Pentoxifyllin
Der Wirkstoff Pentoxifyllin ist ein Methylxanthin-Derivat und findet aufgrund seiner positiven Effekte auf die rheologischen Eigenschaften des Blutes Einsatz zur Behandlung peripherer arterieller Durchblutungsstörungen (insbesondere bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, pAVK, ugs. Schaufensterkrankheit).
Pentoxifyllin: Übersicht

Anwendung
Der Wirkstoff Pentoxifyllin ist indiziert zur Behandlung von peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen (Stadium II nach Fontaine). Zur schmerzfreien Verlängerung der Gehstrecke findet Pentoxifyllin insbesondere bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK, ugs. Schaufensterkrankheit) Verwendung. Dies allerdings erst, wenn andere Therapieoptionen z.B. Gehtraining nicht durchzuführen sind.
Anwendungsart
Pentoxifyllin ist in verschiedenen Darreichungsformen auf dem deutschen Markt verfügbar: Als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (300 mg / 15 ml) oder üblicherweise als Retardtablette (400 mg, 600 mg).
Wirkmechanismus
Pentoxifyllin lässt sich chemisch der Klasse der Methylxanthin-Derivate zuordnen. Durch seine durchblutungsfördernden Effekte verbessert der Wirkstoff die rheologischen Eigenschaften des Blutes durch Senkung der Blutviskosität. Pharmakologisch ist dieser Effekt auf mehrere Mechanismen zurückzuführen. Pentoxifyllin steigert die Flexibilität von Erythrozyten durch eine Erhöhung des ATP Spiegels.
Zusätzlich führt eine Hemmung von Phosphodiesterasen (PDE) zum Anstieg von intrazellulärem cAMP, was eine Vasodilatation bedingt. Außerdem hemmt Pentoxifyllin die Thrombozyten- sowie Erythrozytenaggregation und führt ebenfalls zur Senkung von pathologisch erhöhten Fibrinogenspiegeln im Plasma. Ein erhöhter Fibrinogenspiegel kann beispielsweise Folge einer Entzündung oder einer Verbrennung sein.
Pharmakokinetik
Resorption
Trotz schneller und nahezu vollständiger Resorption beträgt die orale Bioverfügbarkeit von Pentoxifyllin aufgrund eines ausgeprägten First-Pass-Effektes nur etwa 20-30%.
Maximale Plasmaspiegel werden bei nicht retardierten Darreichungsformen nach weniger als einer Stunde gemessen.
Biotransformation (Metabolismus)
Pentoxifyllin wird in der Leber fast vollständig zu seinem aktiven Hauptmetaboliten 1-(5-Hydroxyhexyl)-3,7-dimethylxanthin metabolisiert. Dabei ist der Metabolit im Plasma zweifach höher konzentriert als die Muttersubstanz Pentoxifyllin und steht mit dieser im biochemischen Gleichgewicht. Aus diesem Grund sind beide Substanzen als eine wirksame Einheit einzustufen.
Elimination
Pentoxifyllin wird hauptsächlich renal in Form von polaren Metaboliten ohne Konjugation eliminiert, wobei etwa 4% über den Fäzes ausgeschieden werden. In unveränderter Form wird Pentoxifyllin nur in Spuren ausgeschieden. Die Halbwertszeit von Pentoxifyllin beträgt 0,4-0,8 Stunden, wohingegen die der Metaboliten 1,0-1,6 Stunden beträgt. Die terminale Plasmahalbwertszeit von Pentoxifyllin wird mit 1,6 Stunden angegeben. Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion verzögert sich die Elimination der Metaboliten, bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion verlängert sich die diese und die Bioverfügbarkeit erhöht sich.
Dosierung
Soweit nicht anders verordnet gilt folgende Standarddosierung (unzerkaut nach dem Essen mit reichlich Flüssigkeit):
- 3x täglich eine Retardtablette 400 mg (1200 mg Pentoxifyllin pro Tag)
- 2x täglich eine Retardtablette 600 mg (1200 mg Pentoxifyllin pro Tag)
Bei Patienten mit schwankenden oder niedrigen Blutdruckwerten können Dosisanpassungen erforderlich sein.
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min):
- Dosisanpassung auf 50-70% der Normdosis in Abhängigkeit der individuellen Verträglichkeit (z.B. 2x täglich 400 mg, statt 3x täglich)
Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen:
- Verringerung der Dosis (vom Arzt individuell festzulegen)
Bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine Erfahrungen.
Nebenwirkungen
Bei der Einnahme von Pentoxifyllin können sehr häufig (> 10%) Magen-Darm-Beschwerden (unter anderem Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall) auftreten. Häufig können auch Schwindel, Kopfschmerzen, Fieber, Tremor oder Flush (Gesichtsrötung mit Hitzegefühl) auftreten.
Zu den schwerwiegenden aber sehr selten auftretenden Nebenwirkungen zählen epidermale Nekrolyse sowie das Stevens-Johnson-Syndrom, Blutungen (auch Netzhautblutungen bis hin zur Netzhautablösung), aplastische Anämie (Panzytopenie) und anaphylaktischer Schock.
Wechselwirkungen
Bei der Anwendung von Pentoxifyllin kann es mit folgenden Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen:
- Antihypertensiva: Potenzierung des blutdrucksenkenden Effektes
- Antikoagulanzien: Verstärkung der Blutgerinnungshemmung (Achtung bei Patienten mit erhöhter Blutungsneigung unter anderem durch gerinnungshemmende Arzneimittel)
- Orale Antidiabetika, Insulin: Verstärkte Blutzuckersenkung möglich, wodurch eine Hypoglykämie entstehen kann (Blutzuckerkontrolle)
- Theophyllin: Erhöhung des Theophyllin-Spiegels möglich (geringe therapeutische Breite, Auftreten von UAW wahrscheinlicher)
- Cimetidin: Erhöhung des Plasmaspiegels von Pentoxifyllin und aktivem Metabolit (verstärkte Wirkung möglich)
- Ciprofloxacin: Erhöhung des Plasmaspiegels von Pentoxifyllin (Zunahme und Verstärkung der UAW möglich)
Kontraindikationen
Pentoxifyllin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Methylxanthine oder sonstige Bestandteile der Formulierung
- akutem Herzinfarkt
- intrazerebralen Blutungen oder anderen klinisch relevanten Blutungen (erhöhtes Blutungsrisiko)
- Magen-/Darm-Ulcera
- hämorrhagischer Diathese (pathologisch gesteigerte Blutungsneigung z.B. durch Hämophilie A/B)
- Netzhautblutungen
Schwangerschaft
Die Datenlage zur Anwendung von Pentoxifyllin bei Schwangeren ist unzureichend, weshalb ein Einsatz in der Schwangerschaft nicht empfohlen wird.
Stillzeit
Pentoxifyllin geht in die Muttermilch über, wobei der Säugling nur geringen Mengen des Wirkstoffs ausgesetzt ist. Demnach ist bei stillenden Frauen eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt erforderlich.
Verkehrstüchtigkeit
Es sind keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen bekannt.Es sind keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen bekannt.
Anwendungshinweise
Pentoxifyllin sollte abgesetzt werden bei:
- Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion
- Auftreten von Netzhautblutungen
Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist erforderlich bei:
- Herzrhythmusstörungen
- Arterieller Hypotonie
- Koronarsklerose
- Herzinfarkt in der Vorgeschichte
- Postoperativen chirurgischen Eingriffen
- gleichzeitiger Anwendung mit oralen Antikoagulanzien (erhöhtes Blutungsrisiko)
- eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min): Dosisanpassung auf 50-70% der Normdosis
- schweren Leberfunktionsstörungen: individuell angepasste Verringerung der Dosis
- gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln mit Wechselwirkungspotenzial (siehe Wechselwirkungen)
Wegen der Gefahr des Auftretens aplastischer Anämien sollten regelmäßig Blutbildkontrollen durchgeführt werden.
Alternativen
Als Alternativen zu Pentoxifyllin stehen zur Behandlung der pAVK (abhängig vom Stadium) neben einem operativen Eingriff folgende Optionen zur Verfügung:
Medikamentös:
- Thrombozytenaggregationshemmer: ASS oder Clopidogrel
- Cilostazol (PDE-3-Hemmer) oder Naftidrofuryl
Risikofaktormanagement:
- Nikotinkarenz
- Strukturiertes Gehtraining
- Diabetestherapie
- Blutdruckbehandlung
- Cholesterinsenkung (Statine)
Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.
Wirkstoff-Informationen
- 1A Pharma: Fachinformation Pentoxifyllin
- Ratiopharm: Fachinformation Pentoxifyllin
- StatPearls: Pentoxifylline
- AWMF: Leitlinie pAVK
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