Somatostatin

Somatostatin ist ein Peptidhormon, das die Ausschüttung verschiedener Hormone, einschließlich des Wachstumshormons, reguliert. Es wird in der Behandlung von Akromegalie, neuroendokrinen Tumoren und zur Blutungskontrolle im Gastrointestinaltrakt eingesetzt.

Somatostatin

Anwendung

Somatostatin wird angewendet zur:

  • Behandlung schwerer akuter Gastroduodenalulkusblutung
  • Behandlung schwerer akuter Blutung bei akuter erosiver bzw. hämorrhagischer Gastritis
  • Prophylaxe von postoperativen pankreatischen Komplikationen nach Pankreaschirurgie
  • adjuvanten Therapie zur Hemmung der Sekretion stark sezernierender postoperativer Pankreas- und oberer Dünndarmfisteln

Wirkmechanismus

Somatostatin, auch bekannt als Wachstumshormon-inhibierendes Hormon (GHIH), ist ein Peptidhormon, das in verschiedenen Teilen des Körpers produziert wird, einschließlich des Hypothalamus, des Gastrointestinaltrakts und des Pankreas. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Hemmung der Freisetzung mehrerer Hormone und Neurotransmitter. Somatostatin bindet an spezifische G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (SSTRs), die in fünf Subtypen (SSTR1-5) unterteilt sind, und übt seine Wirkungen durch die Aktivierung dieser Rezeptoren aus.

Durch die Bindung an diese Rezeptoren inhibiert Somatostatin die Sekretion von Wachstumshormon (GH) aus der Hypophyse und Thyreotropin (TSH) aus dem Hypothalamus, was zu einer verminderten Wachstumsförderung und einer reduzierten Schilddrüsenhormonproduktion führt. Im Gastrointestinaltrakt verlangsamt Somatostatin die Magenentleerung, hemmt die Freisetzung von gastrointestinalen Hormonen wie Gastrin, Cholezystokinin und Sekretin und reduziert die Durchblutung im Splanchnikusgebiet. Diese Effekte tragen zur Kontrolle von Blutungen aus varikösen Venen und zur Reduktion der Säuresekretion bei.

Im Pankreas inhibiert Somatostatin die Sekretion von Insulin und Glukagon, was zu einer Modulation der Glukosehomöostase führt. Diese vielfältigen inhibitorischen Wirkungen von Somatostatin auf die Hormonsekretion und die gastrointestinale Aktivität machen es zu einem wichtigen regulatorischen Hormon und zu einem nützlichen therapeutischen Agens in der Behandlung von Zuständen, die mit einer übermäßigen Hormonsekretion und gastrointestinalen Störungen verbunden sind.

Dosierung

Empfohlene Dosierung

  • 3,5 μg Somatostatin pro kg Körpergewicht pro Stunde als kontinuierliche Dauerinfusion.
  • Sättigungsdosis: Eine einmalige Sättigungsdosis von 3,5 μg/kg (z.B. 250 μg für einen 75 kg schweren Patienten), gelöst in 1 ml steriler, isotonischer Natriumchloridlösung, langsam intravenös über 1 Minute injizieren.
  • Erhaltungsdosis: Fortführung der Therapie mit 3,5 μg/kg/Stunde als kontinuierliche intravenöse Dauerinfusion. International hat sich eine Dosierung von 250 μg/h etabliert, was allgemein 3 mg/12 Stunden bzw. 2 × 3 mg/24 Stunden entspricht.

Dosierung basierend auf Körpergewicht:

  • Für 50 kg: 170 μg/Stunde
  • Für 60 kg: 200 μg/Stunde
  • Für 70 kg: 250 μg/Stunde
  • Für 80 kg: 270 μg/Stunde

Für ein Körpergewicht von 70 – 75 kg und eine Infusionsdauer von 12 Stunden:

  • Perfusor: 3 mg Somatostatin in 36 ml steriler Natriumchloridlösung lösen und in eine 50 ml Perfusorspritze aufziehen. Perfusor auf 3 ml/Stunde (= 250 μg/Stunde) einstellen. Infusionswechsel nach 12 Stunden schnell durchführen.
  • Tropfeninfusion (intravenös): 3 mg Somatostatin in 480 ml steriler Natriumchloridlösung lösen. Tropfgeschwindigkeit so einstellen, dass 40 ml/Stunde (= 250 μg/Stunde) erreicht werden. Kontinuierliche Überwachung der Infusion erforderlich.

Dauer der Anwendung:

  • 50 – 60 Stunden bei Gastroduodenalulkusblutungen oder erosiver Gastritis. Nach Stillstand der Blutung zur Rezidivvermeidung 1 – 2 Tage weiterbehandeln.
  • 120 – 140 Stunden zur Prophylaxe von postoperativen pankreatischen Komplikationen, beginnend mit der Operation und fortgeführt über mindestens 5 Tage.
  • 5 – 14 Tage bei postoperativen Fisteln des Verdauungstraktes und des Pankreas. Kontinuität der Dauerinfusion ist für den Erfolg entscheidend. Behandlung über das Sistieren der Fistelsekretion hinaus fortsetzen, mit empfohlenem Ausschleichen der Dosierung.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Somatostatin gehören:

  • Gastrointestinale Störungen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung können auftreten, da Somatostatin die Sekretion und Motilität im Gastrointestinaltrakt beeinflusst.
  • Hyperglykämie: Da Somatostatin die Freisetzung von Insulin hemmt, kann es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels kommen.
  • Hypoglykämie: In einigen Fällen kann es auch zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels kommen, insbesondere wenn die Balance zwischen den hemmenden Effekten auf Insulin und Glukagon gestört ist.
  • Gallensteine: Langzeitbehandlungen mit Somatostatinanaloga können zur Bildung von Gallensteinen führen, da die Substanz die Gallenblasenfunktion beeinträchtigt.
  • Kardiovaskuläre Effekte: Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) und Hypotonie (niedriger Blutdruck) können als Reaktion auf die Verabreichung von Somatostatin oder seinen Analoga auftreten.
  • Lokale Reaktionen: An der Injektionsstelle können Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen auftreten.
  • Allergische Reaktionen: Obwohl selten, können allergische Reaktionen, einschließlich Anaphylaxie, auftreten.
  • Hautreaktionen: Hautausschlag und Juckreiz sind möglich.
  • Müdigkeit: Patienten können sich müde oder schwach fühlen.

Kontraindikationen

Somatostatin darf nicht angewendet werden bei:

  • Bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Arteriell spritzenden Blutungen (chirurgisch zu behandeln)

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Somatostatin zu beachten:

  • Wiederholungsbehandlungen: Die wiederholte Anwendung von Somatostatin sollte vermieden werden, um das Risiko einer Sensibilisierung zu minimieren.
  • Kinder und Jugendliche: Bei Personen unter 16 Jahren sollte Somatostatin nur nach sorgfältiger Abwägung angewendet werden, da spezifische Studien für diese Altersgruppe fehlen.
  • Infusionsdauer: Die Infusion von Somatostatin sollte möglichst nicht länger als 1 Minute unterbrochen werden, um die Wirksamkeit aufrechtzuerhalten.
  • Injektionsgeschwindigkeit: Die Injektion von Somatostatin sollte langsam erfolgen, um das Risiko von Nebenwirkungen zu reduzieren.
  • Blutzuckerüberwachung: Während der Behandlung ist eine regelmäßige Überprüfung des Blutzuckerspiegels erforderlich, da sowohl Hypoglykämie als auch Hyperglykämie auftreten können.
  • Diabetes mellitus: Bei insulinpflichtigen Diabetikern kann die Behandlung mit Somatostatin zu Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen. Eine Anpassung der Insulindosis kann notwendig sein.
  • Nierenfunktion und Elektrolythaushalt: Die Harnausscheidung und der Elektrolythaushalt sollten regelmäßig überwacht werden, da Somatostatin den Nierenplasmadurchfluss und das Urinvolumen beeinflussen kann.
  • Thrombozytenaggregation: Eine Beeinträchtigung der Thrombozytenaggregation kann auftreten, obwohl bisher keine Blutungskomplikationen berichtet wurden.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
1637.88 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
28.02.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Lyomark
  2. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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