Praziquantel
Praziquantel gehört zur Wirkstoffgruppe der Antihelminthika und ist vor allem gegen Saugwürmer (Egel) wirksam.
Praziquantel: Übersicht

Anwendung
Praziquantel wird eingesetzt zur Behandlung von Infektionen mit Trematoden, einschließlich verschiedener Arten von Schistosomen (z.B. Schistosoma haematobium, S. mansoni, S. japonicum) sowie Leberegeln (Clonorchis sinensis, Opisthorchis viverrini) und Lungenegeln (Paragonimus westermani und andere Arten).
Anwendungsart
Die Anwendung erfolgt oral in Form von teilbaren Filmtabletten, die unzerkaut mit Flüssigkeit zu einer Mahlzeit eingenommen werden.
Wirkmechanismus
Praziquantel schädigt das synzytiale Integument der Parasiten, was zu einer erhöhten Kalziumpermeabilität und einer spastischen Kontraktion der Muskulatur führt. Der resultierende Kalziumeinstrom und die Membranschädigung führen zum Tod der Parasiten.
Pharmakokinetik
Resorption
- Rasche und vollständige Resorption nach oraler Gabe
- Maximale Serumkonzentrationen innerhalb von 1–2 Stunden
- Konzentration im Mesenterialvenenblut etwa 3–4-fach höher als im peripheren Blut
Verteilung
- Passiert die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke
- Konzentration im Liquor: ca. 10–20% des Serumspiegels
- Übergang in die Muttermilch mit etwa 20% der Serumkonzentration
Metabolisierung
- Ausgeprägter First-pass-Effekt in der Leber
- Hauptmetaboliten: Hydroxylierte Abbauprodukte (4-Hydroxycyclohexylcarbonyl-Analoga)
Elimination
- Ausschließlich renal in Form von Metaboliten
- 80% der Dosis innerhalb von 4 Tagen ausgeschieden, davon 80–90% in den ersten 24 Stunden
- Renale Ausscheidung: 60–80%, biliär: 15–37%, intestinal: 6%
Besondere Hinweise
- Therapeutischer Effekt bei Serumspiegeln von etwa 0,6 μM/l über 4–6 (max. 10) Stunden
Dosierung
Die Dosierung von Praziquantel richtet sich nach Art der Infektion, Körpergewicht und Alter des Patienten:
- Schistosoma haematobium, S. mansoni, S. intercalatum: 40 mg/kg KG, verteilt auf 1–2 Einnahmen an einem Tag
- Schistosoma japonicum, S. mekongi: 60 mg/kg KG, verteilt auf 2–3 Einnahmen an einem Tag
- Clonorchis sinensis, Opisthorchis viverrini: 75 mg/kg KG, verteilt auf 3 Einnahmen, 1–3 Tage
- Paragonimus westermani: 75 mg/kg KG, verteilt auf 3 Einnahmen, 2–3 Tage
Bei Kindern unter 1 Jahr liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen hängen von Dosis, Infektionsart und Lokalisation ab. Häufig ist eine Differenzierung zwischen direkten Arzneimittelwirkungen, Reaktionen auf Parasitenlyse oder Infektionssymptomen nicht eindeutig möglich.
- Sehr häufig (≥1/10): Kopfschmerzen, abdominale Schmerzen, Übelkeit, Müdigkeit
- Häufig (≥1/100 bis <1/10): Schwindel, Somnolenz, Benommenheit, Hautausschlag, Pruritus, Urtikaria, Myalgie, allgemeines Unwohlsein, Fieber
- Gelegentlich bis sehr selten: Eosinophilie, unspezifische Arrhythmien, Krampfanfälle, Anorexie, blutige Diarrhoe
- Sehr selten (<1/10.000): Enzephalitis, Enzephalopathie, Serumkrankheit, respiratorische Insuffizienz
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Praziquantel zu beachten:
- Enzyminhibitoren (z.B. Cimetidin, Ketoconazol, Itraconazol): Erhöhte Praziquantel-Plasmakonzentratione
- Enzyminduktoren (z.B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon, Dexamethason): Verminderte Praziquantel-Konzentrationen und Wirksamkeit
- Rifampicin: Vermeiden, da therapeutische Spiegel nicht erreicht werden
- Grapefruitsaft: Geringe Erhöhung der Plasmaspiegel
- Efavirenz: Nicht empfohlen, da signifikante Konzentrationsminderung; ggf. Dosisanpassung erforderlich
Kontraindikationen
Praziquantel darf nicht angewendet werden bei:
• Überempfindlichkeit gegen Praziquantel oder einen der sonstigen Bestandteile
• Nachgewiesener intraokularer Zystizerkose
• Gleichzeitiger Gabe von Rifampicin
Schwangerschaft
Praziquantel wird während der Schwangerschaft nicht generell kontraindiziert. Tierstudien zeigen keine teratogenen Effekte. Humanstudien und WHO-Daten legen nahe, dass eine Anwendung in endemischen Gebieten den Gesundheitszustand der Mutter verbessert und sich positiv auf das Geburtsgewicht und die Neonatalmortalität auswirkt. Praziquantel sollte in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn dies klinisch notwendig ist.
Stillzeit
Ein sehr geringer Anteil der mütterlichen Dosis (etwa 0,0008%) geht in die Muttermilch über. Es liegen keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen beim gestillten Säugling vor. Bei Kurzzeittherapie sollte das Stillen während der Behandlung und 24 Stunden danach unterbrochen werden.
Verkehrstüchtigkeit
Praziquantel kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Patientinnen und Patienten sollten während der Behandlung und für 24 Stunden nach der letzten Dosis keine Fahrzeuge führen, Maschinen bedienen oder Tätigkeiten mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf ausführen. Alkohol kann die Wirkung zusätzlich verstärken.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Praziquantel zu beachten:
- Leberfunktionsstörung: Bei schwerer Leberinsuffizienz kann es zu erhöhter und verlängerter Wirkstoffexposition kommen – stationäre Überwachung empfohlen.
- Niereninsuffizienz: Verzögerte Elimination möglich – Monitoring ratsam.
- Herzrhythmusstörungen: Überwachung bei digitalisbedürftiger Herzinsuffizienz notwendig.
- Akute Schistosomiasis: Keine Wirksamkeit gegen wandernde Schistosomula; paradoxe Immunreaktionen möglich.
- Zystizerkose-Endemiegebiete: Ausschluss intraokularer oder zerebraler Zystizerkose vor Therapiebeginn.
- Epilepsieanamnese: Praziquantel nur unter besonderer Vorsicht anwenden.
- Kinder <1 Jahr: Sicherheit nicht nachgewiesen.
Alternativen
Als mögliche Alternativen zu Praziquantel kommen folgende Wirkstoffe infrage – jeweils abhängig von der Art der parasitären Infektion:
- Albendazol: Wirksam bei bestimmten Zestodeninfektionen, insbesondere bei Zystizerkose und Neurozystizerkose
- Triclabendazol: Mittel der Wahl bei Infektionen mit Fasciola hepatica (Fascioliasis)
- Mebendazol: Eingesetzt bei Helminthosen durch Nematoden, z. B. Enterobiasis, Ascariasis oder Trichuriasis
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Biltricide® 600 mg Filmtabletten, Stand: 01/2022










