Propyphenazon
Propyphenazon ist ein Pyrazolonderivat mit analgetischen, antipyretischen und schwach antiphlogistischen Eigenschaften. Es wird zur Behandlung leichter bis mäßiger Schmerzen und fieberhafter Zustände eingesetzt. In Deutschland ist der Wirkstoff nicht mehr auf dem Markt.
Propyphenazon: Übersicht
Anwendung
Propyphenazon wird angewendet bei:
- Leichten bis mäßigen Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Muskelschmerzen, Menstruationsbeschwerden)
- Fieberhaften Zuständen (z. B. grippale Infekte)
- Kurz-dauernden, nicht-entzündlichen Beschwerden/Schmerzen
Anwendungsart
Klinische Anwendungsart von Propyphenazon:
- oral (Tabletten)
- Anwendung erfolgt bei Bedarf, vorzugsweise nicht länger als 3 Tage hintereinander oder 10 Tage im Monat ohne ärztlichen Rat.
- Anwendung ausschließlich bei Erwachsenen, da Propyphenazon bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen ist.
Wirkmechanismus
Propyphenazon ist ein Pyrazolonderivat, das durch die Hemmung der Cyclooxygenase (COX) die Synthese von Prostaglandinen (PGE2, PGI2) reduziert. Dadurch werden sowohl periphere als auch zentrale Schmerzsignale abgeschwächt.
Die Hemmung von Prostaglandinen führt zur Verringerung der Schmerzrezeptor-Sensibilisierung und hemmt die Entzündungsmediatoren an der Entzündungsstelle. Zentral greift Propyphenazon über eine Modulation der neuronalen Schmerzverarbeitung im ZNS an, indem es die Aktivierung schmerzhemmender Bahnen unterstützt.
Seine antipyretische Wirkung erfolgt durch die Beeinflussung des hypothalamischen Wärmeregulationszentrums, wobei eine verstärkte periphere Wärmeabgabe über Vasodilatation und Schwitzen ausgelöst wird. Insgesamt kombiniert Propyphenazon eine periphere Hemmung der Prostaglandin-vermittelten Schmerz- und Entzündungsreaktionen mit zentraler Schmerzdämpfung und fiebersenkenden Effekten.
Pharmakokinetik
Resorption
- Rasche und nahezu vollständige Resorption nach oraler Gabe
- Maximale Plasmakonzentration: nach ca. 30 Minuten
Verteilung
- Plasmaproteinbindung: ca. 10%
Elimination
- Renale Ausscheidung der Metaboliten, unverändertes Propyphenazon nur zu 1% im Urin
- Plasmahalbwertszeit: 1–2,5 Stunden
Dosierung
Die Dosierungsangaben beziehen sich auf Adolomed® Tabletten, einem Kombi-Präparat aus Propyphenazon, Paracetamol und Koffein.
Erwachsene:
- Einzeldosis: 1 Tablette (250 mg Propyphenazon, 300 mg Paracetamol, 50 mg Koffein)
- Tageshöchstdosis: 3–4 Tabletten pro Tag
Besondere Patientengruppen:
- Leber- oder Nierenfunktionsstörung: Dosisanpassung erforderlich und verlängerte Dosierungsintervalle (mindestens 8 Stunden) bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min)
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen (≥ 10%) von Propyphenazon sind:
- Gastrointestinale Beschwerden (z. B. Übelkeit, Bauchschmerzen) und
- leichte allergische Hautreaktionen (z. B. Juckreiz oder Rötungen).
Seltener kann es auch zu weiteren Nebenwirkungen kommen:
- arterielle thrombotische Ereignisse wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall
- Neutropenie
- Agranulozytose
- Panzytopenie
Diese Nebenwirkungen treten häufiger bei längerer Einnahme oder höherer Dosierung auf.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Propyphenazon zu beachten:
Verstärkung der Wirkung
- Orale Antikoagulantien (z. B. Warfarin): Erhöhtes Risiko für Blutungen.
- Paracetamol (in Kombination): Verstärkte Bildung toxischer Metaboliten bei leberenzyminduzierenden Arzneimitteln wie Barbituraten oder Rifampicin.
- Metoclopramid: Beschleunigte Resorption von Paracetamol bei gleichzeitiger Einnahme.
Verminderung der Wirkung
- Colestyramin: Verringert die Aufnahme von Paracetamol.
Andere Wechselwirkungen
- Alkohol: Erhöht die hepatotoxische Wirkung von Paracetamol
- Koffein: Schwächt die beruhigende Wirkung von Substanzen wie Barbituraten ab und verstärkt die Wirkung von Sympathomimetika.
- Zidovudin: Erhöht das Risiko einer Neutropenie.
Kontraindikationen
Propyphenazon darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Propyphenazon, andere Pyrazolonderivate, Paracetamol, Koffein oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Bestehende Knochenmarksschädigung wie Granulozytopenie oder Leukopenie
- Schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen
- Genetisch bedingtem Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel
- Hepatischer Porphyrie
- Übermäßigem Alkoholgenuss
- Arzneimittel-induziertem Kopfschmerz
- Schwerer Herzinsuffizienz
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
- Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Propyphenazon ist während der Schwangerschaft kontraindiziert, da es die Plazenta passiert und potenziell schädliche Auswirkungen wie Wachstumsverzögerungen und Wehentätigkeit beeinflussen kann. Zudem besteht das Risiko für einen vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus Botalli.
Stillzeit
Der Wirkstoff tritt in die Muttermilch über, weshalb die Anwendung während der Stillzeit nicht empfohlen wird. Säuglinge könnten durch die Wirkstoffaufnahme beeinträchtigt werden.
Verkehrstüchtigkeit
Propyphenazon hat in der Regel keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Propyphenazon zu beachten:
- Leber- und Nierenschäden: Bei bestehenden Funktionsstörungen von Leber oder Niere ist eine Anwendung nur mit Vorsicht und unter ärztlicher Überwachung empfohlen.
- Langzeitanwendung: Die langfristige Einnahme kann zu Arzneimittel-induziertem Kopfschmerz und potenzieller Nierenschädigung (Analgetika-Nephropathie) führen.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Patienten mit bekannter Pyrazolon-Allergie oder Analgetika-Asthma haben ein erhöhtes Risiko für schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock.
- Kombination mit anderen Medikamenten: Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von hepatotoxischen Substanzen oder anderen Schmerzmitteln, um Überdosierungen zu vermeiden.
- Blutbildveränderungen: Bei Anzeichen wie Müdigkeit, Halsschmerzen oder Hautausschlägen sollte eine sofortige ärztliche Abklärung erfolgen, da Blutbildstörungen möglich sind.
- Einnahme bei Alkoholmissbrauch: Patienten mit chronischem Alkoholmissbrauch haben ein erhöhtes Risiko für Leberschäden und Überdosierungserscheinungen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Aufgrund des Übertritts in die Plazenta und Muttermilch ist die Anwendung in diesen Phasen kontraindiziert.
- Kinder und Jugendliche: Propyphenazon darf nicht bei Personen unter 18 Jahren angewendet werden.
Alternativen
Alternativen zu Propyphenazon:
- Paracetamol
- Ibuprofen
- Acetylsalicylsäure (ASS)
- Metamizol
- Diclofenac
Alle Alternativen sind wirksame Analgetika, die auf die Hemmung der Prostaglandinsynthese abzielen, und eignen sich zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Fieber. Die Wahl der Substanz hängt von der individuellen Verträglichkeit und den Begleiterkrankungen des Patienten ab.










