Retapamulin
Retapamulin ist ein topisches Antibiotikum aus der Gruppe der Pleuromutiline, das gezielt die bakterielle Proteinbiosynthese hemmt, indem es an die 50S-Untereinheit des Ribosoms bindet. Es wurde zur Behandlung unkomplizierter Hautinfektionen wie Impetigo eingesetzt und bietet eine Alternative bei resistenten grampositiven Erregern.
Retapamulin: Übersicht
Anwendung
Retapamulin, vermarktet unter dem Handelsnamen Altargo®, wurde in Deutschland zur topischen Behandlung von Hautinfektionen eingesetzt. Allerdings wurde Altargo® im Jahr 2015 vom Markt genommen und ist seither in Deutschland nicht mehr erhältlich. Daher steht Retapamulin derzeit nicht für die Behandlung zur Verfügung.
Wirkmechanismus
Retapamulin ist ein topisches Antibiotikum, das zur Behandlung von Hautinfektionen durch grampositive Bakterien eingesetzt wurde, insbesondere gegen Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes. Es gehört zur Klasse der Pleuromutiline und wirkt, indem es an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms bindet. Diese Bindung hemmt die Peptidyltransferaseaktivität, wodurch die Synthese von Proteinen blockiert wird. Retapamulin wirkt bakteriostatisch und verhindert das Wachstum der Bakterien, anstatt sie direkt abzutöten. Ein entscheidender Vorteil ist seine einzigartige Bindungsstelle, die Kreuzresistenzen mit anderen Antibiotikaklassen minimiert. Die Anwendung erfolgt lokal, was das Risiko systemischer Nebenwirkungen reduziert.
Dosierung
Erwachsene (18-65 Jahre), Jugendliche (12-17 Jahre), Kinder und Kleinkinder (9 Monate bis 11 Jahre):
- Anwendung: Eine dünne Schicht der Salbe sollte auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.
- Häufigkeit: Zweimal täglich.
- Behandlungsdauer: 5 Tage.
- Optionale Abdeckung: Die behandelte Fläche kann mit einem sterilen Verband oder einer Mullbinde abgedeckt werden.
Behandlungsbegrenzungen:
Nicht geeignet für:
- Impetiginöse Läsionen, die mehr als 10 Stellen umfassen oder eine Gesamtfläche von über 100 cm² bedecken.
- Infizierte Läsionen, die länger als 10 cm sind oder eine Gesamtfläche von mehr als 100 cm² haben.
Kinder unter 18 Jahren: Die behandelte Fläche sollte nicht mehr als 2% der Körperoberfläche betragen.
Erneute Bewertung: Patienten ohne klinische Verbesserung innerhalb von 2 bis 3 Tagen sollten erneut untersucht werden und gegebenenfalls eine alternative Therapie erhalten.
Nebenwirkungen
Die häufigste Nebenwirkung ist eine Reizung an der Anwendungsstelle (ca. 1% der Fälle). Seltener treten Überempfindlichkeitsreaktionen und Kontaktdermatitis auf. In der pädiatrischen Population sind Häufigkeit, Art und Schwere der Nebenwirkungen vergleichbar mit denen bei Erwachsenen.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Retapamulin zu beachten:
- Andere topische Arzneimittel: Die gleichzeitige Anwendung auf derselben Hautstelle wurde nicht untersucht und wird nicht empfohlen.
- CYP3A4-Hemmung: Retapamulin hemmt CYP3A4, jedoch ist eine klinisch relevante Beeinflussung systemischer Medikamente bei topischer Anwendung unwahrscheinlich.
- Ketoconazol: Orales Ketoconazol kann die Retapamulin-Konzentration im Blut erhöhen, bleibt aber in niedrigen Bereichen.
- Kinder (9 Monate - 2 Jahre): In dieser Altersgruppe ist Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren geboten, da höhere Plasmaspiegel auftreten können.
Kontraindikationen
Retapamulin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Retapamulin zu beachten:
- Sensibilisierung oder starke lokale Reizung: Sollte es zu einer Sensibilisierung oder starken lokalen Reizung kommen, muss die Behandlung abgebrochen, die Salbe vorsichtig entfernt und eine geeignete alternative Therapie eingeleitet werden.
- Augen und Schleimhäute: Retapamulin-Salbe darf nicht in die Nähe der Augen oder Schleimhäute gelangen. Die Anwendung auf der Nasenschleimhaut kann zu Nasenbluten führen.
- Verschlucken: Es ist darauf zu achten, dass die Salbe nicht verschluckt wird.
- Neubewertung der Behandlung: Sollte nach 2-3 Tagen keine Verbesserung oder eine Verschlechterung der Infektion eintreten, sollte eine alternative Therapie erwogen werden.
- Langanhaltende Anwendung und Wachstum nicht-empfindlicher Mikroorganismen: Eine langanhaltende Anwendung kann zum Überwuchern nicht-empfindlicher Mikroorganismen, einschließlich Pilzen, führen. Bei Verdacht auf eine Superinfektion sollte die Behandlung entsprechend der klinischen und mikrobiologischen Befunde angepasst werden.
- Abszesse: Retapamulin darf nicht zur Behandlung von Abszessen verwendet werden.
- Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA): Retapamulin ist nicht zur Behandlung von Infektionen geeignet, die durch MRSA verursacht werden oder wahrscheinlich auf MRSA zurückzuführen sind, da es in klinischen Studien bei solchen Infektionen keine ausreichende Wirksamkeit zeigte.
- Butyliertes Hydroxytoluol: Die Salbe enthält butyliertes Hydroxytoluol, das lokale Hautreaktionen (z. B. Kontaktdermatitis) oder Reizungen an Augen und Schleimhäuten verursachen kann.
Alternativen
Mögliche Alternativen umfassen:
- Mupirocin
- Fusidinsäure
- Clindamycin (topisch)
- Neomycin (oft in Kombination mit Bacitracin oder Polymyxin B)
- Gentamicin (topisch)
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Altargo










