Serplulimab

Serplulimab ist ein PD-1-Antikörper zur Erstlinientherapie des fortgeschrittenen kleinzelligen Bronchialkarzinoms bei Erwachsenen in Kombination mit Carboplatin und Etoposid. Der monoklonale Antikörper hebt die Tumor-induzierte Hemmung der T-Zell-Aktivität gezielt auf.

Anwendung

Der Wirkstoff Serplulimab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der in Kombination mit Carboplatin und Etoposid zur Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt wird.

Anwendungsart

Serplulimab wird als intravenöse Infusion verabreicht. Zu Beginn empfiehlt sich eine Infusionsrate von 100 ml pro Stunde. Wird die erste Infusion gut vertragen, kann die Infusionsdauer bei den folgenden Gaben auf etwa 30 Minuten (±10 Minuten) verkürzt werden.

Bei kombinierter Gabe mit einer Chemotherapie ist Serplulimab vor der Chemotherapie am selben Tag zu verabreichen, wobei für jede Substanz ein separater Infusionsbeutel zu verwenden ist. Eine Verabreichung als Bolus- oder Druckinjektion ist nicht zulässig. Die benötigte Gesamtdosis ist vor der Anwendung mit 0,9 %iger Natriumchloridlösung zur Injektion zu verdünnen.

Wirkmechanismus

Serplulimab ist ein humanisierter monoklonaler IgG4-Antikörper, der gezielt an den Immun-Checkpoint-Rezeptor PD-1 (programmed death-1) bindet. Durch die Blockade der Wechselwirkung zwischen PD-1 und seinen Liganden PD-L1 und PD-L2 wird die T-Zell-Aktivität reaktiviert. Die Liganden werden sowohl auf Antigen-präsentierenden Zellen als auch in der Tumorumgebung exprimiert und hemmen dort physiologisch die T-Zell-Proliferation und Zytokinfreisetzung. Serplulimab unterbindet diese immunsuppressive Signalweiterleitung und fördert so die T-Zell-vermittelte Immunantwort gegen Tumorzellen.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Intravenöse Gabe: Serplulimab wird ausschließlich intravenös verabreicht und ist dadurch unmittelbar und vollständig bioverfügbar.

Verteilung

  • Verteilungsvolumen: Das mittlere Verteilungsvolumen beträgt etwa 5,73 Liter.

Metabolismus

  • Abbau: Serplulimab wird wie andere monoklonale Antikörper durch proteolytische Prozesse zu kleinen Peptiden und Aminosäuren abgebaut.

Elimination

  • Clearance: Die durchschnittliche Clearance nach der ersten Dosis liegt bei 0,225 l/Tag.
  • Verlauf über die Zeit: Die Clearance sinkt im Zeitverlauf um bis zu 30,5%, wobei die Halbwertszeit dieser Änderung nach etwa 106 Tagen erreicht wird.
  • Halbwertszeit: Im Steady-State beträgt die Eliminationshalbwertszeit etwa 24,3 Tage.

Dosierung

Die empfohlene Dosis von Serplulimab beträgt 4,5 mg/kg Körpergewicht und wird alle drei Wochen als intravenöse Infusion verabreicht. Die Behandlung wird fortgeführt, bis es zum Krankheitsprogress oder zu einer inakzeptablen Toxizität kommt.

Eine Anpassung der Dosis wird nicht empfohlen. Bei unerwünschten Wirkungen kann Serplulimab jedoch vorübergehend ausgesetzt oder dauerhaft abgesetzt werden. Eine Therapiepause von bis zu 12 Wochen gilt als vertretbar, sofern sie aus Gründen der Verträglichkeit erforderlich ist.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Serplulimab auftreten können, zählen:

  • Lungenentzündung
  • Neutropenie, Leukopenie, Anämie, Thrombozytopenie und Lymphopenie
  • Hypothyreose, Hyperthyreose, Hyperglykämie sowie Diabetes mellitus
  • Hyperlipidämie, Hypoproteinämie, Hyperurikämie und Störungen des Elektrolythaushaltes
  • Appetitlosigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Arrhythmie
  • Husten
  • Übelkeit, Verstopfung, Abdominalschmerzen, Durchfall und Erbrechen
  • Erhöhte Werte von Alanin-Aminotransferase, Aspartat-Aminotransferase, Gamma-Glutamyltransferase sowie alkalische Phosphatase
  • Ausschlag und Alopezie
  • Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems
  • Fieber und Asthenie

Häufige Nebenwirkungen, die potenziell unter Serplulimab auftreten können, umfassen: 

  • Harnwegsinfektionen und Infektionen der Atemwege
  • Granulozytopenie
  • Thyreoiditis
  • Gewichtsverlust und Hypoglykämien
  • Parästhesie, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und periphere Neuropathie
  • Sinustachykardie, Überleitungsstörungen, Sinusbradykardie sowie Herzinsuffizienz
  • Hypertonie und Vaskulitis
  • Pneumonie, Dyspnoe und Brustkorbschmerzen
  • Dysphagie, Flatulenz, Stomatitis und Dyspepsie
  • Hyperbilirubinämie und Leberverletzungen
  • Pruritus, Dermatitis und Hyperhidrosis
  • Arthralgie, Schmerzen in einer Extremität und muskuloskelettale Beschwerden
  • Ermüdung, Fatigue, Unwohlsein und Ödeme

Wechselwirkungen

  • Fehlende Interaktionsstudien: Es wurden keine spezifischen Studien zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln durchgeführt.
  • Geringes Interaktionspotenzial: Da Serplulimab ein monoklonaler Antikörper ist und nicht über CYP-Enzyme oder andere arzneimittelmetabolisierende Enzyme abgebaut wird, sind Wechselwirkungen mit Substanzen, die diese Enzyme hemmen oder induzieren, nicht zu erwarten.
  • Kortikosteroide vor Therapiebeginn: Die prophylaktische oder begleitende Anwendung systemischer Kortikosteroide oder Immunsuppressiva vor Beginn der Serplulimab-Behandlung kann die Wirksamkeit beeinträchtigen und sollte daher möglichst vermieden werden.
  • Kortikosteroide bei Nebenwirkungen: Nach Therapiebeginn dürfen systemische Kortikosteroide oder andere Immunsuppressiva bei Bedarf zur Behandlung immunvermittelter Nebenwirkungen eingesetzt werden, ohne die therapeutische Wirkung zu gefährden.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Serplulimab ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff.

Schwangerschaft

Der Wirkstoff Serplulimab sollte aufgrund der potenziellen embryotfetalen Toxizität nicht während der Schwangerschaft angewendet werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Serplulimab in die Muttermilch übertritt. Serplulimab ist ein humanes Immunglobulin G (IgG) und kann in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch gelangen, wobei die Konzentrationen rasch abnehmen. Ein potenzielles Risiko für das Neugeborene in der frühen Stillphase kann nicht ausgeschlossen werden. Nach diesem Zeitraum kann Serplulimab während der Stillzeit angewendet werden, sofern der therapeutische Nutzen dies rechtfertigt.

Verkehrstüchtigkeit

Serplulimab kann die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit geringfügig beeinträchtigen. Da unter der Behandlung Müdigkeit auftreten kann, sollten Patienten darauf hingewiesen werden, entsprechende Tätigkeiten nur dann auszuüben, wenn sie sich dazu uneingeschränkt in der Lage fühlen.

Anwendungshinweise

  • Rückverfolgbarkeit: Arzneimittelname und Chargennummer müssen dokumentiert werden, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.
  • Immunvermittelte Nebenwirkungen: Schwere, teils tödliche immunvermittelte Reaktionen wurden beobachtet. Sie können verschiedene Organsysteme betreffen und auch verzögert nach der letzten Gabe auftreten. Bei Verdacht sollte Serplulimab pausiert, Kortikosteroide verabreicht und die Ursache differenzialdiagnostisch abgeklärt werden.
  • Immunbedingte Pneumonitis: Patienten sollten auf Atemnot, Hypoxie oder radiologische Veränderungen überwacht werden. Bei Verdacht ist eine Bildgebung erforderlich. Je nach Schwere ist Serplulimab auszusetzen oder dauerhaft abzusetzen.
  • Immunbedingte Kolitis: Bei Auftreten von Durchfall, Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl sollte eine infektiöse Ursache ausgeschlossen und das Risiko einer Perforation bedacht werden. Bei Bedarf sind bildgebende oder endoskopische Untersuchungen angezeigt.
  • Immunbedingte Hepatitis: Monatliche Kontrolle der Leberwerte ist empfohlen. Bei auffälligen Transaminasen oder Bilirubinwerten sollte Serplulimab pausiert und ggf. dauerhaft abgesetzt werden.
  • Immunbedingte Nephritis: Nierenfunktion und Serumkreatinin sind regelmäßig zu überwachen. Meist treten asymptomatische Kreatininanstiege auf. Ursachen sind differenzialdiagnostisch abzuklären.
  • Endokrine Nebenwirkungen: Schilddrüsenfunktionsstörungen (Hyper-/Hypothyreose, Thyreoiditis), Hypophysitis und Nebenniereninsuffizienz sind möglich. Hormonspiegel und Symptome sind regelmäßig zu kontrollieren. Bei schwerwiegender Ausprägung ist ein Absetzen von Serplulimab erforderlich.
  • Hyperglykämie/Diabetes Typ 1: Bei Blutzuckeranstieg sollte eine Insulintherapie erwogen werden. Bei unkontrollierter Hyperglykämie ist Serplulimab vorübergehend abzusetzen.
  • Immunbedingte Hautreaktionen: Exantheme Grad 1–2 können symptomatisch behandelt werden. Bei Grad 3 ist Serplulimab auszusetzen. Bei Stevens-Johnson-Syndrom oder toxischer epidermaler Nekrolyse ist das Präparat dauerhaft abzusetzen.
  • Immunbedingte Pankreatitis: Bei klinischen Symptomen oder erhöhten Lipase-/Amylasewerten ist eine Therapiepause angezeigt. Schwere oder wiederkehrende Verläufe erfordern ein dauerhaftes Absetzen.
  • Immunbedingte Myokarditis: Myokardfunktion und kardiale Marker sind bei Verdacht engmaschig zu überwachen. Bei schwerem Verlauf oder unklarem Verlauf sollte Serplulimab dauerhaft abgesetzt werden.
  • Immunbedingte Uveitis: Bei Auftreten einer Uveitis ggf. in Kombination mit einem Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom sind systemische Kortikosteroide indiziert, um irreversible Sehschäden zu vermeiden.
  • Weitere immunvermittelte Reaktionen: Thrombozytopenie, Enzephalitis, akutes Koronarsyndrom oder Myokardinfarkt wurden berichtet. Die Behandlung ist abhängig vom Schweregrad der Reaktion auszusetzen oder dauerhaft zu beenden. Kortikosteroide können erforderlich sein.
  • Infusionsreaktionen: Infusionsbedingte Reaktionen sind möglich. Bei Grad 1 kann die Infusion fortgesetzt werden. Bei Grad ≥2 sind Infusionsgeschwindigkeit anzupassen, ggf. abzubrechen und supportive Maßnahmen einzuleiten. Ab Grad 3 ist ein dauerhaftes Absetzen indiziert.
  • Von Studien ausgeschlossene Patientengruppen: Patienten mit Autoimmunerkrankungen, aktiven Infektionen (z. B. HIV, HBV, HCV, Tuberkulose), Pneumonitis, Hirnmetastasen oder kürzlicher Immunsuppression waren in klinischen Studien nicht vertreten. Eine Anwendung bei diesen Patienten erfordert besondere Vorsicht.

Alternativen

Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen die PD-L1-Antikörper Atezolizumab und Durvalumab in der Therapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms als Wirkstoffe mit einem vergleichbaren Wirkmechanismus wie Serplulimab als Alternative in Frage.

Autor:
Stand:
04.08.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer.
  2. Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer.
  3. Fachinformationen zu Serplulimab auf der Internetseite der Europäischen Arzneimittel-Agentur (HETRONIFLY European Medicines Agency).
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1 Präparate mit Serplulimab