Pentamidin
Pentamidin ist ein Antiprotozoenmittel, das durch Interferenz mit der DNA- und RNA-Synthese von Parasiten wirkt und vorrangig zur Behandlung und Prophylaxe der Pneumocystis jirovecii-Pneumonie eingesetzt wird.
Pentamidin: Übersicht

Anwendung
Pentamidin besitzt folgende Indikationsgebiete:
- Prophylaxe und Therapie der Pneumocystis-carinii-Pneumonie
- Viszerale und kutane Leishmaniosen
- Frühstadium der Trypanosomiasis mit Trypanosoma gambiense als Erreger
Anwendungsart
Pentamidin wird hauptsächlich auf drei Arten verabreicht: intravenös für systemische Infektionen, per Inhalation für die Prophylaxe oder Behandlung von Pneumocystis jirovecii-Pneumonie und seltener intramuskulär.
Wirkmechanismus
Pentamidin ist ein diamidinartiges Antiprotozoenmittel, dessen Wirkmechanismus, obwohl nicht vollständig entschlüsselt, hauptsächlich auf seiner Fähigkeit basiert, die DNA- und RNA-Synthese der Zielorganismen zu stören. Pentamidin interagiert direkt mit der DNA, indem es sich an die AT-reichen Bereiche der Doppelhelix bindet. Diese Bindung führt zu einer Störung der DNA-Struktur, was die Replikation, Transkription und letztendlich die Proteinbiosynthese der Parasiten beeinträchtigt.
Darüber hinaus wird angenommen, dass Pentamidin die mitochondriale Funktion stört, indem es die oxidative Phosphorylierung hemmt, was zu einem Energiemangel in den Parasitenzellen führt. Diese Beeinträchtigung der Energieproduktion ist kritisch, da sie zum Zelltod führt. Pentamidin zeigt auch Wirkung auf die Membranintegrität der Erreger, indem es die Permeabilität verändert, was zu einem unkontrollierten Ionenaustausch und zum Zelltod führt.
Dosierung
Die Dosierung und Anwendung von Pentamidin variiert je nach Erkrankung und Patientengruppe.
Prophylaxe der Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PCP)
- Einleitung: 200 mg Pentamidindiisethionat täglich, gegebenenfalls über 4 Tage.
- Fortlaufende Prophylaxe: 150-200 mg alle 2 Wochen oder 300 mg einmal pro Monat per Inhalation.
- Hinweis: Die optimale Dosierung und das Zeitintervall sind noch nicht abschließend definiert.
Behandlung der Pneumocystis-carinii-Pneumonie
- Dosierung: 4 mg Pentamidindiisethionat pro kg Körpergewicht täglich, vorzugsweise als langsame intravenöse Infusion über 60 Minuten.
- Behandlungsdauer: Üblicherweise 14 Tage, bei schweren Fällen eventuell länger, jedoch nicht länger als 21 Tage.
Leishmaniasis
- Dosierung: 3-4 mg Pentamidindiisethionat pro kg Körpergewicht täglich.
- Viszerale Leishmaniasis: Intramuskuläre Injektion jeden zweiten Tag, maximal 10 Anwendungen. Ein zweiter Behandlungszyklus ist möglich.
- Kutane Leishmaniasis: Intramuskuläre Injektion ein- oder zweimal wöchentlich bis zur Genesung.
Trypanosomiasis
- Dosierung: 4 mg Pentamidindiisethionat pro kg Körpergewicht täglich oder jeden zweiten Tag.
- Anwendung: Intramuskulär oder intravenös, insgesamt 7-10 Anwendungen.
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion
- Stark eingeschränkte Nierenfunktion: Anpassung der Dosierung erforderlich. Bei lebensbedrohlicher PCP 4 mg/kg für 7-10 Tage, dann alle 2 Tage bis zu mindestens 14 Anwendungen. Bei weniger schweren Fällen alle 2 Tage.
- Leichte Niereninsuffizienz: Mindestens 36 Stunden zwischen den Dosen.
- Trypanosomiasis und Leishmaniasis: Nicht weniger als 48 Stunden zwischen den Dosen.
Nebenwirkungen
Sehr häufig kann es bei der parenteralen Anwendung von Pentamidin zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
- Azotämie (erhöhten Spiegel von Stickstoff-haltigen Abbauprodukten im Blut, insbesondere von Harnstoff und Kreatinin)
- Akutes Nierenversagen (teils lebensbedrohlich)
- Hämaturie
- Lokale Reaktionen: Schwellungen, Entzündungen und Schmerz bis zur Verhärtung, Abszessbildung und Muskelnekrose
Wechselwirkungen
Bei der Kombination von Pentamidin mit bestimmten Medikamenten können ernsthafte Wechselwirkungen auftreten:
- Didanosin: Die gleichzeitige Anwendung mit Pentamidin kann das Risiko für eine Pankreatitis erhöhen.
- Foscarnet: Bei gleichzeitiger Gabe mit Pentamidin besteht ein erhöhtes Risiko für eine deutliche Verschlechterung der Nierenfunktion sowie für Hypokalzämie.
- Amphotericin B: Die Kombination von Amphotericin B mit Pentamidin, insbesondere bei systemischer Behandlung, kann zu schweren Nierenfunktionsstörungen führen. Diese Wechselwirkung wurde bei der inhalativen Verabreichung von Pentamidin bisher nicht beobachtet.
- Medikamente, die das QT-Intervall verlängern: Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Gabe von Pentamidin mit Medikamenten, die das QT-Intervall im EKG verlängern können. Dazu gehören bestimmte Psychopharmaka (wie Phenothiazine und trizyklische Antidepressiva), einige Antihistaminika (wie Terfenadin und Astemizol), bestimmte Antibiotika (wie Erythromycin i.v. und einige Chinolone) sowie Halofantrin.
Kontraindikationen
Pentamidin darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Pentacarinat sind folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
- Blutdruckkontrolle: Wegen des Risikos eines plötzlichen und schweren Blutdruckabfalls sollte Pentacarinat nur am liegenden Patienten verabreicht werden, mit kontinuierlicher Blutdrucküberwachung während und nach der Verabreichung.
- Vorsicht bei bestimmten Patientengruppen: Patienten mit Hypertonie, Hypotonie, Hyper-/Hypoglykämie, Hypokalzämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie sowie Leber- oder Nierenfunktionsstörungen benötigen eine engmaschige Überwachung.
- Schwere Nebenwirkungen: Es gab Berichte über tödliche Fälle von schwerem Blutdruckabfall, Hypoglykämie, akuter Pankreatitis und Herzrhythmusstörungen nach intravenöser und intramuskulärer Gabe.
- Inhalationsbehandlung: Sollte vorsichtig und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, besonders bei Patienten mit Asthma oder Rauchern, da Bronchospasmen auftreten können. Die Verwendung eines inhalativen Bronchodilatators kann hilfreich sein.
- QT-Intervall Verlängerung: Pentamidindiisetionat kann das QT-Intervall verlängern, was das Risiko für Herzrhythmusstörungen wie Torsade de pointes erhöht. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Herzrhythmusstörungen geboten.
- Regelmäßige Untersuchungen: Dazu gehören tägliche Kontrollen von Harnstoff-Stickstoff im Blut und Serumkreatinin, komplettes Blutbild, Nüchternblutzucker, Leberfunktionstests, wöchentliche Bestimmung von Serumkalzium, zweimal wöchentliche Bestimmung von Serummagnesium, tägliche Urinanalyse und Serum-Elektrolyt-Bestimmungen sowie regelmäßige EKGs.
- Risikoabwägung bei Inhalationsbehandlung: Der Nutzen einer Inhalationsbehandlung bei Patienten mit hohem Risiko für einen Pneumothorax muss sorgfältig gegen die möglichen klinischen Folgen abgewogen werden.
Alternativen
Die Behandlungsalternativen zu Pentamidin hängen von der spezifischen Erkrankung ab, für die es eingesetzt wird. Einige Alternativen für die Hauptanwendungsgebiete von Pentamidin umfassen:
Pneumocystis jirovecii-Pneumonie (PCP)
- Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX): Dies ist die erste Wahl für die Behandlung und Prophylaxe von PCP. Es wird wegen seiner Wirksamkeit und Kosteneffizienz bevorzugt.
- Atovaquon: Eine Alternative für Patienten, die TMP-SMX aufgrund von Unverträglichkeiten oder Allergien nicht einnehmen können.
- Clindamycin in Kombination mit Primaquin: Eine weitere Option für Patienten mit TMP-SMX-Unverträglichkeit.
- Dapson: Wird sowohl für die Behandlung als auch für die Prophylaxe von PCP eingesetzt, oft in Kombination mit Pyrimethamin und Leucovorin, besonders bei TMP-SMX-Unverträglichkeit.
Leishmaniasis
- Amphotericin B: Vor allem in seiner liposomalen Form wird es für die Behandlung der viszeralen Leishmaniasis eingesetzt und gilt als sehr wirksam.
- Miltefosin: Ein orales Medikament, das für die Behandlung der kutanen, mukokutanen und viszeralen Leishmaniasis verwendet wird.
- Paromomycin: Ein aminoglykosidisches Antibiotikum, das topisch für kutane Leishmaniasis oder intramuskulär für viszerale Leishmaniasis eingesetzt wird.
Trypanosomiasis
- Eflornithin: Die bevorzugte Behandlung für die späte Phase der Westafrikanischen Schlafkrankheit, insbesondere bei ZNS-Beteiligung.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Pentacarinat










