Pentostatin

Pentostatin (Nipent) ist ein Purin-Analogon, das als Inhibitor der Adenosindesaminase (ADA) fungiert und vorwiegend in der Behandlung von Haarzellleukämie eingesetzt wird.

Pentostatin

Anwendung

Pentostatin wird zur Monotherapie der Haarzell-Leukämie bei Erwachsen angewendet.

Anwendungsart

Pentostatin ist als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung und als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung auf dem Markt. Vor und nach der Pentostatin-Behandlung wird eine Hydratation mit Glukoselösung empfohlen.

Wirkmechanismus

Pentostatin ist ein Nukleosidanalogon, das als potenter Inhibitor der Adenosindesaminase (ADA), eines Schlüsselenzyms im Purinstoffwechsel, wirkt. Durch diese Hemmung verursacht Pentostatin eine Anhäufung von Adenosin und Deoxyadenosin in den Zellen, was zu einer erhöhten Konzentration von Deoxyadenosintriphosphat (dATP) führt.

Dieser Anstieg von dATP hemmt die Ribonukleotidreduktase, was wiederum die DNA-Synthese stört und in der Hemmung der Zellteilung resultiert. Dieser Mechanismus ist besonders effektiv gegen lymphozytäre Zellen, wodurch Pentostatin bei der Behandlung bestimmter Leukämieformen, insbesondere der Haarzellleukämie, eingesetzt wird.

Dosierung

  • Die empfohlene Dosis beträgt 4 mg/m² Körperoberfläche als Einmaldosis alle 14 Tage.
  • Pentostatin kann entweder als intravenöse Bolusinjektion oder verdünnt über 20–30 Minuten infundiert werden.
  • Nach 6 Monaten wird das Therapieansprechen überprüft; bei keiner kompletten oder teilweisen Remission sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Nebenwirkungen

Sehr häufig kommt es bei der Anwendung von Pentostatin zu folgenden Nebenwirkungen:

  • Infektionen der oberen Atemwege, Rhinitis, Pharingitis, Virusinfektionen
  • Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie, Bluterkrankungen,
  • Eosinophilie, hyprochrome Anämie, Panzytopenie
  • Allergische Reaktionen
  • Kopfschmerzen, Neurotoxizität
  • Husten, Lungenerkrankungen
  • Übelkeit und/oder Erbrechen, Diarrhö, abdominelle Schmerzen,
  • Anorexie, rektale Probleme, rektale Blutung
  • Leberfunktionstests erhöht, Ikterus, Hyperbilirubinämie, GPT-Erhöhung, GOT-Erhöhung
  • Myalgie, Knochenprobleme, Arthropathie
  • Fieber, Müdigkeit (Fatigue), Schüttelfrost, Asthenie, Schmerzen

Wechselwirkungen

Bei der Kombination von Pentostatin mit anderen Arzneimitteln sind folgende Wechselwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Allopurinol: Obwohl Allopurinol und Pentostatin beide mit Exanthemen in Verbindung gebracht werden, zeigte eine Studie mit 25 refraktären Patienten, die beide Medikamente erhielten, keine erhöhte Inzidenz an Hautausschlägen im Vergleich zur Monotherapie mit Pentostatin. Allerdings wurde in einem Einzelfall eine tödliche allergische Vaskulitis bei einem Patienten berichtet, der beide Wirkstoffe erhielt.
  • Vidarabin: Pentostatin kann die Wirkung von Vidarabin, einem antiviralen Purinnukleosid, verstärken. Diese Kombination könnte zu einem Anstieg der Nebenwirkungen beider Medikamente führen, ohne dass der therapeutische Nutzen dieser Kombination gesichert ist.
  • Fludarabin: Die Kombination von Pentostatin mit Fludarabinphosphat wird aufgrund der Assoziation mit tödlichen Lungenschäden nicht empfohlen.
  • Knochenmarktransplantation mit Hochdosis-Cyclophosphamid: Es gibt Berichte, dass die Kombination von Pentostatin mit Carmustin, Etoposid und Hochdosis-Cyclophosphamid, die als Teil einer ablativen Knochenmarkbehandlung in Vorbereitung auf eine Transplantation verwendet wurde, zu akuten Lungenödemen und Hypotonie mit Todesfolge führen kann. Daher wird diese Kombination nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Pentostatin ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance kleiner als 60 ml/min)
  • akuten Infektionen

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Pentostatin sind folgende besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Pentostatin sollte nur unter Aufsicht von Ärzten mit Erfahrung in chemotherapeutischen Methoden erfolgen.
  • Dosis: Die Verabreichung höherer Dosen als empfohlen ist aufgrund der Gefahr schwerer Toxizitäten zu vermeiden.
  • Kombinationstherapien: Die gleichzeitige Anwendung mit Fludarabinphosphat oder hochdosiertem Cyclophosphamid wird aufgrund des Risikos schwerwiegender Lungentoxizität nicht empfohlen.
  • Knochenmarksuppression: Kann während der ersten Therapiezyklen auftreten; regelmäßige Kontrollen des Blutbildes sind erforderlich.
  • Vorbestehende Infektionen: Patienten mit vorbestehenden Infektionen sollten nur behandelt werden, wenn der Nutzen das Risiko rechtfertigt.
  • Nebenwirkungen: Bei Auftreten schwerer Nebenwirkungen sollte die Behandlung unterbrochen oder abgebrochen werden.
  • Überwachung: Regelmäßige Überprüfung der Nierenfunktion, des Blutbildes und der Leberfunktionsparameter ist erforderlich.

Alternativen

Für die Behandlung der Haarzellleukämie gibt es neben Pentostatin mehrere Alternativen:

  • Interferon alpha: Diese Langzeittherapie wird bei Haarzellleukämie eingesetzt, wobei Interferon alpha typischerweise dreimal wöchentlich subkutan verabreicht wird. Es ist jedoch zu beachten, dass diese Therapieform einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt​​.
  • Cladribin: Cladribin ist ein weiteres Purinanalogon und wird häufig als die Therapie der Wahl bei Haarzellleukämie betrachtet. Es ist ein relativ gut verträgliches Chemotherapeutikum und wird oft der Interferon-Behandlung vorgezogen. Handelsnamen von Cladribin sind unter anderem Leustatin® und Litak®​​​​.
  • Kombinierte Chemoimmuntherapien: Bei Rezidiven oder wenn die Krankheit auf die Standardtherapie nicht anspricht, werden kombinierte Chemoimmuntherapien eingesetzt, die Anti-CD20-Antikörper wie Rituximab (Mabthera) beinhalten.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
268.27 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 5.7 H
Q0-Wert:
0.0
Autor:
Stand:
17.11.2023
Quelle:
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