Perphenazin

Perphenazin ist ein Neuroleptikum aus der Gruppe der Phenothiazine. Es wirkt als Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonist und wird vor allem zur Behandlung schizophrener Psychosen eingesetzt. Seine Wirkung beruht auf einer Blockade dopaminerger Systeme im zentralen Nervensystem, wodurch es antipsychotische und antiemetische Effekte entfaltet.

Perphenazin

Anwendung

Perphenazin wird zur Behandlung folgender Indikationen eingesetzt:

  • Endogene Psychosen, insbesondere akute und chronische Schizophrenien, einschließlich katatoner und paranoid-halluzinatorischer Formen
  • Psychomotorische Erregungszustände psychotischer Genese

Anwendungsart

Perphenazin wird oral in Tablettenform eingenommen. Die Tabletten werden nach den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit verabreicht.

Wirkmechanismus

Perphenazin ist ein Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonist aus der Phenothiazin-Klasse.

  • Es blockiert postsynaptische zentrale Dopaminrezeptoren.
  • Die antipsychotische Wirkung beruht auf der Hemmung dopaminerger Übertragung im mesolimbischen System.
  • Nebenwirkungen wie extrapyramidale Symptome und Hyperprolaktinämie ergeben sich aus der dopaminergen Blockade im nigrostriatalen und tuberoinfundibulären System.
  • Es besitzt zusätzlich antiemetische Wirkung durch Blockade dopaminerger Rezeptoren in der Area postrema.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Perphenazin zeigt eine ausgeprägte Lipophilie und wird nach oraler Gabe gut resorbiert.
  • Die orale Bioverfügbarkeit beträgt etwa 40 %, mit großer inter- und intraindividueller Variabilität (15–99 %).
  • Maximale Plasmakonzentrationen werden 1–4 Stunden nach Einnahme erreicht.

Verteilung

  • Verteilungsvolumen: 10–35 l/kg, was auf eine starke Lipophilie hinweist.
  • Plasma-Eiweißbindung etwa 90 %.
  • Perphenazin passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über.

Metabolisierung

  • Ausgeprägter First-Pass-Metabolismus.
  • Es werden Glukuronide und Sulfoxide gebildet.

Elimination

  • Plasmahalbwertszeit: 8–12 Stunden.
  • Nur etwa 2 % der unveränderten Substanz werden renal ausgeschieden.
  • Die Clearance beträgt ca. 1800 ml/min.
  • Ausscheidung überwiegend renal in Form von Metaboliten.

Besondere Hinweise

  • Therapeutische Plasmakonzentrationen liegen zwischen 0,6 und 2,4 ng/ml.
  • Die Konzentrationen können stark variieren.

Dosierung

Die Dosierung von Perphenazin richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, dem klinischen Ansprechen und patientenspezifischen Faktoren:

  • Initial 8–24 mg täglich (1–3 Tabletten zu 8 mg).
  • Langsame Dosiserhöhung bis zur individuell optimalen therapeutischen Dosis.
  • Bei älteren Patientinnen und Patienten wird meist mit niedrigeren Dosen begonnen.
  • Bei Langzeitprophylaxe der Schizophrenie kann eine Dauermedikation über Jahre erforderlich sein.
  • Einnahme nach den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (≥ 10 %):

  • Extrapyramidale Symptome (z. B. Parkinsonoid, Frühdyskinesien).

Häufig (≥1 %–< 10 %):

  • Akkommodationsstörungen
  • Mundtrockenheit, Obstipation
  • Hormonelle Störungen (Galaktorrhö, Zyklusstörungen, Gewichtszunahme)
  • Müdigkeit, Einschlafstörungen
  • Hypotonie, Tachykardie, Kreislauflabilität
  • Sehstörungen (inkl. Glaukomanfall)
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Gelegentlich (≥ 0,1 %–< 1 %):

  • Gastrointestinale Beschwerden (Nausea, Erbrechen)
  • Leberenzymerhöhungen, Cholestase
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Photosensibilität, Hautausschlag)
  • Schwindel, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung, delirante Syndrome

Selten (≥ 0,01 %–< 0,1 %):

  • Lupus-erythematodes-ähnliche Syndrome
  • Paralytischer Ileus

Sehr selten (< 0,01 %):

  • Malignes neuroleptisches Syndrom
  • Pigmentablagerungen in Kornea und Linse
  • Autoimmunreaktionen
  • Blutbildveränderungen (z. B. Agranulozytose)
  • QT-Verlängerung bis hin zu lebensbedrohlichen Arrhythmien
  • Thromboembolische Ereignisse

Unbekannt:

  • Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Perphenazin zu beachten:

  • Verstärkung sedierender Effekte bei gleichzeitiger Gabe zentral dämpfender Medikamente (z. B. Benzodiazepine, Hypnotika, Opioide).
  • Additive anticholinerge Effekte mit trizyklischen Antidepressiva und Anticholinergika.
  • Erhöhung der Plasmaspiegel trizyklischer Antidepressiva.
  • Erhöhte Perphenazin-Spiegel bei gleichzeitiger Einnahme von SSRI (z. B. Fluoxetin, Paroxetin).
  • Abschwächung der Wirkung dopaminerger Antiparkinsonmittel (z. B. Levodopa).
  • Verstärkung extrapyramidaler Symptome bei Kombination mit Piperazin-haltigen Anthelmintika.
  • Risiko neurotoxischer Syndrome bei gleichzeitiger Lithiumgabe.
  • Verstärkte Blutdrucksenkung mit Antihypertensiva, aber auch mögliche orthostatische Dysregulation.
  • Epinephrin sollte zur Behandlung einer Hypotonie vermieden werden (Gefahr der Adrenalinumkehr).
  • QT-verlängernde Arzneimittel (z. B. Antiarrhythmika Klasse IA/III, Makrolide, bestimmte Antidepressiva) sollten nicht kombiniert werden.
  • Erhöhtes Risiko für Krampfanfälle bei Kombination mit Pentetrazol oder Phenytoin.
  • Veränderte Blutzuckerregulation bei Diabetikern möglich.
  • Alkohol verstärkt die sedierende Wirkung.

Kontraindikationen

Perphenazin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Perphenazin oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Akuten Intoxikationen mit zentraldämpfenden Substanzen (z. B. Alkohol, Opiate, Hypnotika, Tranquilizer)
  • Schweren Blutzell- oder Knochenmarksschäden
  • Schweren Lebererkrankungen
  • Schweren Depressionen
  • Komatösen Zuständen

Schwangerschaft

Perphenazin sollte im ersten Trimenon nicht angewendet werden. Im zweiten und dritten Trimenon ist eine Anwendung nur bei zwingender Indikation und in der niedrigsten wirksamen Dosis angezeigt, da beim Neugeborenen extrapyramidale Symptome oder Entzugserscheinungen auftreten können. Neugeborene sollten nach intrauteriner Exposition sorgfältig überwacht werden.

Stillzeit

Perphenazin geht in die Muttermilch über. Wenn eine Therapie erforderlich ist, sollte abgestillt werden, um eine Exposition des Säuglings zu vermeiden.

Verkehrstüchtigkeit

Perphenazin kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen und die Verkehrstüchtigkeit sowie die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen herabsetzen, insbesondere in Kombination mit Alkohol.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Perphenazin zu beachten:

  • Kardiovaskuläre Risiken: QT-Verlängerung mit Risiko ventrikulärer Arrhythmien, Vorsicht bei kardialer Vorerkrankung.
  • Blutbildveränderungen: Regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich. Behandlung bei pathologischen Werten sofort abzubrechen.
  • Krampfschwelle: Senkung der Krampfschwelle, Vorsicht bei Epilepsie.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom: Frühsymptome wie Fieber und Rigor beachten, Therapie sofort beenden.
  • Orthostatische Hypotonie: Vorsicht bei älteren Patienten und Herzinsuffizienz.
  • Leberfunktionsstörungen: Dosisanpassung erforderlich.
  • Erhöhtes Thromboembolierisiko: Risikofaktoren prüfen und Prävention erwägen.
  • Neuroleptika-induzierte Hyperprolaktinämie: Vorsicht bei Mamma-Karzinom.
  • Überwachung neurologischer und psychiatrischer Komorbiditäten: Insbesondere bei Morbus Parkinson nur mit Vorsicht anwenden.
  • Demenz-Patienten: Erhöhtes Mortalitätsrisiko, nicht zur Behandlung verhaltensauffälliger Symptome zugelassen.
  • Anpassung bei Nieren- und Herzinsuffizienz: Dosistitration und engmaschige Überwachung.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Perphenazin kommen folgende Wirkstoffe infrage:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
403.97 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
16.10.2025
Quelle:

Fachinformation Perphenazin-neuraxpharm® 8 mg, Stand 07/2022.

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