Spesolimab

Spesolimab ist ein monoklonaler Antikörper, der gezielt den Interleukin-36-Rezeptor (IL-36R) hemmt. Durch diese spezifische Blockade moduliert es entzündliche Prozesse und wird zur Behandlung von Schüben bei erwachsenen Patienten mit generalisierter pustulöser Psoriasis eingesetzt.

Anwendung

Spesolimab (Spevigo) wird zur Behandlung von Schüben bei erwachsenen Patienten mit generalisierter pustulöser Psoriasis (GPP) als Monotherapie eingesetzt.

Anwendungsart

Spesolimab ist nur zur intravenösen Infusion bestimmt und darf nicht als intravenöse Push- oder Bolusinjektion verabreicht werden. Nach der Verdünnung wird es als kontinuierliche intravenöse Infusion über einen Zeitraum von 90 Minuten verabreicht.

Wirkmechanismus

Spesolimab ist ein humanisierter monoklonaler Immunglobulin-G1 (IgG1) Antikörper, der spezifisch den IL36R-Signalweg antagonisiert. Durch seine Bindung an den IL36R-Rezeptor inhibiert Spesolimab die Aktivierung dieses Rezeptors durch seine natürlichen Liganden, nämlich IL36 α, β und γ. Dies unterbindet die nachfolgende Signaltransduktion, die sonst proinflammatorische Signalwege aktivieren würde. Das Ergebnis dieser Interaktion ist eine Reduktion der Entzündungsreaktionen, die durch den IL36R-Signalweg vermittelt werden.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Da Spesolimab intravenös verabreicht wird, ist die Resorption nicht relevant, da das Medikament direkt in den Blutkreislauf gelangt.

Verteilung

  • Das typische Verteilungsvolumen im Steady-State beträgt 6,4 l.

Metabolisierung

  • Der genaue Stoffwechselweg von Spesolimab wurde nicht charakterisiert.
  • Da Spesolimab ein humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper ist, wird erwartet, dass er ähnlich wie endogenes IgG über katabolische Wege in kleine Peptide und Aminosäuren abgebaut wird.

Elimination

  • Im linearen Dosisbereich (0,3–20 mg/kg) beträgt die Spesolimab-Clearance bei einem typischen ADA-negativen GPP-Patienten mit einem Körpergewicht von 70 kg 0,184 l/Tag.
  • Die terminale Halbwertszeit von Spesolimab beträgt 25,5 Tage.
  • Es wurde festgestellt, dass die Clearance von Spesolimab bei einigen Patienten mit ADA-Titerwerten > 4 000 erhöht war.

Dosierung

Die empfohlene Dosis beträgt 900 mg als Einmalgabe, verabreicht als intravenöse Infusion. Bei anhaltenden Schubsymptomen kann eine Woche nach der Erstgabe eine weitere Dosis von 900 mg verabreicht werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Spesolimab, die in klinischen Studien berichtet wurden, sind:

  • Infektionen: Diese traten bei 17,1% der mit Spesolimab behandelten Patienten auf. Besonders hervorzuheben ist eine als schwerwiegend gemeldete Harnwegsinfektion bei einem Patienten (2,9%). Die meisten gemeldeten Infektionen waren Infektionen der Harnwege und Infektionen der oberen Atemwege
  • Reaktionen an der Injektionsstelle: Dazu gehören Symptome wie Rötung, Schwellung, Verhärtung, Wärme oder Schmerz an der Injektionsstelle
  • Pruritus (Juckreiz)
  • Ermüdung

Wechselwirkungen

  • Es wurden keine spezifischen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit Spesolimab durchgeführt.
  • Es wird nicht erwartet, dass Spesolimab zytokinvermittelte CYP-Wechselwirkungen verursacht.
  • Lebendimpfstoffe sollten nicht gleichzeitig mit Spesolimab verabreicht werden.
  • Es gibt nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Spesolimab in Kombination mit Immunsuppressiva bei Patienten mit GPP.

Kontraindikationen

Spesolimab darf nicht angewendet werden bei:

  • Schwerwiegender oder lebensbedrohender Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Klinisch bedeutsamer aktiver Infektion (z. B. aktive Tuberkulose)

Schwangerschaft

Es gibt nur begrenzte Daten zur Anwendung von Spesolimab bei Schwangeren. Nichtklinische Studien haben keine Hinweise auf eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Dennoch sollte Spesolimab während der Schwangerschaft nur dann angewendet werden, wenn es klinisch notwendig ist und der potenzielle Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus überwiegt. Es ist bekannt, dass menschliche Immunglobuline die Plazentaschranke überwinden können.

Stillzeit

Es ist nicht sicher bekannt, ob Spesolimab in die Muttermilch übergeht. Es ist jedoch bekannt, dass menschliche Immunglobuline (IgG) in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch ausgeschieden werden können. Daher besteht in dieser kurzen Phase ein potenzielles Risiko für das gestillte Kind.

Verkehrstüchtigkeit

Spesolimab hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

  • Rückverfolgbarkeit: Die Bezeichnung und Chargennummer von Spesolimab sollten für eine klare Rückverfolgbarkeit dokumentiert werden.
  • Infektionsrisiko: Spesolimab kann das Infektionsrisiko erhöhen, daher sollte bei Patienten mit chronischen oder wiederkehrenden Infektionen Vorsicht geboten sein.
  • Beginn der Behandlung: Bei Patienten mit aktiven, klinisch bedeutsamen Infektionen sollte die Behandlung mit Spesolimab nicht begonnen werden, bis die Infektion abgeklungen ist.
  • Beratung der Patienten: Patienten sollten darauf hingewiesen werden, bei Anzeichen einer Infektion nach der Behandlung einen Arzt aufzusuchen.

Alternativen

Siehe Psoriasis-Therapie

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Stand:
24.08.2023
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