Pyrvinium

Pyrvinium ist ein orales Anthelminthikum zur Behandlung von Infektionen mit Enterobius vermicularis. Die Wirkung ist spezifisch gegen Madenwürmer. Für andere Wurmarten wie Spul- oder Bandwürmer ist Pyrvinium nicht geeignet.

Anwendung

Pyrvinium wird angewendet bei Infektionen durch Enterobius vermicularis (Oxyuriasis) bei Kindern ab 1 Jahr, Jugendlichen und Erwachsenen.

Anwendungsart

Pyrvinium wird oral in Form einer Suspension angewendet und kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei höheren Dosierungen wird empfohlen, die Einmaldosis auf drei Teilgaben vor, während und nach der Mahlzeit zu verteilen, um die Verträglichkeit zu verbessern. Bei Kindern kann die Suspension mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten, beispielsweise Fruchtsaft, verdünnt verabreicht werden. Vor jeder Anwendung ist die Suspension sorgfältig zu schütteln, um eine homogene Wirkstoffverteilung sicherzustellen.

Wirkmechanismus

Pyrvinium wirkt spezifisch gegen Enterobius vermicularis, indem es die intestinale Glucoseaufnahme der Parasiten hemmt. Durch die verminderte Aufnahme von Glucose wird der Energiestoffwechsel der Madenwürmer gestört, was zu einer ausgeprägten Energieverarmung führt. In der Folge verlieren die Parasiten ihre Vitalität und sterben ab.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Pyrvinium wird beim Menschen nach oraler Gabe praktisch nicht gastrointestinal resorbiert.
  • Nach einer Dosis von 5 mg Pyrvinium pro kg Körpergewicht konnten im Plasma keine messbaren Wirkstoffkonzentrationen nachgewiesen werden.
  • In der Leber konnten nach Gabe von 5 mg pro kg Körpergewicht lediglich geringe Spuren von Pyrvinium nachgewiesen werden.

Verteilung

  • Aufgrund der fehlenden Resorption ist keine relevante systemische Verteilung zu erwarten.

Metabolismus

  • Ein klinisch relevanter Metabolismus von Pyrvinium ist nicht belegt.

Elimination

  • Die Elimination erfolgt unverändert über die Faeces.

Dosierung

Allgemeine Dosierung

  • Pyrvinium wird in der Regel als Einmalgabe einer 50 mg/5 ml Suspension angewendet.
  • Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg Pyrvinium pro 10 kg Körpergewicht, entsprechend 5 ml Suspension pro 10 kg Körpergewicht (entsprechend 5 mg/kg KG).
  • Die maximale Einzeldosis beträgt unabhängig vom Körpergewicht 400 mg Pyrvinium, entsprechend 40 ml Suspension, auch bei Patienten über 80 kg.
  • Bei unzureichender Wirksamkeit soll die Dosis nicht erhöht, sondern die Behandlung erneut durchgeführt werden.

Kinder und Jugendliche

  • Für Kinder ab 1 Jahr und Jugendliche gilt dieselbe gewichtsadaptierte Dosierung wie für Erwachsene.
  • Für Säuglinge unter 1 Jahr liegen keine Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vor; eine Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Besondere Patientengruppen

  • Schwangerschaft: Bei Anwendung in der Schwangerschaft ist die Dosierung auf das Körpergewicht vor Eintritt der Schwangerschaft zu beziehen.
  • Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion: Bei eingeschränkter Nierenfunktion darf Pyrvinium nicht angewendet werden.
  • Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion: Bei bestehender Leberfunktionsstörung ist die Anwendung ebenfalls kontraindiziert.
  • Patienten über 65 Jahre: Bei Patienten über 65 Jahre sind keine besonderen Dosisanpassungen erforderlich, sofern keine Einschränkung der Nieren- oder Leberfunktion vorliegt.

Dauer der Behandlung

Zur Sicherstellung des Therapieerfolgs sollte die Behandlung nach 2 bis 4 Wochen wiederholt werden.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Pyrvinium auftreten können, zählen:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Die vollständigen Angaben können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

Aufgrund der fehlenden systemischen Resorption sind keine klinisch relevanten Arzneimittelwechselwirkungen bekannt.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Pyrvinium ist generell kontraindiziert bei:

Schwangerschaft

Für die Anwendung von Pyrvinium in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Daten zu möglichen Auswirkungen auf Schwangerschaftsverlauf, fetale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung vor. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist daher nicht abschließend beurteilbar. Pyrvinium darf während der Schwangerschaft grundsätzlich nicht angewendet werden, es sei denn, die Behandlung ist zwingend erforderlich und besser untersuchte therapeutische Alternativen stehen nicht zur Verfügung. In diesen Ausnahmefällen ist die Dosierung auf das Körpergewicht vor Eintritt der Schwangerschaft zu beziehen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Pyrvinium in die Muttermilch übergeht. Muss eine stillende Mutter mit Pyrvinium behandelt werden, wird empfohlen, während der Therapie nicht zu stillen und die gebildete Muttermilch zu verwerfen, um eine mögliche Exposition des Säuglings zu vermeiden.

Verkehrstüchtigkeit

Spezifische Untersuchungen zu den Auswirkungen von Pyrvinium auf die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen liegen nicht vor. Es bestehen jedoch keine Hinweise darauf, dass der Wirkstoff diese Fähigkeiten beeinträchtigt.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Pyrvinium sind folgende Warnhinweise zu beachten:

Verfärbung von Stuhl und Textilien

Pyrvinium kann eine harmlose hellrote Stuhlverfärbung verursachen. Zudem kann Pyrvinium bei Verschütten der Suspension, Erbrechen oder durch den gefärbten Stuhl zu dauerhaften Verfärbungen von Textilien führen, die nicht auswaschbar sind.

Kontaktpersonen und Hygiene

Bei engem Zusammenleben können weitere Personen betroffen sein und sollten gegebenenfalls untersucht und mitbehandelt werden. Konsequente Hygienemaßnahmen sowie gründliche Reinigung von Kleidung, Wohn- und Sanitärbereichen sind erforderlich, um Reinfektionen zu vermeiden.

Alternativen

Alternative anthelminthische Wirkstoffe zur Behandlung von Enterobius vermicularis-Infektionen umfassen Mebendazol und Albendazol, die ebenfalls wirksam gegen Madenwürmer sind und häufig als Standardtherapie verwendet werden.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
382.52 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
13.12.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Fachinformationen Molevac® Suspension

 

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1 Präparate mit Pyrvinium