Sparsentan
Sparsentan ist ein dualer Rezeptorantagonist, der sowohl den Angiotensin-II-Rezeptor als auch den Endothelin-Rezeptor blockiert und zur Behandlung von Erwachsenen mit primärer Immunglobulin-A-Nephropathie eingesetzt wird.
Sparsentan: Übersicht

Anwendung
Sparsentan (Filspari) wird bei der Behandlung von Erwachsenen mit primärer Immunglobulin-A-Nephropathie eingesetzt, die eine Proteinurie von mindestens 1,0 Gramm pro Tag aufweisen. Es hemmt die Aktivierung von Endothelin-Typ-A-Rezeptoren und Angiotensin-II-Rezeptoren Typ 1, die an der Progression von Immunglobulin-A-Nephropathie beteiligt sind. Diese Hemmung führt zu einer Reduktion der Proteinurie und einer Verlangsamung der Nierenerkrankung.
Anwendungsart
Filspari ist in Form von Tabletten der Stärken 200 und 400 mg auf dem deutschen Markt, die oral eingenommen werden. Die Tabletten sollten mit Wasser geschluckt werden, um einen bitteren Geschmack zu vermeiden. Filspari kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden.
Wirkmechanismus
Sparsentan ist ein dual wirkender Endothelin-Rezeptor-Antagonist und Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor (AT1-Rezeptor)-Antagonist. Es blockiert die Endothelin-1-Signalisierung, die eine Schlüsselrolle bei der Förderung von Entzündungen, Vasokonstriktion und Fibrose in den Nieren spielt. Gleichzeitig inhibiert es das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) durch Blockierung der Angiotensin-II-Rezeptoren, was zur Blutdrucksenkung und Reduktion von eiweißbedingten Schäden beiträgt. Diese duale Hemmung führt zu einer kombinierten antiinflammatorischen, antifibrotischen und antihypertensiven Wirkung, die potenziell die Progression der IgA-Nephropathie verlangsamen kann.
Dosierung
Allgemeine Dosierung
- Initialdosis: 200 mg einmal täglich für 14 Tage.
- Erhaltungsdosis: 400 mg einmal täglich, abhängig von der Verträglichkeit.
- Tabletten: 200 mg und 400 mg verfügbar.
Verträglichkeitsprobleme
- Anpassung: Bei systolischem Blutdruck ≤ 100 mmHg, diastolischem Blutdruck ≤ 60 mmHg, verschlechterndem Ödem oder Hyperkaliämie Dosisreduktion oder Absetzen erwägen.
Ausgelassene Dosis
- Vorgehen: Ausgelassene Dosis nicht nachholen, nächste Dosis regulär einnehmen.
Ältere Patienten
- Dosierung: Keine Anpassung; beginnen mit 200 mg täglich, Erhöhung auf 400 mg je nach Verträglichkeit.
Leberfunktionsstörung
- Leichte/mittelschwere Störung (Child-Pugh A/B): Keine Anpassung nötig, jedoch Vorsicht.
- Schwere Störung (Child-Pugh C): Nicht empfohlen.
- AST/ALT > 2 × ULN: Nicht empfohlen.
Niereninsuffizienz
- Leichte/mittelschwere Erkrankung (CKD-Stadien 2 und 3): Keine Anpassung erforderlich.
- Schwere Erkrankung (CKD-Stadium 4): Nicht empfohlen.
- Nierentransplantation/Dialyse: Anwendung nicht empfohlen.
Kinder und Jugendliche
- Sicherheit/Wirksamkeit: Nicht erwiesen für unter 18 Jahre; keine Daten verfügbar.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hypotonie (9%), Hyperkaliämie (7%), Schwindel (7%) und periphere Ödeme (5%). Schwerwiegende Nebenwirkungen umfassen akute Nierenschädigungen.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Sparsentan zu beachten:
- Angiotensin-Rezeptor-Blocker, Endothelin-Rezeptor-Antagonisten und Reninhemmer: Anwendung von Bosentan, Ambrisentan, Macitentan, Sitaxentan, Irbesartan, Losartan, Valsartan, Candesartan, Telmisartan oder Aliskiren ist kontraindiziert
- ACE- und Mineralkortikoid (Aldosteron)-Rezeptorhemmer: Erhöhtes Risiko einer Hyperkaliämie bei Kombination mit Spironolacton und Finerenon. Bei gleichzeitiger Anwendung von ACE-Hemmern wie Enalapril oder Lisinopril ist Vorsicht geboten und es sollten Blutdruck, Kaliumspiegel und Nierenfunktion überwacht werden.
- Kaliumpräparate und kaliumsparende Diuretika: Erhöhtes Risiko einer Hyperkaliämie. Nicht empfohlen in Kombination mit Kaliumpräparaten, kaliumsparenden Diuretika wie Spironolacton, Eplerenon, Triamteren oder Amilorid sowie kaliumhaltigen Salzersatzstoffen.
- Starke und mäßige CYP3A-Inhibitoren: Nicht kombinieren mit starken Inhibitoren wie Itraconazol, Boceprevir, Telaprevir, Clarithromycin, Indinavir, Lopinavir/Ritonavir, Nefazodon, Ritonavir sowie Grapefruit und Grapefruitsaft. Bei mäßigen Inhibitoren wie Ciclosporin, Conivaptan, Fluconazol und Nelfinavir ist Vorsicht geboten.
- CYP3A-Induktoren: Nicht kombinieren mit mäßigen oder starken Induktoren wie Rifampicin, Efavirenz, Dexamethason, Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital.
- Magensäurereduzierende Arzneimittel: Kein signifikanter Einfluss, Kombination möglich.
- Auswirkungen auf andere Arzneimittel: Vorsicht bei Kombination, keine signifikante Auswirkung auf P-gp, OATP1B1, OATP1B3, OAT3.
Kontraindikationen
Sparsentan darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, während der Schwangerschaft und bei gleichzeitiger Verabreichung von Angiotensin-Rezeptorblockern, Endothelin-Rezeptorantagonisten oder Reninhemmern.
Schwangerschaft
Es gibt keine oder nur sehr begrenzte Daten zur Anwendung von Sparsentan bei schwangeren Frauen. Studien an Tieren haben gezeigt, dass das Medikament reproduktionstoxische Wirkungen besitzt. Daher ist die Einnahme von Sparsentan während der Schwangerschaft kontraindiziert.
Stillzeit
Physikalisch-chemische Daten weisen darauf hin, dass Sparsentan in die Muttermilch übergehen könnte. Ein Risiko für Neugeborene und Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollte Sparsentan während der Stillzeit nicht angewendet werden.
Verkehrstüchtigkeit
Es gibt keine Studien über die Auswirkungen von Sparsentan auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Das Medikament kann jedoch Schwindel verursachen. Patienten, die Schwindel verspüren, sollten das Autofahren und das Bedienen von Maschinen vermeiden, bis die Symptome verschwinden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Sparsentan zu beachten:
- Frauen im gebärfähigen Alter: Die Behandlung darf nur begonnen werden, wenn sichergestellt ist, dass keine Schwangerschaft vorliegt und eine wirksame Empfängnisverhütung eingesetzt wird.
- Hypotonie: Filspari kann zu niedrigem Blutdruck führen, insbesondere bei älteren Patienten. Bei Risiko für niedrigen Blutdruck sollten andere Blutdrucksenker angepasst oder weggelassen werden. Bei anhaltend niedrigem Blutdruck sollte die Dosis reduziert oder die Behandlung unterbrochen werden.
- Eingeschränkte Nierenfunktion: Ein vorübergehender Anstieg des Serumkreatinins kann zu Beginn der Behandlung auftreten. Serumkreatinin- und Serumkaliumwerte sollten regelmäßig überwacht werden. Bei Patienten mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate unter 30 Milliliter pro Minute wird Filspari nicht empfohlen.
- Flüssigkeitsretention: Kann während der Behandlung auftreten. Eine Behandlung mit Diuretika oder eine Dosisanpassung kann erforderlich sein. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sollte Filspari nur mit Vorsicht angewendet werden.
- Leberfunktion: Erhöhungen der Leberenzyme ALT oder AST wurden beobachtet. Regelmäßige Überwachung der Leberwerte ist erforderlich. Bei klinisch signifikanten Erhöhungen sollten die Behandlung abgebrochen werden.
- Duale Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems: Die gleichzeitige Anwendung mit ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Rezeptorblockern oder Reninhemmern erhöht das Risiko für niedrigen Blutdruck, hohe Kaliumspiegel im Blut und Nierenfunktionsstörungen und sollte vermieden werden.
- Hyperkaliämie: Eine genaue Überwachung des Kaliumspiegels im Blut ist notwendig. Bei klinisch signifikanter Hyperkaliämie sollte die Medikation angepasst oder Filspari abgesetzt werden.
Wirkstoff-Informationen
- EMA: Fachinformation Filspari
- Heerspink, Hiddo JL, et al. "Sparsentan in patients with IgA nephropathy: a prespecified interim analysis from a randomised, double-blind, active-controlled clinical trial." The Lancet 401.10388 (2023): 1584-1594.
- Wyatt, R. J., & Julian, B. A. (2013). IgA Nephropathy. New England Journal of Medicine, 368(25), 2402-2414.
- Lai, K. N., Tang, S. C. W., Schena, F. P., Novak, J., Tomino, Y., Fogo, A. B., & Glassock, R. J. (2016). IgA nephropathy. Nature Reviews Disease Primers, 2, 16001.










