Rezafungin

Rezafungin ist ein neuartiges Antimykotikum aus der Klasse der Echinocandine, das durch Hemmung der Pilzzellwand-Synthese wirkt und eine lange Halbwertszeit besitzt. Es ist indiziert für die Behandlung invasiver Candida-Infektionen bei erwachsenen Patienten.

Rezafungin

Anwendung

Rezafungin wird zur Behandlung der invasiven Candidainfektion bei Erwachsenen angewendet.

Anwendungsart

Rezafungin ist zur intravenösen Anwendung bestimmt.

Wirkmechanismus

Rezafungin wirkt als Antimykotikum durch die Hemmung der 1,3-β-D-Glucan-Synthase, ein Schlüsselenzym, das für die Synthese der Pilzzellwand essenziell ist. Dieses Enzym ist verantwortlich für die Bildung von 1,3-β-D-Glucan, einem Hauptbestandteil der Zellwand vieler pathogener Pilze, einschließlich Candida- und Aspergillus-Arten. Durch die Blockade dieses Enzyms stört Rezafungin die Integrität und die Aufrechterhaltung der Zellwandstruktur, was zum Zelltod des Pilzes führt. Im Gegensatz zu menschlichen Zellen, die keine 1,3-β-D-Glucan-Synthase enthalten, ist Rezafungin selektiv toxisch für Pilze, was ein günstiges Sicherheitsprofil bedingt. Seine lange Halbwertszeit ermöglicht eine einmal wöchentliche Dosierung, was die Therapieadhärenz verbessern und die Behandlung invasiver Pilzinfektionen vereinfachen kann.

Dosierung

  • Initialdosis: Die Behandlung beginnt mit einer Initialdosis von 400 mg am ersten Tag.
  • Erhaltungsdosis: Eine Erhaltungsdosis von 200 mg wird ab dem 8. Tag verabreicht und anschließend einmal wöchentlich fortgeführt.
  • Verabreichungsweise: Rezafungin wird als intravenöse Infusion über mindestens 1 Stunde verabreicht. Die Infusionsdauer kann auf bis zu 3 Stunden erhöht werden, um infusionsbedingte Reaktionen zu vermeiden.
  • Behandlungsdauer: Nach dem letzten Nachweis von Candida im Blut wird die Behandlung generell noch mindestens 14 Tage lang fortgesetzt, um eine vollständige Eradikation der Infektion zu gewährleisten.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Rezafungin gehören Hypokaliämie, Fieber und Diarrhö.

Wechselwirkungen

Rezafungin wurde in Bezug auf sein Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen mit einer Reihe von Testsubstraten von Cytochrom-P450-Enzymen und/oder Transporterproteinen klinisch untersucht. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Dosis von Arzneimitteln, die Substrate für die Enzyme CYP2C8, CYP3A4, CYP1A2, und CYP2B6 sowie für die Transporterproteine P-gp, BCRP, OATP, OCT1, OCT2, MATE1, und MATE2 sind, bei gleichzeitiger Anwendung mit Rezafungin angepasst werden muss. Ebenso wurde festgestellt, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Dosis von Tacrolimus, Ciclosporin, Ibrutinib, Mycophenolatmofetil und Venetoclax bei gleichzeitiger Anwendung mit Rezafungin angepasst werden muss. In vitro ist Rezafungin metabolisch stabil und kein Substrat für die genannten Transporterproteine, was darauf hindeutet, dass keine Dosisanpassung von Rezafungin bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen Arzneimitteln erforderlich ist.

Kontraindikationen

Rezafungin darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Echinocandine verwendet werden.

Schwangerschaft

Es liegen keine Daten zur Anwendung von Rezafungin in der Schwangerschaft vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf eine Reproduktions- oder Entwicklungstoxizität. In tierexperimentellen Studien wurde gezeigt, dass Rezafungin plazentagängig ist. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.

Die Anwendung von Rezafungin während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen, es sei denn, der Nutzen überwiegt gegenüber dem
potenziellen Risiko für den Fötus.

Stillzeit

Zur Anwendung von Rezafungin in der Stillzeit gibt es keine verfügbaren Daten, und es ist unklar, ob Rezafungin oder dessen Abbauprodukte in die Muttermilch übergehen. Studien an Ratten haben jedoch gezeigt, dass Rezafungin in die Muttermilch übertritt. Daher kann ein potenzielles Risiko für den gestillten Säugling nicht ausgeschlossen werden. Vor Beginn einer Behandlung mit Rezafungin muss sorgfältig abgewogen werden, ob das Stillen unterbrochen oder auf die Behandlung verzichtet werden soll. Diese Entscheidung sollte den Nutzen des Stillens für das Kind und den Nutzen der Behandlung für die Mutter berücksichtigen.

Anwendungshinweise

Beim Einsatz von Rezafungin sind folgende Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Die Wirksamkeit von Rezafungin wurde nur in einer begrenzten Anzahl von Patienten mit Neutropenie getestet.
  • Einige Patienten zeigten erhöhte Leberenzymwerte; bei Patienten mit schweren Grunderkrankungen und mehrfacher Medikation wurden signifikante Leberfunktionsstörungen beobachtet. Eine sorgfältige Überwachung dieser Patienten ist empfohlen.
  • Infusionsbedingte Reaktionen wie Hautrötungen, Wärmegefühl, Übelkeit und Brustenge können auftreten. Bei solchen Reaktionen kann eine Anpassung der Infusionsrate nach dem Abklingen der Symptome erforderlich sein.
  • Rezafungin kann das Risiko für Phototoxizität erhöhen. Patienten sollten während der Behandlung und bis zu 7 Tage danach direkte Sonneneinstrahlung und UV-Licht meiden oder entsprechenden Schutz verwenden.

Alternativen

Bei der Behandlung der invasiven Candidiasis stehen mehrere Alternativen zu Rezafungin zur Verfügung, die je nach spezifischer Situation des Patienten, dem Candida-Stamm und der Resistenzlage ausgewählt werden können. Zu den gängigen Alternativen gehören:

  • Andere Echinocandine wie Caspofungin, Micafungin und Anidulafungin. Sie gelten als Erstlinientherapie für viele Fälle von invasiver Candidose, insbesondere bei schweren Infektionen oder bei Patienten mit hohem Risiko für Komplikationen.
  • Fluconazol: Ein weit verbreitetes Antimykotikum aus der Klasse der Triazole, das oral und intravenös verabreicht werden kann. Es ist wirksam gegen die meisten Candida-Arten, allerdings gibt es zunehmende Resistenzen, insbesondere bei Candida glabrata und Candida krusei.
  • Amphotericin B: Ein Polyen-Antimykotikum, das ein breites Wirkspektrum besitzt. Aufgrund seiner potenziellen Nephrotoxizität und anderen schwerwiegenden Nebenwirkungen wird es oft als Reserveantimykotikum für schwer zu behandelnde Fälle oder bei Versagen anderer Therapien eingesetzt.
  • Voriconazol: Ein weiteres Triazol-Antimykotikum, das sowohl oral als auch intravenös verabreicht werden kann. Es ist wirksam gegen eine breite Palette von Candida-Arten und kann zur Behandlung von invasiven Aspergillosen sowie bestimmten Candida-Infektionen eingesetzt werden.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
1226.39 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
12.02.2024
Quelle:
  1. EMA: Fachinformation Rezzayo
  2. Hoenigl, Martin, et al. "The antifungal pipeline: fosmanogepix, ibrexafungerp, olorofim, opelconazole, and rezafungin." Drugs 81 (2021): 1703-1729.
  3. Garcia-Effron, Guillermo. "Rezafungin—mechanisms of action, susceptibility and resistance: similarities and differences with the other echinocandins." Journal of fungi 6.4 (2020): 262.
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1 Präparate mit Rezafungin