Somapacitan

Somapacitan ist ein langwirksames Analogon von Somatotropin, das zur Behandlung von Wachstumshormonmangel bei Erwachsenen eingesetzt wird. Es handelt sich um ein Peptid mit unterschiedlichen funktionellen Gruppen, das mithilfe rekombinanter DNA-Methodik in E. coli exprimiert wird.

Anwendung

Somapacitan wird als Analogon zum humanen Wachstumshormon Somatotropin (Growth Hormon, GH) bei Wachstumshormonmangel bei Erwachsenen (Adult Growth Hormone Deficiency, AGHD) angewendet.

Wirkmechanismus

Somapacitan besteht aus 191 Aminosäuren und ähnelt dem menschlichen Wachstumshormon, wurde aber so modifiziert, dass es länger im Körper aktiv bleibt. Dies wird durch eine spezielle Fettsäure-Seitenkette erreicht, die an Albumin bindet und so die Halbwertszeit verlängert.

Der Wirkmechanismus von Somapacitan erfolgt durch Bindung an Wachstumshormonrezeptoren, wodurch Signalkaskaden aktiviert werden, die direkt das Wachstum und den Stoffwechsel beeinflussen. Zudem führt Somapacitan zur Produktion von IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1 [Insulin-like Growth Factor 1]) in verschiedenen Geweben, vor allem in der Leber, was weitere indirekte Wirkungen vermittelt.

Das Ziel der Behandlung mit Somapacitan ist die Normalisierung der Körperzusammensetzung, indem es die Körperfettmasse reduziert und die fettfreie Masse erhöht sowie eine Verbesserung der metabolischen Aktivität bewirkt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Median tmax bei Patienten mit AGHD: 4 bis 24 Stunden bei Dosen von 0,02 bis 0,12 mg/kg/Woche
  • Steady-State-Exposition: Nach 1 bis 2 wöchentlichen Gaben erreicht
  • Absolute Bioverfügbarkeit: Nicht untersucht

Verteilung

  • Plasmaproteinbindung: > 99%, ähnlich wie Albumin
  • Verteilungsvolumen (V/F): Ungefähr 14,6 l basierend auf Populations-Pharmakokinetik-Analysen

Elimination

  • Terminale Halbwertszeit: 2 bis 3 Tage im Steady State (Dosen: 0,02 bis 0,12 mg/kg).
  • Präsenz im Blutkreislauf: Bis etwa 2 Wochen nach der letzten Dosis
  • Akkumulationsratio: Wenig bis keine Akkumulation, durchschnittlich 1 bis 2 nach Mehrfachdosen

Biotransformation

  • Abbau: Hauptsächlich durch Proteolyse und Spaltung der Linkersequenz zwischen Peptid und albuminbindender Einheit
  • Ausscheidung: 81% über Urin, 13% Somapacitan-assoziiertes Material im Stuhl
  • Intaktes Somapacitan: Nicht im Urin oder Fäzes nachgewiesen, vollständige Biotransformation vor Ausscheidung

Basierend auf den speziellen Hinweisen zur Pharmakokinetik von Somapacitan lassen sich folgende therapierelevante Schlussfolgerungen ableiten:

  • Alter: Ältere Patienten über 60 Jahre zeigen eine höhere Exposition gegenüber Somapacitan. Eine niedrigere Anfangsdosis könnte daher für diese Altersgruppe erwogen werden.
  • Geschlecht: Frauen, insbesondere unter oraler Östrogentherapie, zeigen eine geringere Exposition gegenüber Somapacitan im Vergleich zu Männern. Eine höhere Anfangsdosis könnte bei Frauen unter oraler Östrogentherapie in Betracht gezogen werden.
  • Körpergewicht: Trotz höherer Exposition bei Patienten mit geringem Körpergewicht zeigt sich keine Notwendigkeit zur Dosisanpassung über den untersuchten Gewichtsbereich von 35 kg bis 150 kg.
  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, insbesondere bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder Dialyse, zeigen eine erhöhte Exposition gegenüber Somapacitan. Die individuelle Anpassung der Dosierung basierend auf der Nierenfunktion ist wichtig, um eine Überexposition zu vermeiden.
  • Leberfunktionsstörung: Bei mittelschwerer Leberfunktionsstörung kann eine höhere Exposition auftreten, während Patienten mit leichter und mittelschwerer Störung möglicherweise niedrigere IGF-1-Spiegel aufweisen. Eine sorgfältige Dosistitration ist erforderlich.

Dosierung

Empfohlene Anfangsdosis 

  • Erwachsene (18-60 Jahre): 1,5 mg/Woche
  • Frauen unter oraler Östrogentherapie: 2 mg/Woche
  • Ältere Patienten (≥ 60 Jahre): 1 mg/Woche

Umstellung von täglicher wachstumshormonhaltiger Arzneimittel

  • Erwachsene (18-60 Jahre): 2 mg/Woche
  • Frauen unter oraler Östrogentherapie: 4 mg/Woche
  • Ältere Patienten (≥ 60 Jahre): 1,5 mg/Woche

Dosistitration:

  • Erhöhung von 0,5 mg bis 1,5 mg alle 2-4 Wochen bis zu maximal 8 mg/Woche
  • Zielwert: IGF-1 im oberen Normbereich, Standard Deviation Score bis +2

Dosiskontrolle:

  • Alle 6 bis 12 Monate
  • Überwachung von IGF-1, Glukose, Lipiden, Körperzusammensetzung und BMI

Ausgelassene Dosis:

  • Innerhalb von 3 Tagen nachholen, sonst auslassen und regulär fortfahren

Umstellung des Verabreichungstages:

  • Änderung möglich, solange mindestens 4 Tage zwischen den Dosen liegen

Nebenwirkungen

Die häufigsten gemeldeten unerwünschten Ereignisse (>10%) unter Anwendung von Somapacitan sind:

  • Kopfschmerzen (12%), 
  • periphere Ödeme (4%) und 
  • Nebennierenrindeninsuffizienz (3%).

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Somapacitan zu beachten:

Von Cytochrom P450 verstoffwechselte Arzneimittel:

  • Somapacitan kann die Ausscheidung von Substanzen erhöhen, die durch Cytochrom P450 verstoffwechselt werden, wie z. B. Sexualsteroide, Corticosteroide, Antikonvulsiva und Ciclosporin. Dies könnte zu niedrigeren Plasmaspiegeln dieser Substanzen führen. Die klinische Bedeutung dieser Wechselwirkung ist nicht vollständig bekannt.

Glucocorticoide:

  • Somapacitan kann die Umwandlung von Cortison in Cortisol verringern und könnte einen zuvor nicht diagnostizierten zentralen Hypoadrenalismus aufdecken oder die Wirksamkeit einer niedrig dosierten Glucocorticoid-Substitutionstherapie beeinträchtigen.

Orale Östrogene:

  • Frauen unter oraler Östrogentherapie benötigen möglicherweise eine höhere Dosis von Somapacitan, um das Therapieziel zu erreichen. Details hierzu finden sich in der Fachinformation.
    Blutzuckersenkende Arzneimittel:
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Somapacitan und blutzuckersenkenden Mitteln, einschließlich Insulin, kann eine Anpassung der Dosis erforderlich sein. Somapacitan kann die Insulinempfindlichkeit herabsetzen. Weitere Informationen sind in der Fachinformation zu finden.

Sonstige:

  • Die Stoffwechselwirkungen von Somapacitan können auch durch begleitende Therapien mit anderen Hormonen beeinflusst werden, wie z. B. Testosteron oder Schilddrüsenhormonen. Weitere Details sind in der Fachinformation aufgeführt.

Kontraindikationen

Somapacitan darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Vorliegen von Hinweisen auf Tumoraktivität
  • Aktiven intrakraniellen Tumoren; diese müssen inaktiv sein und eine Antitumor-Therapie muss vor Beginn der Somapacitan-Behandlung abgeschlossen sein. Die Behandlung mit Somapacitan muss abgebrochen werden, wenn Anzeichen für ein Tumorwachstum auftreten.
  • Akuten schwerwiegenden Erkrankungen, die unter Komplikationen nach Operationen am offenen Herzen, Operationen der Bauchhöhle, Polytrauma, akuter respiratorischer Insuffizienz oder ähnlichen Bedingungen leiden.
     

Schwangerschaft

Die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Empfängnisverhütung anwenden, wird nicht empfohlen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Somapacitan oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Tierstudien deuten auf einen potenziellen Transfer hin, weshalb ein Risiko für gestillte Neugeborene nicht ausgeschlossen werden kann. Entscheidungen über das Fortsetzen des Stillens sollten individuell getroffen werden, unter Berücksichtigung des Nutzens des Stillens für das Kind und der potenziellen Vorteile der Somapacitan-Therapie für die Mutter.

Verkehrstüchtigkeit

Es besteht kein Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Somapacitan zu beachten:

  • Nebennierenrindeninsuffizienz: Eine Wachstumshormontherapie kann zu einer Verringerung der Cortisol-Serumspiegel führen, besonders bei Patienten mit bekanntem oder bisher unentdecktem Hypoadrenalismus.
  • Störung des Glukosestoffwechsels: Insulinempfindlichkeit kann durch Somapacitan beeinträchtigt werden, was zu Hyperglykämie führen kann, insbesondere bei Patienten mit Risikofaktoren für Diabetes mellitus.
  • Neoplasmen: Wachstumshormonbehandlung bei Erwachsenen zeigt kein erhöhtes Risiko für neue primäre Krebserkrankungen, erfordert jedoch bei Überlebenden von Krebserkrankungen in der Kindheit eine engmaschige Überwachung.
  • Benigne intrakranielle Hypertension: Bei schweren Kopfschmerzen oder Sehstörungen sollte ein Papillenödem ausgeschlossen werden, das auf eine mögliche benigne intrakranielle Hypertension hinweisen könnte.
  • Schilddrüsenfunktion: Regelmäßige Überprüfung der Schilddrüsenfunktion wird empfohlen, da Wachstumshormon die Umwandlung von T4 zu T3 erhöhen kann.
  • Anwendung unter oraler Östrogentherapie: Frauen, die Somapacitan unter oraler Östrogentherapie einnehmen, benötigen möglicherweise höhere Dosen und längere Titrationsphasen.
  • Lipohypertrophie: Um das Risiko zu minimieren, sollte die Injektionsstelle regelmäßig gewechselt werden, um Lipohypertrophie zu vermeiden.
  • Antikörperbildung: Obwohl keine Antikörperbildung beobachtet wurde, sollte bei Patienten, die nicht auf die Therapie ansprechen, das Vorhandensein von Antikörpern getestet werden.
  • Akute, schwerwiegende Erkrankungen: Somapacitan sollte nicht bei Patienten mit akuten schwerwiegenden Erkrankungen angewendet werden, da dies das Risiko für Komplikationen erhöhen könnte.
  • Ältere Patienten und Langzeitanwendung: Erfahrungen bei Patienten über 60 Jahre und solchen, die langfristig behandelt werden, sind begrenzt und erfordern besondere Vorsicht.

Diese Maßnahmen dienen dazu, potenzielle Risiken zu minimieren und eine sichere Anwendung von Somapacitan zu gewährleisten.

Alternativen

Alternativen zur Behandlung von Wachstumshormonmangel:

Sie gehören zur Gruppe der Wachstumshormon-Releasing-Hormone oder stimulieren direkt die Produktion von Wachstumshormon. 

Autor:
Stand:
08.07.2024
Quelle:

Fachinformation Sogroya

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7 Präparate mit Somapacitan