Sertindol

Sertindol ist ein atypisches Antipsychotikum aus der Klasse der Benzisothiazolderivate, das Dopamin-D2-, Serotonin-5HT2A- und a1-adrenerge Rezeptoren antagonisiert. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Vor und während der Behandlung ist eine EKG-Überwachung erforderlich.

Sertindol

Anwendung

Sertindol ist für die Behandlung der Schizophrenie angezeigt. Aufgrund kardiovaskulärer Sicherheitsbedenken sollte der Wirkstoff jedoch nur bei Patienten eingesetzt werden, die zumindest ein anderes Antipsychotikum nicht vertragen haben.

Darüber hinaus sollte Sertindol nicht in Notfallsituationen bei akut gestörten Patienten zur raschen Symptomreduktion verabreicht werden.

Wirkmechanismus

Sertindol ist ein atypisches Antipsychotikum, das die Aktivität von Neurotransmittern im Gehirn, insbesondere Dopamin und Serotonin, moduliert. Der Wirkstoff blockiert selektiv Dopamin D2-Rezeptoren und Serotonin 5-HT2A-Rezeptoren, wodurch positive und negative Symptome der Schizophrenie reduziert werden können. Darüber hinaus wirkt Sertindol als Antagonist an α1-adrenergen Rezeptoren. Atypische Antipsychotika wie Sertindol sind im Allgemeinen mit einem geringeren Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen als typische Antipsychotika verbunden.

Dosierung

Patienten beginnen mit 4 mg Sertindol täglich und erhöhen die Dosis schrittweise alle 4-5 Tage bis zur optimalen Erhaltungsdosis von 12-20 mg/Tag. Zu Beginn können orthostatische Beschwerden auftreten. Die maximale Dosis von 24 mg sollte nur selten verwendet werden. Blutdruckkontrollen sind während der Anpassungs- und frühen Erhaltungsphase wichtig.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien mit einer Inzidenz über 1% bei der Anwendung von Sertindol festgestellt:

  • Rhinitis/Nasenkongestion
  • Ejakulationsstörungen (vermindertes Ejakulationsvolumen)
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • orthostatischer Hypotonus
  • Gewichtszunahme
  • periphere Ödeme
  • Dyspnoe
  • Parästhesien
  • QT-Verlängerungen

Wechselwirkungen

  • Verlängerungen des QT-Intervalls durch Sertindol können durch gleichzeitige Einnahme von Medikamenten, die das QT-Intervall erhöhen, verstärkt werden (z.B. Chinidin).
  • Sertindol wird hauptsächlich von den Enzymen CYP2D6 und CYP3A abgebaut.
  • Fluoxetin oder Paroxetin (starke CYP2D6-Inhibitoren) können die Plasmakonzentration von Sertindol erhöhen, wodurch besondere Vorsicht geboten ist und eventuell eine niedrigere Erhaltungsdosis erforderlich wird.
  • Geringfügige Erhöhungen der Sertindol-Konzentrationen im Plasma wurden für Makrolidantibiotika (z.B. Erythromycin) und Calciumkanalantagonisten (Diltiazem, Verapamil) nachgewiesen.
  • Kombinationstherapien mit CYP3A-Inhibitoren und Sertindol sind kontraindiziert, da dies zu einer signifikanten Erhöhung der Sertindol-Spiegel führen könnte.
  • Der Abbau von Sertindol kann durch Substanzen, die CYP-Isoenzyme induzieren (z.B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital), erheblich verstärkt werden, was eine Anpassung der Sertindol-Dosis notwendig machen kann.

Kontraindikationen

Sertindol darf nicht angewendet werden bei:

Anwendungshinweise

  • Sertindol verlängert das QT-Intervall und birgt daher das Risiko von Arrhythmien und plötzlichem Tod. Dennoch ist das arrhythmogene Potenzial nicht größer als bei anderen Antipsychotika.
  • Sertindol sollte nur bei Patienten angewendet werden, die andere Antipsychotika nicht vertragen.
  • Das Risiko einer QT-Verlängerung steigt bei Begleitmedikation, die das QTc-Intervall verlängert oder den Metabolismus von Sertindol hemmt.
  • Vor der Behandlung sollten Kalium- und Magnesiumspiegel kontrolliert und ggf. korrigiert werden.
  • Vorsicht ist geboten bei Parkinson-Krankheit, Kombinationstherapie mit SSRIs und bei langsamen CYP2D6-Metabolisierern.
  • In seltenen Fällen wurde von Hyperglykämie oder Verschlechterung von Diabetes berichtet.
  • Bei älteren Menschen mit Demenz besteht ein leicht erhöhtes Mortalitätsrisiko.
  • Sertindol ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen. Zudem wurde ein erhöhtes Risiko für unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse bei Demenzpatienten beobachtet.
  • Bei Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko, älteren Menschen und eingeschränkter Leberfunktion sollte Sertindol vorsichtig angewendet werden.
  • Thromboembolien wurden im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet; daher sollten Risikofaktoren identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden.
  • Tardive Dyskinesie, Anfälle und das maligne neuroleptische Syndrom sind mögliche Risiken bei der Anwendung von Sertindol. Die Dosis sollte bei Anzeichen dieser Erkrankungen reduziert oder der Wirkstoff abgesetzt werden.
  • Akute Absetzsymptome können nach abruptem Absetzen von Neuroleptika auftreten, daher wird ein schrittweises Absetzen empfohlen.

Alternativen

Alternativen zu Sertindol sind andere Antipsychotika, die zur Behandlung der Schizophrenie eingesetzt werden. Diese Medikamente können in zwei Hauptgruppen unterteilt werden: typische (erste Generation) und atypische (zweite Generation) Antipsychotika. Einige Beispiele sind:

Typische Antipsychotika:

Atypische Antipsychotika:

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl des Antipsychotikums von verschiedenen Faktoren abhängt, wie bspw. der individuellen Verträglichkeit, dem Nebenwirkungsprofil, Komedikation und Vorerkrankungen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
440.94 g·mol-1
Autor:
Stand:
04.05.2023
Quelle:

Fachinformation Serdolect

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