Sulproston
Der Wirkstoff Sulproston ist ein Prostaglandin-E2-Derivat, welches Anwendung zur Vorbereitung auf eine instrumentelle Ausräumung des Uterus, zur Geburtseinleitung bei intrauterinem Fruchttod und zur Behandlung postpartaler atonischer Blutungen findet.
Sulproston: Übersicht

Anwendung
Der Wirkstoff Sulproston ist ein Prostaglandin-E2-Derivat, welches in der Therapie folgender Indikationen Anwendung findet:
- Vorbereitung einer instrumentellen Ausräumung des Uterus zur Abortinduktion bei intakter Schwangerschaft, Missed abortion sowie Blasenmole
- Geburtseinleitung bei intrauterinem Fruchttod
- Behandlung postpartaler atonischer Blutungen
Sulproston sollte ausschließlich von erfahrenen Gynäkologen in klinischen Einrichtungen eingesetzt werden, die über moderne Überwachungssysteme für Herz- und Kreislauffunktionen sowie Intensivpflegeeinrichtungen verfügen.
Anwendungsart
Sulproston sollte ausschließlich intravenös verabreicht werden. Zur Vermeidung hoher Plasmaspiegel bei der intravenösen Infusion wird die Verwendung eines Infusionsgeräts, z. B. eines Infusomaten oder Perfusors, zur präzisen Steuerung und Überwachung empfohlen.
Kinder und Jugendliche: Sulproston ist nicht für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen vor der Menarche vorgesehen. Zudem fehlen systematische klinische Studien zur Anwendung des Medikaments bei Patientinnen unter 18 Jahren.
Wirkmechanismus
Sulproston ist ein synthetisches Prostaglandin-E2-Derivat, das vorrangig die glatte Muskulatur beeinflusst. Es wirkt primär auf den Uterus, indem es dessen Muskulatur stimuliert, was eine Kontraktion des Corpus uteri und eine Verengung der uterinen Gefäße bewirkt. Dies führt wiederum zu einer schonenden Ablösung der Plazenta und zur Ausstoßung der Frucht. Unterstützend für diesen Vorgang bewirkt Sulproston ein „Softening“ des Cervix uteri, wodurch es zu einer langsamen Dilatation des Zervixkanals kommt.
Daneben hat Sulproston auch einen Einfluss auf andere glattmuskuläre Systeme wie Darm, Blutgefäße und Atemwege, allerdings in einem geringeren Ausmaß. Zusätzlich hemmt Sulproston die Freisetzung adrenerger Transmitter, was vor allem Einfluss auf die Herzfunktion hat.
Pharmakokinetik
Resorption
- Sulproston weist nach intravenöser Verabreichung eine vollständige biologische Verfügbarkeit auf.
Verteilung
- Die Plasmakonzentration von Sulproston während der intravenösen Infusion hängt von der verabreichten Dosis pro Zeiteinheit ab.
- Die maximale Plasmakonzentration erreicht am Ende einer 10-stündigen Infusion, bei einer Rate von 100 μg pro Stunde, 0,3 nmol/l (entspricht 140 ng).
- Nach der Infusion sinkt die Konzentration schnell und liegt nach zwei Stunden unter der Nachweisgrenze.
- Die Bindung von Sulproston an Albumine beträgt 20-30%.
Metabolismus (Biotransformation)
- Hauptsächlich wird Sulproston in der Leber in seine Metaboliten umgewandelt.
Elimination
- Sulproston wird primär in Form von Metaboliten ausgeschieden, wobei etwa 85% der Dosis über die Nieren und der Rest über die Galle eliminiert wird.
- Mehr als 75% der verabreichten Substanz werden innerhalb von sechs Stunden mit einer Halbwertszeit von weniger als 2 Stunden eliminiert, die verbleibenden 25% haben eine Halbwertszeit von etwa 20 Stunden.
Dosierung
Basiseinheit
- 1 Ampulle enthält 500 µg Sulproston
Abortinduktion und Geburtseinleitung bei intrauterinem Fruchttod:
- Anfangsdosis: Initiale Applikation mit 100 µg pro Stunde.
- Steigerung der Dosis: Falls die gewünschte Wirkung nicht erreicht wird, kann die Dosis gesteigert werden.
- Maximale Dosis: 500 µg pro Stunde.
- Maximale Infusionsgeschwindigkeit: Es sollte auf keinen Fall die maximale Infusionsgeschwindigkeit überschritten werden, da bei höheren Serumkonzentrationen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen besteht.
- Maximale Infusionsdauer: Die Applikation soll einen Zeitraum von 10 Stunden nicht überschreiten.
- Maximale Gesamtdosis: 1500 µg über 24 Stunden. Eine Wiederholung der Infusion ist 12 – 24 Stunden nach Applikationsende möglich, falls das Therapieziel nicht erreicht wurde.
- Überwachung: Ständige Überwachung während der Infusion ist erforderlich.
Postpartale atonische Blutung:
- Anfangsdosis: Initiale Applikation mit 100 µg pro Stunde.
- Steigerung der Dosis: Wenn die Blutung nicht innerhalb weniger Minuten deutlich abnimmt, sollte eine Steigerung der Dosis vorgenommen werden.
- Maximale Dosis: 500 µg pro Stunde.
- Erhaltungsdosis: 100 µg pro Stunde. Nach Erreichen der therapeutischen Wirkung sollte die Infusionsgeschwindigkeit auf die Erhaltungsdosis herabgesetzt werden.
- Maximale Gesamtdosis: 1500 µg über 24 Stunden.
- Notfallmaßnahmen: Sollte die Blutung nicht kontrollierbar sein, sind andere medizinische Maßnahmen zu ergreifen.
Überdosierung
Folgende Symptome können bei einer Intoxikation mit Sulproson auftreten:
- Atemwegsprobleme: Diese können durch Bronchokonstriktion und ein potenzielles Lungenödem gekennzeichnet sein.
- Herz-Kreislauf-Probleme: Bradykardie und Blutdruckveränderungen sind mögliche Symptome.
- Überstimulierung des Uterus: Dies kann zu einem Zustand führen, der als Tetanus uteri bekannt ist.
- Anzeichen von Sauerstoffmangel: Zyanose und Dyspnoe können auf ein sich entwickelndes Lungenödem hinweisen.
Therapie der Intoxikation
- Intensivmedizinische Betreuung: Insbesondere bei Symptomen wie Bronchokonstriktion, Bradykardie, Blutdruckabfall und Anzeichen eines beginnenden Lungenödems.
- Abwägung der Medikation: Die Anwendung von β-adrenergen Sympathomimetika kann hilfreich sein, jedoch ist Vorsicht geboten, da diese das Risiko eines Lungenödems bei Schwangeren erhöhen können. Der therapeutische Nutzen und die Risiken müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
Nebenwirkungen
Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Sulproston auftreten können, zählen:
- Übelkeit und Erbrechen
- Verminderter Blutdruck
- Gastrospasmus und Durchfall
- Fieber
Gelegentliche bis seltene Nebenwirkungen, die potenziell unter Sulproston auftreten können, umfassen:
- Uterusruptur
- Schläfrigkeit und Kopfschmerzen
- Bradykardie
- Lungenödem, Bronchokonstriktion und Erhöhung des pulmonar-arteriellen Drucks
- Spasmen der Koronararterien und Myokardischämie
- Vorübergehendes Wasser- und Elektrolytungleichgewicht
- Überempfindlichkeitsreaktionen, z. B. Urtikaria und allergischer Schock
- Bluthochdruck
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Sulproston zu beachten:
- Kombination mit Methylergometrin oder ähnlichen Ergotaminderivaten: Die gleichzeitige Verwendung von Sulproston mit Methylergometrin oder ähnlichen Ergotaminderivaten kann das Risiko für koronare Vasokonstriktion erhöhen, was zu lebensbedrohlichen oder tödlichen myokardialen Ischämien führen kann.
- Vermeidung von Oxytocin: Sulproston sollte nicht zusammen mit Oxytocin verwendet werden, außer bei postpartalen atonischen Blutungen, da dies zur Überstimulation des Uterus führen kann.
- Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAIDs): Die gleichzeitige Anwendung von NSAIDs kann die Wirkungen von Sulproston verringern und sollte daher vermieden werden.
- Lokal applizierbare Prostaglandine: Die Anwendung von lokal applizierbaren Prostaglandinen in Kombination oder vor der Behandlung mit Sulproston ist klinisch nicht geprüft und aufgrund potenzieller Summationseffekte nicht empfohlen.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Sulproston ist kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff
- Bronchialasthma und spastischer Bronchitis
- Einem Vorgeschädigten Herz, auch ohne Dekompensationszeichen
- Gefäßerkrankungen in der Anamnese, insbesondere der Koronargefäße
- Schwerer Hypertonie
- Schweren Leberfunktionsstörungen sowie Nierenfunktionsstörungen
- Verlangsamter Ausscheidung von PVP bei sonstigen Nierenfunktionsstörungen
- Dekompensiertem Diabetes mellitus
- Zerebralem Krampfleiden
- Glaukom
- Thyreotoxikose
- Akuten gynäkologischen Infektionen
- Colitis ulcerosa
- Akuten Ulcus ventriculi
- Sichelzellenanämie sowie Thalassämie
- Rheumatische Erkrankungen (wie chronische Polyarthritis)
- Allgemeinen schweren Krankheiten
- Vorausgegangenen Uterusoperationen
Zudem ist eine Geburtseinleitung bei einem lebensfähigen Kind kontraindiziert, aufgrund möglicher nachteiliger Wirkungen auf die Frucht durch synthetische Prostaglandine wie Sulproston.
Schwangerschaft
Die Anwendung von Sulproston führt zwangsläufig zu einem Schwangerschaftsabbruch, da das Risiko von Föten-Schädigungen besteht. Wegen möglicher Schäden am Embryo ist im Anschluss an eine Behandlung mit diesem Wirkstoff stets eine Kürettage erforderlich. Dies gilt selbst dann, wenn es scheint, dass die Schwangerschaft bereits vollständig abgebrochen wurde.
Stillzeit
Es gibt keine Daten, die Auskunft geben könnten, ob Sulproston in die Muttermilch übertritt.
Verkehrstüchtigkeit
Sulproston hat keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit sowie die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Sulproston zu beachten:
- Behandlungsende: Jede Behandlung mit Sulproston muss zu einer Beendigung der Schwangerschaft führen, da Schädigungen des Fötus wahrscheinlich sind. Eine Kürettage ist nach der Anwendung erforderlich, auch wenn es den Anschein hat, dass der Abort vollständig war.
- Medizinische Überwachung: Sulproston sollte nur unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktionen angewendet werden, insbesondere bei Patientinnen mit kardiovaskulären Risikofaktoren.
- Applikationsmethode: Die Infusion muss intravenös erfolgen; eine intraarterielle Anwendung ist wegen der Gefahr von Arteriitis und Nekrose zu vermeiden. Intrazervikale oder intramyometriale Injektionen sind nicht zulässig, da sie zu einem schnellen Anstieg des Plasmaspiegels führen können.
- Herz-Kreislauf-Risiken: Selten wurden Bradykardien und/oder Blutdruckabfall beobachtet. Es wurden auch Fälle von Bluthochdruck und schwerwiegenden kardiovaskulären Reaktionen berichtet, insbesondere bei Überschreitung der empfohlenen Infusionsgeschwindigkeit.
- Risiko von Herzinfarkten und anderen Herzproblemen: In seltenen Fällen können Myokardischämien auftreten, die zu Herzinfarkt, lebensbedrohlichen Herzarrhythmien, Schockzuständen und sogar zum Tod führen können.
- Atemwegsreaktionen: Bei prädisponierten Patienten können bronchokonstriktorische Reaktionen auftreten.
- Nierenfunktion: Vorübergehende Störungen der Wasser- und Elektrolytausscheidung können als Folge einer reversiblen Beeinflussung der Nierenfunktion auftreten.
- Uterusrisiken: Die Sensibilität des Myometriums auf Prostaglandine steigt mit der Schwangerschaftsdauer; es sind vereinzelt Fälle von Uterusrupturen berichtet worden.
Alternativen
Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen weitere Wirkstoffe als Alternative in Frage:
Wirkstoff-Informationen
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
- Fachinformationen des Sulproston-Herstellers Jenapharm (Jenapharm Nalador – 500)










