Palopegteriparatid
Palopegteriparatid ist ein Parathormon-Analogon, das spezifisch für die Behandlung von chronischem Hypoparathyreoidismus entwickelt wurde. Es imitiert die physiologische Wirkung von Parathormon, indem es die Calcium- und Phosphathomöostase reguliert, was zu einer Erhöhung des Serumcalciums führt.
Palopegteriparatid: Übersicht
Anwendung
Palopegteriparatid (Yorvipath) ist eine PTH-Substitutionstherapie und indiziert für die Behandlung von Erwachsenen mit chronischem Hypoparathyreoidismus.
Anwendungsart
Palopegteriparatid wird als subkutane Injektion in die Bauchdecke oder in die Vorderseite eines Oberschenkels angewendet. Die Injektionsstelle sollte jeden Tag zwischen vier möglichen Stellen gewechselt werden; Bauchdecke (links oder rechts) und Vorderseite des Oberschenkels (links oder rechts).
Wirkmechanismus
Palopegteriparatid ist eine PTH-Ersatztherapie, die speziell für die Behandlung von Hypoparathyreoidismus entwickelt wurde. Es handelt sich um eine modifizierte Form des biologisch aktiven Fragments von PTH, PTH(1-34), das an einen Methoxypolyethylenglykol(mPEG)-Träger gebunden ist.
Dieses Konjugat imitiert die physiologische Wirkung von PTH, indem es die Calcium- und Phosphat-Homöostase im Körper reguliert. Es fördert die Freisetzung von Calcium aus dem Knochen, die Rückresorption von Calcium in den Nieren und die Aufnahme von Calcium im Darm, wodurch der Calciumspiegel im Blut erhöht wird.
Pharmakokinetik
Resorption
- Kontinuierliche Freisetzung über 24 Stunden durch Selbstspaltung des TransCon-Linkers nach subkutaner Injektion.
- Dosisproportionale Zunahme der maximalen Plasmakonzentration und Exposition über das Dosierungsintervall.
- Erreichen eines Steady-State nach mehrfacher Anwendung.
Verteilung und Biotransformation
- Geschätztes Verteilungsvolumen: 4,8 l für Palopegteriparatid und 8,7 l für freigesetztes PTH.
- Hauptsächliche Metabolisierung und Ausscheidung von PTH in der Niere.
Elimination
- Clearance im Steady-State: ca. 0,58 l/Tag mit einer Halbwertszeit von 70 Stunden für Palopegteriparatid.
- Halbwertszeit des freigesetzten PTH: ca. 60 Stunden, überwiegend abgebaut in Leber und Niere.
Dosierung
Anfangsdosis
- Empfohlen wird eine Anfangsdosis von 18 μg täglich, mit Anpassungen in 3 μg Schritten alle 7 Tage, je nach Bedarf.
Dosisanpassung
- Vor Behandlungsbeginn sollten Calcium- und Vitamin-D-Präparate angepasst werden, um einen stabilen Serumcalciumspiegel zu erreichen.
- Bei Serumcalcium ≥ 2,07 mmol/l sollte aktives Vitamin D abgesetzt, bei Werten < 2,07 mmol/l um mindestens 50% reduziert werden.
Erhaltungsdosis
- Die optimale Dosis ist die niedrigste Dosis, die zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutcalciumspiegels ohne zusätzliche aktive Vitamin-D- oder Calciumpräparate erforderlich ist.
Überwachung
- Regelmäßige Messungen des Serumcalciums sind erforderlich, um die Dosierung von Yorvipath, aktivem Vitamin D und Calciumpräparaten entsprechend anzupassen.
Nebenwirkungen
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen von Palopegteriparatid in klinischen Studien waren:
- Reaktionen an der Injektionsstelle (21,6%)
- Kopfschmerzen (18,7%)
- Parästhesie (13,7%)
Die schwerwiegendste Nebenwirkung, über die in klinischen Studien berichtet wurde, war Hyperkalzämie (1,40%).
Wechselwirkungen
Besondere Vorsicht ist bei der Kombinationstherapie mit Herzglykosiden wie Digoxin oder Digitoxin geboten, da deren Wirkung durch Veränderungen des Calciumspiegels beeinflusst wird. Eine sorgfältige Überwachung auf Symptome einer Digitalis-Toxizität ist erforderlich.
Weiterhin können Arzneimittel, die den Serumcalciumspiegel beeinflussen, darunter Bisphosphonate, Denosumab, Romosozumab, Thiazid- und Schleifendiuretika, systemische Kortikosteroide und Lithium, das Ansprechen auf Yorvipath verändern. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle des Serumcalciumspiegels bei Patienten, die Yorvipath in Kombination mit diesen Medikamenten erhalten, angezeigt.
Kontraindikationen
Palopegteriparatid darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Patienten mit Pseudohypoparathyreoidismus
Schwangerschaft
Für Palopegteriparatid gibt es bisher nur sehr begrenzte Erfahrungen bei schwangeren Frauen. Obwohl tierexperimentelle Studien keine reproduktionstoxischen Effekte zeigten, kann ein Risiko für die Schwangere oder den Fötus nicht ausgeschlossen werden. Bei der Entscheidung über die Anwendung von Palopegteriparatid während der Schwangerschaft sollten die potenziellen Risiken sorgfältig gegen die Vorteile abgewogen werden. Es wird empfohlen, den Serumcalciumspiegel bei schwangeren Frauen, die mit Palopegteriparatid behandelt werden, engmaschig zu überwachen.
Stillzeit
Es ist unklar, ob Palopegteriparatid in die Muttermilch übergeht. Aufgrund seiner Nicht-Aufnahme bei oraler Einnahme ist ein negativer Effekt auf das gestillte Kind unwahrscheinlich. Dennoch muss zwischen dem Fortführen des Stillens und der Behandlung mit Palopegteriparatid abgewogen werden, wobei der Nutzen für Mutter und Kind zu berücksichtigen ist. Bei stillenden Frauen mit Hypoparathyreoidismus, die Palopegteriparatid erhalten, sollte der Serumcalciumspiegel sorgfältig überwacht werden.
Verkehrstüchtigkeit
Palopegteriparatid beeinflusst nicht die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Einige Patienten können jedoch Nebenwirkungen wie Schwindel, Präsynkope, Synkope oder Orthostasesyndrom erfahren. Bei Auftreten dieser Symptome ist es ratsam, das Lenken von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen zu unterlassen, bis sie sich vollständig erholt haben.
Anwendungshinweise
Folgende Warn- und Anwendungshinweise sind bei der Anwendung von Palopegteriparatid zu beachten:
- Hyperkalzämie: Risiko bei Therapiebeginn oder Dosiserhöhung. Regelmäßige Überwachung des Serumcalciums und Anpassung der Palopegteriparatid-Dosis bei schwerer Hyperkalzämie.
- Hypokalzämie: Risiko bei abruptem Therapieabbruch. Überwachung auf Hypokalzämie-Symptome und Anpassung der Therapie nach Leitlinien.
- Herzglykoside: Überwachung auf Digitalis-Toxizität bei gleichzeitiger Anwendung mit Palopegteriparatid.
- Nieren-/Lebererkrankung: Vorsicht bei schweren Funktionsstörungen; engmaschige Überwachung des Serumcalciums.
- Erhöhtes Osteosarkomrisiko: Vorsicht bei Patienten mit bestimmten Skeletterkrankungen und metabolischen Knochenerkrankungen.
- Osteoporose: Regelmäßiges Screening und Überwachung bei Risikopatienten.
Alternativen
Behandlungsalternativen für chronischen Hypoparathyreoidismus, für den Palopegteriparatid verwendet wird, können je nach individuellem Patientenprofil und der Schwere der Erkrankung variieren. Einige gängige Alternativen sind:
- Calciumsupplemente: Orale Calciumsupplemente werden häufig verwendet, um den Calciumspiegel im Blut zu erhöhen und Symptome einer Hypokalzämie zu lindern.
- Aktive Vitamin-D-Analoga: Medikamente wie Calcitriol oder Alfacalcidol helfen, den Calciumspiegel im Blut zu erhöhen und die Phosphatausscheidung über die Nieren zu fördern.
- Magnesiumsupplemente: Bei Patienten mit Hypoparathyreoidismus kann auch ein Magnesiummangel vorliegen, der behandelt werden muss, da Magnesium für die PTH-Sekretion wichtig ist.
- Diuretika: Thiaziddiuretika können helfen, die Calcium-Ausscheidung im Urin zu reduzieren und so den Calciumspiegel im Blut zu erhöhen.
- Ernährungsumstellung: Eine Ernährung, die reich an Calcium ist und phosphatarme Lebensmittel beinhaltet, kann ebenfalls unterstützend wirken.
- Chirurgische Behandlung: In einigen Fällen, insbesondere wenn der Hypoparathyreoidismus durch chirurgische Eingriffe am Hals verursacht wurde, kann eine erneute Operation in Betracht gezogen werden.
- Europäische Kommission: Fachinformation Yorvipath
- Starling, Shimona. "Promising findings in PTH replacement therapy trial." Nature Reviews Endocrinology 19.1 (2023): 4-4.
- Khan, Aliya A., et al. "Efficacy and safety of parathyroid hormone replacement with TransCon PTH in hypoparathyroidism: 26‐week results from the phase 3 PaTHway trial." Journal of Bone and Mineral Research 38.1 (2023): 14-25.










