 5 Jahren wird Oxybutynin angewendet bei:
- Harninkontinenz, imperativem Harndrang und Pollakisurie bei Blaseninstabilität
- Nächtlicher Enuresis bei Detrusorüberaktivität (in Kombination mit nicht-medikamentöser Therapie, wenn andere Maßnahmen versagt haben)
Anwendungsart
Oxybutynin wird meist als Tablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.
Wirkmechanismus
Oxybutynin wirkt als Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren (vor allem M1 und M3) im Detrusormuskel der Blase. Die Blockade dieser Rezeptoren hemmt die durch Acetylcholin vermittelte parasympathische Stimulation, die normalerweise zur Kontraktion des Detrusors führt.
Dadurch wird die intrazelluläre Freisetzung von Kalzium über die Phospholipase-C-Signalkaskade reduziert, was die glatte Muskulatur der Blase entspannt. Diese Entspannung erhöht die Blasenkapazität und reduziert die Frequenz unkontrollierter Kontraktionen.
Zusätzlich hat Oxybutynin eine direkte spasmolytische Wirkung auf die glatte Muskulatur. Der aktive Metabolit, N-Desethyloxybutynin, trägt ebenfalls zur pharmakologischen Aktivität bei.
Pharmakokinetik
Resorption
- Schnelle Resorption, der maximale Plasmaspiegel ist nach 30 bis 90 Minuten erreicht
- Starke interindividuelle Schwankungen der Plasmakonzentration
- (fettreiche) Mahlzeiten verzögern die Resorption, erhöhen jedoch die Bioverfügbarkeit
Verteilung
- Plasmaeiweißbindung 83 bis 85%
Elimination
- Biphasisch, Eliminationshalbwertszeit: 2 Stunden
- N-Desethyloxybutynin: monophasische Elimination
- Renale Ausscheidung: <0,02% der Dosis
Metabolismus
- Hoher First-Pass-Metabolismus, hauptsächlich durch Cytochrom P3A4
- Hauptmetabolit: inaktives 2,2-Phenylcyclohexylglykolsäure und aktives N-Desethyloxybutynin
Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik und therapierelevante Schlussfolgerungen
- Ältere Patienten: Erhöhte Bioverfügbarkeit (2–4-fach höhere AUC) und verlängerte Halbwertszeit (3–5 Stunden) erfordern eine Dosisanpassung, um Überdosierung und Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Nahrungsaufnahme: Der Einfluss von fettreichen Mahlzeiten auf die Bioverfügbarkeit sollte bei der Einnahme beachtet werden, um eine konsistente Wirkung zu erzielen.
Dosierung
Dosierungsempfehlungen für Oxybutynin:
Erwachsene
- Anfangsdosis: 2- bis 3-mal täglich 1 Tablette je 5 mg (entsprechend 10–15 mg Oxybutynin)
- Beginnend mit 2,5 mg Oxybutynin 3-mal täglich
- Verteilung der Tagesdosis: 2–3 Dosen über den Tag verteilt (maximal 4 Dosen)
- Tageshöchstdosis: 20 mg
Ältere Patienten
Durch die verlängerte Eliminationszeit wird bei dieser Patientengruppe eine geringere Dosierung empfohlen.
- Anfangsdosis: 2-mal täglich ½ Tablette bzw. je 2,5 mg (entsprechend 5 mg Oxybutynin Gesamtdosis)
- Übliche Dosis: 10 mg Oxybutynin in 2 Dosen über den Tag verteilt
- Insbesondere bei Patienten mit geschwächtem Allgemeinzustand
Kinder und Jugendliche über 5 Jahre
- Anfangsdosis: 2-mal täglich ½ Tablette bzw. je 2,5 mg (entsprechend 5 mg Oxybutynin Gesamtdosis)
- Maximale Dosis basierend auf Körpergewicht: 0,3 – 0,4 mg/kg Körpergewicht/Tag
- Tageshöchstdosis: 15 mg
Überdosierung
Auswirkungen und Maßnahmen bei Überdosierung von Oxybutynin:
Symptome bei Überdosierung
- Zentralnervensystem: Ataxie, Verwirrtheit, Unruhe, Erregung, Halluzinationen, psychotische Verhaltensweisen
- Kreislaufsystem: Gesichtsröte, Blutdruckabfall, Kreislaufversagen, Tachykardie, Schwindel
- Weitere Symptome: Mydriasis, Fieber, rote heiße Haut, trockene Schleimhäute, Ateminsuffizienz, Lähmungen, Koma
Maßnahmen bei Überdosierung
Beschriebene Maßnahmen gemäß der Fachinformation zu Oxybutynin:
- Magenspülung und Aktivkohle zur Reduktion der Wirkstoffresorption
- Physostigmin (Erwachsene): 0,5 – 2 mg (i.v.), ggf. nach 5 Minuten bis max. 5 mg wiederholen
- Physostigmin (Kinder): 30 µg/kg (i.v.), ggf. nach 5 Minuten bis max. 2 mg wiederholen
- Bei Unruhe/Erregung: 10 mg Diazepam (i.v.)
- Bei Tachykardie: Propranolol (i.v.)
Nebenwirkungen
Am häufigsten auftretende Nebenwirkungen (≥ 10%) bei der Einnahme von Oxybutynin sind:
- Benommenheit
- Kopfschmerzen
- Somnolenz
- Obstipation
- Übelkeit
- Mundtrockenheit/Xerostomie
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Oxybutynin zu beachten:
Verstärkte anticholinerge Wirkung
Bei gleichzeitiger Anwendung von Oxybutynin mit anderen anticholinergen Arzneimitteln, wie:
- Amantadin und anderen Antiparkinsonmitteln (z. B. Biperiden, L-Dopa)
- Antihistaminika
- Neuroleptika (z. B. Phenothiazine, Butyrophenone, Clozapin)
- Chinidin
- Digitalis
- Trizyklische Antidepressiva
- Atropin und verwandten Substanzen (z. B. Atropin-Spasmolytika)
- Dipyramidol
Beeinträchtigung der Resorption anderer Arzneimittel
Durch die Reduktion der gastrointestinalen Motilität kann Oxybutynin die Aufnahme anderer Arzneimittel beeinflussen.
Wechselwirkungen mit CYP3A4-Hemmern
Da Oxybutynin über das CYP3A4-Isoenzym metabolisiert wird, können Arzneimittel, die dieses Enzym hemmen (z. B. Azol-Antimykotika wie Ketoconazol oder Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin), die Oxybutynin-Exposition erhöhen. Dies führt zu einer erhöhten Oxybutynin-Plasmakonzentration.
Verminderte Wirkung von Prokinetika
Die Wirkung von Prokinetika (z. B. Cisaprid, Metoclopramid, Domperidon) auf die gastrointestinale Motilität kann durch Oxybutynin vermindert werden.
Verminderte Wirksamkeit von Cholinesterase-Hemmern
Die gleichzeitige Anwendung von Oxybutynin mit Cholinesterase-Hemmern kann deren Wirksamkeit reduzieren.
Alkoholkonsum
Alkohol kann die durch Oxybutynin verursachte Schläfrigkeit verstärken.
Kontraindikationen
Oxybutynin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Engwinkelglaukom oder anderen Beschwerden mit vermindertem Kammerwasserabfluss
- Verengung oder Verschluss der ableitenden Harnwege (z. B. bei Prostatahyperplasie, Harnröhrenstriktur)
- Stenosen im Magen-Darm-Trakt, Ileus, entzündlichen Dickdarmgeschwüren
- Intestinaler Atonie
- Schwerer Dickdarmerweiterung (toxisches Megakolon)
- Myasthenia gravis
Anwendung bei Kindern
Oxybutynin darf nicht bei Kindern unter 5 Jahren angewendet werden.
Schwangerschaft
Oxybutynin darf im ersten Trimenon nicht angewendet werden, und im zweiten und dritten Trimenon nur bei dringender Indikation, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft vorliegen.
Stillzeit
Oxybutynin darf während der Stillzeit nicht eingenommen werden, da es in die Muttermilch übergeht.
Verkehrstüchtigkeit
Oxybutynin kann zu Schläfrigkeit und verschwommenen Sehen führen, wodurch das Reaktionsvermögen deutlich beeinträchtigt sein kann. Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen ist dadurch nicht zu empfehlen und sollte vermieden werden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Oxybutynin zu beachten:
- Kognitive Störungen: Besonders bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko.
- Autonome Neuropathie: Vorsicht bei Patienten mit Morbus Parkinson oder schweren gastrointestinalen Motilitätsstörungen.
- Gastroösophageale Refluxkrankheit: Anticholinergika können die Symptome verschlimmern, insbesondere bei gleichzeitig eingenommenen Medikamenten wie Bisphosphonaten.
- Gastrointestinale Erkrankungen: wie obstruktiven Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, intestinaler Atonie und ulzerativer Kolitis.
- Leber- und Nierenfunktion: Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung notwendig.
- Herz- und Gefäßerkrankungen: Oxybutynin kann Symptome von Herzkrankheiten, Arrhythmien, Tachykardie oder Bluthochdruck verschlimmern.
- Halluzinationen und Verwirrtheit können auftreten
- Vorsicht bei Fieber oder hohen Temperaturen, da reduziertes Schwitzen durch Oxybutynin einen Hitzschlag begünstigen kann.
- Mundgesundheit: Oxybutynin kann Karies, Zahnfleischerkrankungen und Mundtrockenheit verursachen.
- Oxybutynin kann ein Engwinkelglaukom auslösen.
- Oxybutynin ist nicht zur Behandlung von Stressinkontinenz geeignet.
- Pollakisurie/Nykturie: Vorsicht bei Patienten mit Herz- oder Niereninsuffizienz.
- Parkinson-Syndrom: Kann neuropsychiatrische Nebenwirkungen auslösen.
- Laktoseintoleranz: Oxybutynin enthält Laktose, daher ungeeignet bei Laktoseunverträglichkeit.
- Kinder und Jugendliche: Anwendung bei Kindern unter 5 Jahren wird nicht empfohlen; bei älteren Kindern ist Vorsicht geboten, insbesondere bei zentralnervösen Nebenwirkungen.
Alternativen
Neben Oxybutynin können auch andere spasmolytische Wirkstoffe genutzt werden, wie:
Diese Medikamente gehören alle zur Gruppe der Anticholinergika und werden zur Behandlung einer überaktiven Blasenmuskulatur eingesetzt. Sie wirken, indem sie die Blasenmuskulatur entspannen und die Harnblase kontrollieren.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation zu Oxybutynin STADA ® 5 mg Tabletten (2023). Zulassungsnummer: [42241.00.00]. STADAPHARM GmbH, Deutschland.
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Farco-Pharma GmbH Geschäftsbereich Ndo










