Pemetrexed

Pemetrexed gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika und der Folsäure-Antagonisten. Das Medikament wird angewendet zur Behandlung von malignem Pleuramesotheliom und nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom.

Pemetrexed

Anwendung

Pemetrexed wird zur Therapie verschiedener Krebserkrankungen angewandt. Als Monotherapie wird der Wirkstoff bei der Zweitlinientherapie von metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom, kurz NSCLC eingesetzt. In einer Kombinationstherapie kommt Pemetrexed zusammen mit Cisplatin zur Erstlinientherapie eines Pleuramesothelioms (bösartiger Tumor im Brustfell) zum Einsatz.

Anwendungsart

Pemetrexed ist als Pulver oder Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung auf dem Markt.

Wirkmechanismus

Der Wirkstoff Pemetrexed unterbricht als antineoplastisches Antifolat wichtige folsäureabhängige Stoffwechselprozesse bei der Zellteilung ein. Er blockiert die Enzyme Thymidylatsynthase, Dihydrofolatreduktase und Glycinamidribonucleotidformyltransferase, die durch die Biosynthese von Pyrimidin- und Purinnukleotiden am Nukleotid-Aufbau von Krebszellen beteiligt sind. In Folge wird die Bildung der DNA und RNA behindert und die Teilung bzw. Vermehrung der Krebszellen gestoppt. Dadurch wird das Wachstum von Tumorzellen gehemmt. Die Wirkung von Pemetrexed auf gesunde Zellen ist hingegen nur gering ausgeprägt.

Dosierung

Als Kombinationstherapie mit Cisplatin beträgt die empfohlene Dosis von Pemetrexed 500 mg/m² Körperoberfläche, verabreicht als 10-minütige intravenöse Infusion am ersten Tag jedes 21-tägigen Zyklus. Cisplatin wird etwa 30 Minuten nach der Pemetrexed-Infusion verabreicht, bei einer Dosis von 75 mg/m².

Als Monotherapie bei vorbehandeltem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs wird Pemetrexed ebenfalls mit 500 mg/m² Körperoberfläche als 10-minütige intravenöse Infusion am ersten Tag jedes 21-tägigen Zyklus verabreicht.

Zur Prämedikation und Reduktion der Toxizität sollten Patienten eine Kortikosteroid-Verabreichung erhalten, sowie die tägliche Einnahme von Folsäure oder Multivitaminen mit Folsäure und intramuskuläre Injektionen von Vitamin B12.

Die Therapieanpassung ist abhängig von hämatologischen und nicht-hämatologischen Toxizitätslevels und sollte auf Grundlage von Blutuntersuchungen erfolgen, die vor jeder Therapiesitzung durchgeführt werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen von Pemetrexed sind Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall oder Verstopfung sowie Entzündungen von Rachen- und Mundschleimhaut. Daneben gibt es beispielsweise Nebenwirkungen in Form von Veränderungen des Blutbildes, Nieren- und oder Lebenfunktionsstörungen sowie Entzündungen der Speiseröhre.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Pemetrexed zu beachten:

  • Pemetrexed wird hauptsächlich durch die Nieren ausgeschieden. Nephrotoxische Medikamente können die Ausscheidung von Pemetrexed verzögern. Die Kreatinin-Clearance sollte engmaschig überwacht werden, wenn solche Medikamente gleichzeitig angewendet werden.
  • Substanzen, die ebenfalls durch die Nieren ausgeschieden werden, können ebenfalls die Ausscheidung von Pemetrexed verzögern. Bei gleichzeitiger Anwendung sollte dies sorgfältig überwacht werden.
  • Hohe Dosen von NSAR und Acetylsalicylsäure können bei Patienten mit normaler Nierenfunktion zu vermehrten Nebenwirkungen führen. Hier ist Vorsicht geboten.
  • Bei Patienten mit leichter bis mittlerer Niereninsuffizienz sollte die gleichzeitige Anwendung von Pemetrexed und NSAR oder Acetylsalicylsäure mindestens 2 Tage vor, am Tag der Therapie und mindestens 2 Tage nach der Therapie vermieden werden.
  • NSAR mit langer Halbwertszeit sollten bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz mindestens 5 Tage vor, am Tag der Therapie und mindestens 2 Tage nach der Therapie vermieden werden.
  • Pemetrexed wird nur geringfügig in der Leber metabolisiert. Es sind keine signifikanten Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die durch CYP-Enzyme metabolisiert werden, zu erwarten.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Antikoagulanzien und Pemetrexed sollte die INR häufiger überwacht werden, aufgrund der Möglichkeit von Wechselwirkungen.
  • Die gleichzeitige Anwendung von Pemetrexed und dem Gelbfieberimpfstoff ist kontraindiziert.
  • Die Anwendung von Lebendimpfstoffen zusammen mit Pemetrexed wird nicht empfohlen. Es besteht die Gefahr einer systemischen, möglicherweise tödlichen Erkrankung, insbesondere bei Patienten mit Immunsuppression. Inaktivierte Impfstoffe sollten stattdessen verwendet werden, wenn verfügbar.

Kontraindikationen

Pemetrexed darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder bei Frauen, die stillen. Darüber hinaus darf während der Anwendung von Pemetrexed keine Gelbfieber-Impfung erfolgen.

Anwendungshinweise

Folgende Hinweise sind bei der Anwendung von Pemetrexed zu beachten:

  • Pemetrexed kann die Knochenmarkfunktion unterdrücken, was sich als Neutropenie, Thrombozytopenie und Anämie zeigt. Dies erfordert eine Überwachung und möglicherweise eine Dosisanpassung.
  • Die Behandlung darf nicht fortgesetzt werden, wenn bestimmte Blutwerte (absolute Neutrophilenzahl <1.500 Zellen/mm³, Thrombozytenzahl <100.000 Zellen/mm³) nicht erreicht sind.
  • Eine Vorbehandlung mit Folsäure und Vitamin B12 kann die Toxizität von Pemetrexed reduzieren.
  • Vorbehandlung mit Kortikosteroiden wie Dexamethason kann die Häufigkeit und Schwere von Hautreaktionen verringern.
  • Pemetrexed sollte nicht bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von unter 45 ml/min angewendet werden.
  • Patienten mit Niereninsuffizienz sollten die gleichzeitige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika und Acetylsalicylsäure vermeiden.
  • Bei Patienten wurden schwerwiegende Nierenereignisse und kardiovaskuläre Ereignisse berichtet. Daher sollten Patienten regelmäßig auf diese Komplikationen überwacht werden.
  • Pemetrexed kann das Erbgut schädigen, deshalb sollten Männer und Frauen wirksame Verhütungsmethoden anwenden.
  • Pemetrexed kann Strahlenpneumonitis verursachen und sollte daher mit Vorsicht bei Patienten angewendet werden, die eine Strahlentherapie erhalten haben.
  • Die Auswirkungen von Flüssigkeitsansammlung im transzellulären Raum auf Pemetrexed sind nicht vollständig bekannt. Bei Patienten mit solcher Flüssigkeitsansammlung sollte eine Drainage in Betracht gezogen werden.
  • Die gleichzeitige Anwendung von attenuierten Lebendimpfstoffen ist bei Krebspatienten unter Pemetrexed nicht empfohlen.

Alternativen

Alternativen zu Pemetrexed hängen von der spezifischen Erkrankung und dem Stadium ab. Sie umfassen andere Chemotherapeutika, Immuntherapien oder gezielte Therapien. Bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs können außerdem Paclitaxel, Docetaxel, Gemcitabin oder Vinorelbin verwendet werden. Zudem spielen neuere Immuntherapeutika wie Pembrolizumab und Nivolumab sowie zielgerichtete Therapien wie Erlotinib, Afatinib und Crizotinib, abhängig vom genetischen Profil des Tumors, eine zunehmend wichtige Rolle.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
427.41 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 3.5 H
Q0-Wert:
0.2
Autor:
Stand:
26.06.2023
Quelle:

Fachinformation Pemetrexed Hexal

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