Riluzol

Riluzol ist ein neuroprotektiver Wirkstoff, der durch die Hemmung der glutamatergen Neurotransmission die Freisetzung von Glutamat reduziert. Es wird in der Behandlung der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) eingesetzt, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebenserwartung zu verbessern.

Riluzol

Anwendung

Riluzol wird zur Verlängerung der Lebenserwartung oder zur Hinauszögerung der Zeit bis zum Einsatz der mechanischen Beatmung beimPatienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) angewendet.

Wirkmechanismus

Riluzol wirkt durch mehrere Mechanismen, um seine neuroprotektiven Effekte auszuüben, wobei der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig verstanden ist. Zentral ist seine Fähigkeit, die Freisetzung von Glutamat, einem exzitatorischen Neurotransmitter, zu inhibieren. Dies wird teilweise durch die Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle erreicht, was die glutamaterge Neurotransmission reduziert und somit neurotoxische Effekte von Glutamatüberschuss vermindert, die bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der amyotrophen Lateralsklerose eine Rolle spielen.

Darüber hinaus interagiert Riluzol mit mehreren Neurotransmitter-Systemen und kann die Aktivität von GABA (Gamma-Aminobuttersäure) erhöhen, was zu einer zusätzlichen neuroprotektiven Wirkung führen kann.

Dosierung

Die empfohlene Tagesdosis beträgt 100 mg (50 mg alle 12 Stunden).

Nebenwirkungen

Sehr häufig (≥ 1/10) kommt es unter der Anwendung von Riluzol zu folgenden Nebenwirkungen:

  • Nausea
  • Leberfunktionstests außerhalb des Normbereichs
  • Asthenie (Schwäche)

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Riluzol zu beachten:

Allgemein:

  • Es wurden keine klinischen Studien durchgeführt, um die Wechselwirkungen von Riluzol mit anderen Arzneimitteln spezifisch zu untersuchen.

Metabolisierung:

  • CYP1A2 ist das Hauptisoenzym, das an der ersten Stufe der oxidativen Metabolisierung von Riluzol beteiligt ist, basierend auf Studien mit mikrosomalen Fraktionen aus menschlichen Leberzellen.
  • Hemmstoffe von CYP1A2: Arzneimittel wie Coffein, Diclofenac, Diazepam, Nicergolin, Clomipramin, Imipramin, Fluvoxamin, Phenacetin, Theophyllin, Amitriptylin und Chinolone könnten die Eliminationsrate von Riluzol verringern, was zu erhöhten Plasmaspiegeln von Riluzol führen kann.
  • Induktoren von CYP1A2: Faktoren wie Zigarettenrauch, auf Holzkohle gegrillte Nahrung, Rifampicin und Omeprazol können die Eliminationsrate von Riluzol beschleunigen, was möglicherweise die Wirksamkeit von Riluzol verringert.

Kontraindikationen

Riluzol besitzt folgende Kontraindikationen:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Lebererkrankungen oder initiale Transaminasespiegel, die den oberen Normbereich um mehr als das 3-fache übersteigen
  • Schwangere oder stillende Patientinnen

Schwangerschaft

Riluzol ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Stillzeit

Riluzol ist bei stillenden Frauen kontraindiziert da nicht bekannt ist, ob Riluzol in die Muttermilch übertritt.

Verkehrstüchtigkeit

Patienten, die Riluzol einnehmen, sollten darauf hingewiesen werden, dass sie möglicherweise Symptome wie Benommenheit oder Schwindel erfahren können. Im Falle solcher Symptome ist es ratsam, vom Fahren von Fahrzeugen oder dem Bedienen von Maschinen abzusehen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Riluzol zu beachten:

  • Leberfunktionsstörungen: Vorsicht bei Patienten mit früheren Leberfunktionsstörungen oder leicht erhöhten Leberwerten. Regelmäßige Kontrollen der Leberwerte sind erforderlich. Bei ALT-Werten über dem 5-fachen der Norm sollte die Behandlung abgebrochen werden.
  • Neutropenie: Patienten sollten bei Fieber sofort ihren Arzt informieren, da dies ein Zeichen für Neutropenie sein kann, was zum Abbruch der Therapie führen könnte.
  • Interstitielle Lungenerkrankung: Bei respiratorischen Symptomen wie trockenem Husten und/oder Dyspnoe ist eine sofortige Untersuchung erforderlich. Riluzol muss bei Anzeichen einer interstitiellen Lungenerkrankung abgesetzt werden.
  • Beeinträchtigte Nierenfunktion: Es gibt keine Studien zu Riluzol bei beeinträchtigter Nierenfunktion, daher ist Vorsicht geboten.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
234.2 g·mol-1
Autor:
Stand:
26.02.2024
Quelle:

Fachinformation: Riluzol ratiopharm

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