Phenoxybenzamin

Phenoxybenzamin ist ein Alpha-Adrenozeptorantagonist, der irreversibel und unselektiv die Alpha-Rezeptoren in der glatten Muskulatur der Blutgefäße und des Urogenitaltrakts blockiert.

Phenoxybenzamin

Anwendung

Phenoxybenzamin wird bei urodynamisch gesicherter neurogener Blasenentleerungsstörung mit erhöhtem Blasensphinktertonus eingesetzt, wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht wirksam oder nicht möglich sind.

Darüber hinaus wird der Alpha-Blocker bei Tumoren des Nebennierenmarks oder der sympathischen Paraganglien (Phäochromozytom) eingesetzt, um den durch die Tumoren stark erhöhten Blutdruck zu senken. Bei Vorliegen eines Phäochromozytoms kommt es insbesondere vor operativen und diagnostischen Eingriffen zur Anwendung.

Wirkmechanismus

Die Wirkung in den arteriellen Gefäßen entfaltet Phenoxybenzamin durch eine irreversible und nicht-selektive Blockade von α1-Adrenozeptoren. Dadurch weiten sich die peripheren arteriellen Gefäße, der Gefäßwiderstand nimmt ab und Nachlast und Blutdruck sinken. Diese Effekte werden durch eine zentrale dämpfende Wirkung infolge einer Blockade von postsynaptischen α1-Adrenozeptoren und präsynaptischen α2-Adrenozeptoren über eine Senkung der Sympathikus-Aktivität verstärkt. Folgen sind unter anderem eine Vasodilatation und verstärkte gastrointestinale Aktivität.

Die positive Wirkung auf Blasenentleerungsstörungen infolge eines erhöhten α-adrenergen Tonus des Sphinkters ergibt sich ebenfalls aus der Alpha-Blockade. In Folge wird der Auslasswiderstand der Harnblase herabgesetzt und die Harnentleerung normalisiert.

Pharmakokinetik

Phenoxybenzamin wird nach oraler Gabe nur zu 20-30 % resorbiert. Es ist stark lipidlöslich. Dadurch kommt es zu einer Kumulation großer Mengen im Neutralfett. Nach oraler Gabe wird das Wirkmaximum in 1-2 h erreicht. Die Wirkdauer beträgt 12 h nach einmaliger Gabe und 3-4 d nach wiederholter Gabe.

Nach intravenöser Applikation von radioaktiv markiertem Phenoxybenzamin wurden mehr als 50% der Radioaktivität innerhalb von 12 h und mehr als 80% innerhalb von 24 Stunden renal ausgeschieden.

Dosierung

Phenoxybenzamin ist derzeit (Stand Februar 2019) in Deutschland in Form von Hartkapseln à 10 mg verfügbar. Die Hartkapseln sind zu einer Mahlzeit und aufrecht sitzend mit reichlich Flüssigkeit einzunehmen und unzerkaut zu schlucken.

Die Dosierung des Wirkstoffes muss individuell ermittelt werden.

Kurzzeitige Behandlung von neurogenen Entleerungsstörungen der Harnblase

Bei neurogenen Entleerungsstörungen der Harnblase wird Phenoxybenzamin von Erwachsenen kurzzeitig in einer Dosierung von initial 10 mg/Tag eingenommen. Die Dosierung kann langsam und mit einem Abstand von je 4-7 Tagen jeweils um 10 mg gesteigert werden. Die Tageshöchstdosis beträgt 60 mg täglich, verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen.

Kontrolle des Blutdrucks bei Phäochromozytom präoperativ

Die Therapie mit Phenoxybenzamin wird ein bis drei Wochen vor dem geplanten Eingriff mit einer initialen Dosis von 10 mg täglich begonnen. Die Tagesdosis kann bis auf 100 mg täglich gesteigert werden.

Blutdruckkontrolle bei inoperablem Phäochromozytom

Die Dosierung bei einem inoperablen Phäochromozytom richtet sich nach der oben angegebenen Dosierung. Die Dosissteigerung sollte langsam und in Intervallen erfolgen, bis eine Besserung der Symptome und/oder eine messbare Senkung des Blutdruckes eintreten, ohne dass es zu starken Nebenwirkungen kommt. Meist ist eine Dosierung von 20-40 mg Phenoxybenzaminhydrochlorid 2-3 mal täglich ausreichend.

Bei Kindern erfolgt die Therapie mit einer Initialdosis von 0,2-0,4 mg/kg Körpergewicht täglich. Die gewählte Dosis sollte sich am Blutdruck- und Kreislaufverhalten orientieren.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen können besonders zu Beginn der Behandlung auftreten. Die gravierendste und für Alpha-Blocker charakteristische Nebenwirkung ist die orthostatische Hypotonie.

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Phenoxybenzamin nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig:

  • Schwindel, Benommenheit
  • orthostatische Hypotension
  • Miosis
  • Reflextachykardie
  • Schwellung der Nasenschleimhaut.

Häufig:

  • ausgeprägte Hypotension.

Sehr selten:

  • Hypotonie und respiratorische Probleme bei Neugeborenen, deren Mütter vor der Entbindung mit Phenoxybenzamin behandelt wurden.

Nicht bekannt:

  • Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit, Diarrhoe, Übelkeit und Erbrechen
  • unspezifische Hautreaktionen
  • Verlust der Ejakulationsfähigkeit (unter Erhalt der Potentia coeundi)
  • unregelmäßige Menstruationsblutungen
  • Müdigkeit, Antriebsarmut.

Insbesondere bei höherer Dosierung können auftreten:

  • motorische Unruhe
  • Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle
  • Hyperventilation.

Wechselwirkungen

Gleichzeitige Anwendung von Phenoxybenzamin mit Antihypertensiva und Vasodilatatoren kann zu einem verstärkten Blutdruckabfall führen.

Die blutdrucksteigernde Wirkung von Alpha-Sympathomimetika kann durch Phenoxybenzamin abgeschwächt werden.

Adrenalin verstärkt jedoch die blutdrucksenkende Wirkung des Phenoxybenzamin. Dies liegt an der verbleibenden Stimulation der Beta-Adrenozeptoren bei vorhandener Alpha-Rezeptorblockade.

Kontraindikation

Phenoxybenzamin soll nicht eingenommen werden bei:

Hinweise

Fertilität, Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft

Phenoxybenzamin sollte in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen/Risiko-Abwägung eingenommen werden. Nach Einzelfallberichten über Anwendung des Wirkstoffs in der Schwangerschaft gibt es jedoch keine Hinweise auf embryotoxische/fetotoxische Schädigungen durch Phenoxybenzamin. Hypotonie und Atemdepression des Neugeborenen können in den ersten Lebenstagen auftreten.

Im Fall einer Anwendung von Phenoxybenzamin in der Schwangerschaft bis zur Entbindung ist eine intensive Überwachung des Neugeborenen bezüglich Hypotonie und respiratorischer Probleme in den ersten Lebenstagen erforderlich.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Phenoxybenzamin in die Muttermilch übergeht. Phenoxybenzamin sollte daher während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden.

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch von Phenoxybenzamin soweit verändert werden, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist. Dies gilt in besonderem Maße bei Behandlungsbeginn sowie in Kombination mit Alkohol.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
303.83 g·mol-1
Autor:
Stand:
04.11.2018
Quelle:

Quelle zur Dosierung: Fachinformation Dibenzyran 10 mg Hartkapseln

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