Sipavibart
Sipavibart wird zur Präexpositionsprophylaxe von COVID-19 bei immungeschwächten Personen ab 12 Jahren eingesetzt. Der monoklonale Antikörper verhindert durch Blockade der Interaktion des SARS-CoV-2-Spike-Proteins mit dem ACE-2-Rezeptor den Viruseintritt.
Sipavibart: Übersicht
Anwendung
Der Wirkstoff Sipavibart wird zur Präexpositionsprophylaxe von COVID-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg angewendet, die aufgrund einer Erkrankung oder immunsuppressiver Behandlungen immungeschwächt sind.
Anwendungsart
Sipavibart darf nur von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Die Anwendung sollte unter Bedingungen erfolgen, die eine sofortige Behandlung schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen wie Anaphylaxie ermöglichen. Patienten sollten nach der Verabreichung gemäß lokaler medizinischer Praxis überwacht werden.
Der Wirkstoff Sipavibart kann als intravenöse Infusion oder als intramuskuläre Injektion in den anteriolateralen Oberschenkel verabreicht werden.
Wirkmechanismus
Sipavibart ist ein rekombinanter humaner monoklonaler IgG1-Antikörper, der durch spezifische Bindung an die Rezeptorbindungsdomäne (RBD) des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 eine passive Immunisierung bewirkt. Der Wirkstoff blockiert durch seine Bindung an die RBD die Interaktion mit dem humanen ACE-2-Rezeptor und verhindert dadurch den Eintritt des Virus in die Zellen. Die Affinität des Antikörpers zur RBD des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 (BA.2) ist mit einer Gleichgewichtsdissoziationskonstanten von KD = 20,95 pM hoch.
Pharmakokinetik
Resorption
- Nach einer intramuskulären Einzeldosis von 300 mg Sipavibart beträgt die maximale Serumkonzentration (Cmax) 48,0 μg/ml. Die mediane Zeit bis zum Erreichen von Cmax liegt bei 7,5 Tagen (Bereich 3,9 bis 53 Tage).
- Die absolute Bioverfügbarkeit nach intramuskulärer Gabe liegt bei etwa 80,7%.
- Einen Monat nach der ersten Dosis bei intramuskulärer Applikation beträgt die Serumkonzentration etwa 29,8 μg/ml. Nach einer zweiten Dosis, die im Abstand von 6 Monaten verabreicht wird, liegt die Serumkonzentration einen Monat später bei ca. 30,8 μg/ml.
- Nach einer einmaligen Infusion von 300 mg und 1200 mg (Infusionsrate 50 mg/min) betragen die Serumkonzentrationen 101,6 μg/ml bzw. 452,1 μg/ml.
Verteilung
- Das scheinbare Verteilungsvolumen nach intramuskulärer Gabe von 300 mg liegt bei 6,3 Litern.
- Die Populations-PK-Analyse ergibt ein zentrales Verteilungsvolumen von 4,6 Litern und ein peripheres Verteilungsvolumen von 0,4 Litern nach intravenöser Verabreichung.
Metabolismus
- Sipavibart wird, ähnlich wie endogene IgG-Antikörper, über katabole Stoffwechselwege in kleinere Peptide und Aminosäuren abgebaut.
Elimination
- Die Clearance nach einer intramuskulären Einzeldosis von 300 mg beträgt 0,053 Liter/Tag.
- Die geschätzte mittlere terminale Eliminationshalbwertszeit beträgt 87,3 Tage (Standardabweichung 26,5 Tage).
Dosierung
Die empfohlene Dosierung für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg beträgt 300 mg Sipavibart, verabreicht entweder als intramuskuläre Injektion oder intravenöse Infusion.
Bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen sind keine Anpassungen der Dosis notwendig.
Nebenwirkungen
Bei der intramuskulären Verabreichung von Sipavibart kommt es häufig zu Reaktionen an der Injektionsstelle und gelegentlich zu Überempfindlichkeitsreaktionen.
Häufige Nebenwirkungen bei der intravenösen Applikation des Wirkstoffs Sipavibart umfassen Reaktionen an der Infusionsstelle sowie Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion wie Übelkeit, Arthralgie und Kopfschmerzen.
Wechselwirkungen
Es liegen keine Studien zu möglichen Wechselwirkungen des Wirkstoffs vor. Sipavibart wird voraussichtlich weder über die Nieren ausgeschieden noch durch Cytochrom-P450-Enzyme verstoffwechselt. Daher sind Interaktionen mit Arzneimitteln, die über die Nieren eliminiert werden oder als Substrate, Induktoren oder Inhibitoren von Cytochrom-P450-Enzymen wirken, als unwahrscheinlich einzustufen.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Sipavibart ist bei Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff kontraindiziert.
Schwangerschaft
Es ist bekannt, dass humane IgG1-Antikörper die Plazenta passieren können, weshalb Sipavibart potenziell von der Mutter auf den Fötus übertragen wird. Ob diese Plazentagängigkeit einen therapeutischen Nutzen oder ein Risiko für den Fötus darstellt, ist nicht bekannt. Eine Anwendung während der Schwangerschaft sollte nur erfolgen, wenn der Nutzen für die Mutter das mögliche Risiko für den Fötus überwiegt.
Stillzeit
Ob Sipavibart in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. IgG-Antikörper werden beim Menschen in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch ausgeschieden, wobei die Konzentrationen danach deutlich abnehmen. In diesem kurzen Zeitraum kann ein Risiko für den gestillten Säugling nicht ausgeschlossen werden. Nach dieser Phase könnte Sipavibart angewendet werden, wenn es medizinisch notwendig ist.
Verkehrstüchtigkeit
Sipavibart hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Sipavibart zu beachten:
- Rückverfolgbarkeit: Die Bezeichnung und Chargenbezeichnung des Arzneimittels müssen dokumentiert werden, um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu gewährleisten.
- Antivirale Resistenz: Sipavibart ist gegen frühe Omikron-Stämme wirksam. Gegen Varianten mit F456L-Mutationen im Spike-Protein besteht keine Neutralisationswirkung. Die Entscheidung zur Anwendung sollte auf Basis der bekannten Eigenschaften zirkulierender SARS-CoV-2-Varianten getroffen werden. Patienten sind über das Risiko von Durchbruchinfektionen zu informieren.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Anaphylaxie, können auftreten. Bei Anzeichen solcher Reaktionen ist die Verabreichung sofort abzubrechen und eine entsprechende Behandlung einzuleiten.
- Reaktionen bei Infusionen: Infusionsreaktionen wurden beobachtet, meist in leichter Ausprägung. Bei Auftreten solcher Reaktionen sollte die Infusion unterbrochen, verlangsamt oder gestoppt werden, und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden.
- Blutgerinnungsstörungen: Bei Patienten mit Thrombozytopenie oder anderen Gerinnungsstörungen sollte Sipavibart mit Vorsicht angewendet werden.
- COVID-19-Impfstoffe: Die Anwendung von Sipavibart ersetzt nicht die COVID-19-Impfung bei Personen, für die eine Impfung empfohlen wird.
Alternativen
Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommt auch die Kombination aus Tixagevimab und Cilgavimab zur Präexpositionsprophylaxe einer Coronavirus-19-Erkrankung als Alternative in Frage.
- Fachinformationen des Sipavibart-Herstellers AstraZeneca (Kavigale 300 mg Injektions-/Infusionslösung)
- Fachinformationen des Tixagevimab/Cilgavimab-Herstellers AstraZeneca (EVUSHELD 150 mg + 150 mg Injektionslösung)










