Rimegepant
Der CGRP-Rezeptor-Antagonist Rimegepant wird zur Prophylaxe und Akuttherapie von Migräne bei Erwachsenen eingesetzt. Er bindet selektiv an den CGRP-Rezeptor und hemmt die Wirkung von CGRP, das an der Entstehung von Migräneanfällen beteiligt ist.
Rimegepant: Übersicht
Anwendung
Der Wirkstoff Rimegepant ist ein CRGP-Rezeptor-Antagonist, der zur Prophylaxe von episodischer Migräne mit mindestens vier Migränetagen pro Monat sowie in der Akuttherapie der Migräne mit oder ohne Aura bei Erwachsenen angewendet wird.
Anwendungsart
Rimegepant steht als Lyophilisat zum Einnehmen zur Verfügung. Der Wirkstoff wird sublingual appliziert und löst sich ohne zusätzliche Flüssigkeitszufuhr direkt im Mund auf. Dies kann zu einer Mahlzeit oder unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Beim Öffnen der Blisterpackung sollten die Hände trocken sein, um das Lyophilisat nicht zu beschädigen.
Wirkmechanismus
Rimegepant gehört zur Gruppe der Gepante, einer Klasse niedermolekularer CGRP-Rezeptor-Antagonisten. CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist ein Neuropeptid, das eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen spielt. Es wirkt gefäßerweiternd, fördert die Neuroinflammation und sensibilisiert schmerzleitende Nervenbahnen. Rimegepant bindet selektiv mit hoher Affinität an den CGRP-Rezeptor und unterbindet so die Effekte von CGRP auf das trigemino-vaskuläre System.
Durch die Hemmung dieser Zielstrukturen trägt Rimegepant zur Prävention sowie Therapie von Migräneattacken bei, auch wenn der genaue klinische Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist.
Pharmakokinetik
Resorption
- Rimegepant wird nach oraler Einnahme schnell aufgenommen, mit einer maximalen Plasmakonzentration (Cmax) etwa 1,5 Stunden nach Einnahme.
- Die absolute Bioverfügbarkeit bei einer supratherapeutischen Dosis von 300 mg beträgt etwa 64 %.
- Eine fettreiche Mahlzeit verzögert die Tmax um etwa 1 bis 1,5 Stunden, senkt die Cmax um 41–53 % und die AUC um 32–38 %. Eine fettarme Mahlzeit reduziert die Cmax um 36 % und die AUC um 28 %. In klinischen Studien wurde Rimegepant unabhängig von Mahlzeiten eingenommen.
Verteilung
- Das Verteilungsvolumen im Steady-State beträgt etwa 120 Liter.
- Die Plasmaproteinbindung liegt bei ungefähr 96 %.
Metabolismus
- Rimegepant wird hauptsächlich über CYP3A4 und in geringerem Maß durch CYP2C9 abgebaut.
- Rimegepant ist der vorherrschende Bestandteil im Plasma (~77 %), ohne signifikante Metaboliten (>10 %).
- In vitro ist Rimegepant kein Hemmer von CYP1A2, 2B6, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6 oder UGT1A1 in relevanten Konzentrationen, aber ein schwacher zeitabhängiger Inhibitor von CYP3A4.
- Es zeigt keine Induktion von CYP1A2, CYP2B6 oder CYP3A4 in klinisch relevanten Konzentrationen.
Elimination
- Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 11 Stunden.
- Nach oraler Gabe von Rimegepant wird etwa 78 % über die Fäzes und 24 % über den Urin ausgeschieden.
Dosierung
Zur Akuttherapie der Migräne sollte Rimegepant 75 mg bei Bedarf einmal täglich eingenommen werden. Zur Prophylaxe wird Rimegepant in einer Dosis von 75 mg alle zwei Tage eingenommen. Allgemein liegt die Höchstdosis von Rimegepant bei 75 mg täglich.
Bei älteren Patienten sowie Patienten mit leicht bis stark eingeschränkter Nierenfunktion bzw. leicht bis mittelstark eingeschränkter Leberfunktion (Child-Pugh A bis Child-Pugh B) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Hingegen sollten Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion oder terminaler Niereninsuffizenz (CLcr <15 ml/min) Rimegepant nicht einnehmen.
Nebenwirkungen
Übelkeit war die am häufigsten berichtete Nebenwirkung unter Rimegepant. Bei weniger als 1 % der behandelten Patienten traten Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Dyspnoe und starkem Ausschlag, auf.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Rimegepant zu beachten:
- CYP3A4-Inhibitoren: Diese hemmen den Abbau von Rimegepant und erhöhen dessen Plasmakonzentrationen. Die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A4-Hemmern (z. B. Clarithromycin, Itraconazol, Ritonavir) sollte vermieden werden. Auch bei mittelstarken CYP3A4-Hemmern (z. B. Fluconazol) ist eine zusätzliche Dosis Rimegepant innerhalb von 48 Stunden zu vermeiden.
- CYP3A4-Induktoren: Diese beschleunigen den Abbau von Rimegepant und senken die Plasmaspiegel. Die gleichzeitige Anwendung mit starken oder mittelstarken CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut, Efavirenz) sollte vermieden werden, da dies die Wirksamkeit von Rimegepant herabsetzen kann.
- P-gp- und BCRP-Inhibitoren: Hemmen die Effluxtransporter und steigern die Rimegepant-Plasmaspiegel. Bei der gleichzeitigen Anwendung mit starken P-gp- oder BCRP-Hemmern (z. B. Ciclosporin, Chinidin) sollte innerhalb von 48 Stunden keine weitere Rimegepant-Dosis eingenommen werden.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Rimegepant ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff.
Schwangerschaft
Da nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Rimegepant in der Schwangerschaft vorliegen, sollte aus Vorsichtsgründen die Anwendung des Wirkstoffs bei Schwangeren vermieden werden.
Stillzeit
Während der Therapie mit Rimegepant wird der Anteil der maternalen Dosis, der auf das Kind übergeht, auf unter 1 % geschätzt. Der Nutzen des Stillens ist sorgfältig gegen den potenziellen Nutzen der Therapie und mögliche Risiken für das Kind abzuwägen.
Verkehrstüchtigkeit
Rimegepant hat keinen oder nur einen minimalen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Rimegepant zu beachten:
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Atemnot, Hautausschlag und schwere Überempfindlichkeit können auftreten, teils auch verzögert nach der Einnahme. Rimegepant ist dann abzusetzen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
- Nicht empfohlen bei Leber- oder Niereninsuffizienz: Rimegepant darf nicht angewendet werden bei schwerer Leberinsuffizienz, terminaler Niereninsuffizienz (CLcr <15 ml/min) oder gleichzeitiger Einnahme starker CYP3A4-Modulatoren.
- Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch (MOH): Ein Übergebrauch von Rimegepant kann medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auslösen oder verschlimmern. Bei Verdacht auf MOH ist die Behandlung abzubrechen und ärztlicher Rat einzuholen.
Alternativen
Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen weitere CGRP-Rezeptor-Antagonisten wie Atogepant und Ubrogepant sowie monoklonale Antikörper gegen CGRP wie Eptinezumab bzw. gegen CGRP-Rezeptoren wie Erenumab als Alternative in Frage.
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer.
- Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer.
- Fachinformationen des Rimegepant-Herstellers Pfizer (VYDURA 75 mg Lyophilisat zum Einnehmen).










