Pyrantel

Pyrantel ist ein oral angewendetes Anthelminthikum aus der Gruppe der Pyrimidinanaloga zur Therapie intestinaler Nematodeninfektionen. Es wird insbesondere bei Infektionen mit Enterobius vermicularis, Ascaris lumbricoides sowie Hakenwürmern eingesetzt.

Pyrantel

Anwendung

Pyrantel ist zur Behandlung gastrointestinaler Wurminfektionen bei Erwachsenen und Kindern geeignet. Der Wirkstoff wird eingesetzt bei Infektionen mit:

  • Enterobius vermicularis/Oxyuren (Madenwurm)
  • Ascaris lumbricoides (Spulwurm)
  • Ancylostoma duodenale (Hakenwurm)
  • Necator americanus (Amerikanischer Hakenwurm)
  • Trichostrongylus colubriformis und orientalis (Fadenwurm)

Anwendungsart

Pyrantel wird oral angewendet und kann unabhängig von der Nahrungsaufnahme und der Tageszeit eingenommen werden. Eine zusätzliche abführende Maßnahme vor oder während der Behandlung ist nicht erforderlich. Die Anwendung erfolgt in Form von Kautabletten oder einer Suspension. Kautabletten sollten vor dem Schlucken zerkaut werden. Die Suspension sollte vor jeder Einnahme sorgfältig geschüttelt werden.

Wirkmechanismus

Pyrantel ist ein Anthelminthikum aus der Klasse der Pyrimidinanaloga. Der Wirkstoff liegt als Pyrantelembonat vor und verursacht bei empfindlichen Nematoden eine neuromuskuläre Blockade. Infolge dieser Wirkung werden die Würmer immobilisiert und verlieren ihre Fähigkeit, sich aktiv im Darmlumen zu bewegen oder an der Darmwand festzuhalten. Die gelähmten Parasiten werden anschließend mit der normalen intestinalen Peristaltik ausgeschieden, ohne dass eine verstärkte Wanderung der Würmer auszulösen. Pyrantel wirkt innerhalb des Intestinaltraktes sowohl gegen reife als auch gegen unreife Entwicklungsstadien der empfindlichen Würmer, zeigt jedoch keine Wirkung gegenüber deren Eiern.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Pyrantel wird nach oraler Gabe nur in geringem Umfang aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert.
  • Nach einer einmaligen oralen Dosis von 11 mg Pyrantel pro kg Körpergewicht werden nach etwa 1 bis 3 Stunden maximale Serumkonzentrationen erreicht.
  • Die gemessenen Spitzenkonzentrationen im Serum liegen im Bereich von etwa 50 bis 130 ng/ml.
  • Aufgrund der geringen systemischen Aufnahme entfaltet Pyrantel seine Wirkung überwiegend lokal im Darmlumen.

Verteilung

  • Die systemische Verteilung ist aufgrund der niedrigen Resorption begrenzt.
  • Therapeutisch wirksame Wirkstoffkonzentrationen werden überwiegend im Darmlumen erreicht.
  • Nach 24 Stunden sind im Serum keine messbaren Pyrantelkonzentrationen mehr nachweisbar.

Metabolismus

  • Nur ein kleiner Teil des resorbierten Wirkstoffanteils wird metabolisiert.

Elimination

  • Der überwiegende Teil des Wirkstoffs wird unverändert über den Stuhl ausgeschieden.
  • Mehr als 50 % der verabreichten Dosis werden unverändert mit den Fäzes eliminiert.
  • Weniger als 7 % der Dosis werden in unveränderter oder metabolisierter Form renal ausgeschieden.

Dosierung

Soweit nicht anders verordnet, erfolgt die Behandlung einmalig mit einer Dosis von 10 mg Pyrantel pro kg Körpergewicht. Die maximale Einzeldosis beträgt 1 g Pyrantel.

Die Dosierung mithilfe einer 250 mg/5 ml Suspension erfolgt gewichtsadaptiert für Kinder über 6 Monate, Jugendliche und Erwachsene:

  • Körpergewicht bis 6,5 kg: 1,25 ml Suspension.
  • Körpergewicht 7,0 bis 12,5 kg: 2,5 ml Suspension.
  • Körpergewicht 13,0 bis 18,5 kg: 3,75 ml Suspension.
  • Körpergewicht 19,0 bis 25,0 kg: 5,0 ml Suspension.
  • Körpergewicht 25,5 bis 31,5 kg: 6,25 ml Suspension.
  • Körpergewicht 32,0 bis 37,5 kg: 7,5 ml Suspension.
  • Körpergewicht 38,0 bis 50,0 kg: 10,0 ml Suspension.
  • Körpergewicht 50,5 bis 62,5 kg: 12,5 ml Suspension.
  • Körpergewicht 63,0 bis 75,0 kg: 15,0 ml Suspension.
  • Körpergewicht über 75,0 kg: 20,0 ml Suspension.

Die Dosierung mithilfe von 250 mg Kautabletten erfolgt gewichtsadaptiert für Kinder ab 2 Jahren, Jugendliche und Erwachsene:

  • Körpergewicht unter 12 kg: aufgrund der Darreichungsform nicht für Kinder unter 2 Jahren und unter 12kg Körpergewicht geeignet.
  • Körpergewicht 12 bis unter 16 kg: 0,5 Kautablette
  • Körpergewicht 16 bis unter 26 kg: 1 Kautablette
  • Körpergewicht 26 bis unter 38 kg: 1,5 Kautabletten
  • Körpergewicht 38 bis unter 51 kg: 2 Kautabletten
  • Körpergewicht 51 bis unter 63 kg: 2,5 Kautabletten
  • Körpergewicht 63 bis einschließlich 75 kg: 3 Kautabletten
  • Körpergewicht über 75 kg: 4 Kautabletten

Spezielle Dosierungsempfehlungen bei bestimmten Wurmerkrankungen

  • Enterobius vermicularis: Die einmalige Behandlung sollte nach 2 bis 4 Wochen wiederholt werden, um Reinfektionen zu erfassen.
  • Necator americanus: Bei schweren Infektionen wird entweder die gewichtsadaptierte Dosis an drei aufeinander folgenden Tagen verabreicht oder die Einzeldosis auf 20 mg Pyrantel pro kg Körpergewicht verdoppelt und an zwei aufeinander folgenden Tagen eingenommen.
  • Ascaris lumbricoides: Liegt sicher ausschließlich eine Infektion mit Ascaris lumbricoides vor, kann die empfohlene Einzeldosis halbiert werden.

Dauer der Anwendung

  • Nach spätestens 6 Monaten sollte eine parasitologische Kontrolluntersuchung erfolgen.
  • Bei fortbestehendem oder erneutem Befall kann eine erneute Behandlung erforderlich sein.

Nebenwirkungen

Zu den häufig berichteten unerwünschten Wirkungen zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Darmkrämpfe
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Diarrhö
  • Lebertransaminase-Erhöhungen

Die vollständigen Angaben können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

Pyrantel sollte nicht gleichzeitig mit Piperazin angewendet werden, da beide Wirkstoffe antagonistische Wirkungsmechanismen aufweisen und sich ihre anthelminthische Wirkung gegenseitig aufheben können.

Bei gleichzeitiger Gabe von Pyrantel und Theophyllin wurde ein Anstieg der Theophyllin-Serumspiegel beobachtet, weshalb in diesem Fall eine engmaschige klinische Überwachung sowie gegebenenfalls eine Kontrolle der Theophyllin-Konzentrationen angezeigt ist.

Kontraindikation

Die Anwendung von Pyrantel ist generell kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Bestehenden oder anamnestisch bekannten Lebererkrankungen

Schwangerschaft

Zur Anwendung von Pyrantel in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden klinischen Erfahrungen vor. Ein potenzielles Risiko für den Fetus kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, weshalb Pyrantel in der Schwangerschaft nur dann eingesetzt werden sollte, wenn eine zwingende medizinische Indikation besteht.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Pyrantel beim Menschen in die Muttermilch übergeht. In tierexperimentellen Studien wurde jedoch für den verwandten Wirkstoff Pyranteltartrat ein Übergang in die Milch nachgewiesen. Kann eine Behandlung mit Pyrantel während der Stillzeit nicht vermieden werden, sollte die Mutter während der Therapie auf das Stillen verzichten und die gebildete Milch verwerfen, um eine Exposition des Säuglings zu vermeiden.

Verkehrstüchtigkeit

Spezifische Untersuchungen zu den Auswirkungen von Pyrantel auf die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen liegen nicht vor. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass der Wirkstoff diese Fähigkeiten grundsätzlich beeinträchtigt. Allerdings können unter der Behandlung Nebenwirkungen wie Schwindel oder Kopfschmerzen auftreten, die im Einzelfall die Reaktionsfähigkeit herabsetzen. In solchen Fällen sollte von der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder dem Bedienen von Maschinen abgesehen werden.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Pyrantel sind folgende Warnhinweise zu beachten:

Kinder und Jugendliche

Kautabletten sind für Kinder unter 2 Jahren nicht geeignet. In dieser Altersgruppe ist die orale Suspension zu verwenden. Pyrantel soll bei Säuglingen unter 6 Monaten nicht angewendet werden, da keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.

Hygienemaßnahmen und Kontaktpersonen

Bei Wurmbefall können auch enge Kontaktpersonen asymptomatisch infiziert sein. Zur Vermeidung von Reinfektionen sind konsequente Hygienemaßnahmen sowie die gründliche Reinigung von Kleidung und Wohnbereichen erforderlich.

Alternativen

Die Wahl eines geeigneten alternativen Wirkstoffs bei intestinalen Nematodeninfektionen hängt von der Art der Infektion, Patientenfaktoren und möglichen Kontraindikationen ab:

  • Enterobius vermicularis/Oxyuren: Mebendazol, Albendazol
  • Ascaris lumbricoides: Albendazol, Mebendazol, Ivermectin
  • Ancylostoma duodenale: Mebendazol, Albendazol
  • Necator americanus: Albendazol, Mebendazol, Ivermectin
  • Trichostrongylus colubriformis und orientalis: Albendazol, Mebendazol

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
206.31 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
13.12.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer

Fachinformationen ausgewählter Pyrantel-Hersteller (z. B. Helmex® 250mg Kautabletten

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