Teclistamab

Teclistamab (Tecvayli) ist ein bispezifischer Antikörper für die Behandlung von rezidiviertem und refraktärem multiplem Myelom, der indiziert ist für erwachsene Patienten, die bereits mindestens drei Therapien erhalten und eine Krankheitsprogression gezeigt haben.

Teclistamab

Anwendung

Teclistamab (Tecvayli) ist ein humanisierter bispezifischer Antikörper, der gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) und CD3-Rezeptoren gerichtet ist. Es wird mit Hilfe rekombinanter DNA-Technologie in einer Säugetierzelllinie hergestellt.

Das Medikament wird als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem und refraktärem multiplem Myelom eingesetzt, die zuvor bereits mindestens drei Therapien erhalten haben, darunter einen immunmodulatorischen Wirkstoff, einen Proteasom-Inhibitor, und einen Anti-CD38-Antikörper, und während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression gezeigt haben.

Anwendungsart

Die Behandlung mit Tecvayli sollte nur von Ärzten mit Erfahrung in der Behandlung des multiplen Myeloms eingeleitet und überwacht werden. Der Antikörper wird subkutan in die Bauchgegend (Abdomen) oder in den Oberschenkel injiziert.

Das Arzneimittel ist als 3-ml-Durchstechflasche mit 30 mg Teclistamab (10 mg/ml) und als 1,7-ml-Durchstechflasche mit 153 mg Teclistamab (90 mg/ml) erhältlich.

Wirkmechanismus

Teclistamab ist ein bispezifischer Antikörper, der gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) und die CD3-Rezeptoren gerichtet ist, um das Wachstum von Krebszellen zu hemmen. Teclistamab wurde also so konzipiert wurde, dass es simultan zwei kritische Moleküle im Immunsystem und in der Tumorphysiologie adressiert:

  • B-Zell-Reifungsantigen (BCMA): BCMA ist ein transmembranes Rezeptorprotein, das überwiegend auf der Oberfläche von B-Zellen und insbesondere auf malignen Plasmazellen des multiplen Myeloms exprimiert wird. Es spielt eine zentrale Rolle in der Zellproliferation und Überlebenssignalen dieser malignen Zellen.
  • Cluster of Differentiation 3 (CD3): CD3 ist ein kritischer Ko-Rezeptor auf T-Zellen, der für die T-Zell-Aktivierung und -Signalgebung essentiell ist.

Durch die Bindung von Teclistamab an BCMA und CD3 wird eine Verbindung zwischen der malignen Zelle und der zytotoxischen T-Zelle hergestellt. Dies fördert die T-Zell-Aktivierung und die anschließende zytotoxische Eliminierung der Zielzelle. Das Ergebnis ist eine potente und gezielte Immunantwort gegen die malignen Plasmazellen, die das multiple Myelom charakterisieren.

Teclistamab

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nahezu dosisproportionale Pharmakokinetik nach subkutaner Verabreichung im Bereich von 0,08 mg/kg bis 3 mg/kg.
  • Durchschnittliche Bioverfügbarkeit nach subkutaner Gabe: 69 % im Vergleich zur intravenösen Verabreichung.

Verteilung

  • Durchschnittliches Verteilungsvolumen: 4,13 l für das zentrale und 1,34 l für das periphere Kompartiment.

Elimination

  • Durchschnittliche konstante Clearance: 0,449 l/Tag.
  • Halbwertszeit nach erster intravenöser Dosis: 3,8 Tage, mit einigen Werten bis zu 8,8 Tagen.

Zusätzliche Informationen

  • Alter und Geschlecht beeinflussen die Pharmakokinetik von Teclistamab nicht signifikant.
  • Keine spezifischen Studien bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, aber leichte Störungen scheinen die Pharmakokinetik nicht wesentlich zu beeinflussen.

Dosierung

Die empfohlene Dosis von Tecvayli beträgt nach einer stufenweisen Erhöhung der Dosis von 0,06 mg/kg auf 0,3 mg/kg schließlich 1,5 mg/kg durch subkutane Injektion pro Woche.

  • Erste Dosis: 0,06 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
  • Zweite Dosis: 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht, 2 bis 7 Tage nach der ersten Dosis.
  • Erhaltungsdosis: 1,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht, 2 bis 7 Tage nach der zweiten Dosis.
  • Weitere Behandlung: Die Erhaltungsdosis wird wöchentlich verabreicht, solange der Patient von Tecvayli profitiert.
  • Überwachung: Nach den ersten drei Dosen wird der Patient über einen Zeitraum von 2 Tagen täglich auf Nebenwirkungen überwacht. Es wird empfohlen, sich in der Nähe einer medizinischen Einrichtung aufzuhalten.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen aller Grade, die in klinischen Studien beobachtet wurden, waren:

  • Immunsystem-Störungen (z.B. Hypogammaglobulinämie, Lymphopenie)
  • Blutbild-Störungen (z.B. Neutropenie, Anämie, Thrombozytopenie)
  • Atemwegsinfektionen und -beschwerden (z.B. Infektion der oberen Atemwege, Pneumonie, Husten)
  • Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Diarrhoe, Übelkeit, Obstipation)
  • Schmerzen und Beschwerden des Muskel- und Skelettsystems
  • Allgemeine Beschwerden (z.B. Fatigue, Fieber, Reaktion an der Injektionsstelle)

Folgende schwerwiegende Nebenwirkungen wurden berichtet:

  • Schwere Infektionen (z.B. Pneumonie, COVID-19, Sepsis)
  • Immunreaktionen (z.B. Zytokin-Freisetzungssyndrom)
  • Organbeeinträchtigungen (z.B. Nierenschädigung, Enzephalopathie)
  • Weitere ernste Beschwerden (z.B. Hypoxie, febrile Neutropenie)

Wechselwirkungen

Bislang wurden keine spezifischen Studien durchgeführt, um potenzielle Wechselwirkungen von Tecvayli mit anderen Arzneimitteln systematisch zu untersuchen. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass die initiale Zytokinfreisetzung, die im Zuge der Tecvayli-Behandlung auftritt, das Potenzial hat, die Aktivität von CYP450-Enzymen zu hemmen.

Das Risiko für solche Wechselwirkungen scheint insbesondere zu Beginn der stufenweisen Dosierung von Tecvayli und bis zu einer Woche nach Verabreichung der ersten Erhaltungsdosis am höchsten zu sein. Dies gilt ebenso für Zeiträume, in denen Patienten ein Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) erleben.

Es ist daher von besonderer Bedeutung, Patienten, die parallel Substrate des CYP450-Systems mit einem engen therapeutischen Fenster einnehmen, engmaschig zu überwachen. Hierbei sollte insbesondere auf Anzeichen von Toxizität oder eine Akkumulation des Begleitmedikaments geachtet werden, wie es beispielsweise bei Ciclosporin der Fall sein könnte. Je nach Beobachtung kann eine Dosisanpassung der Begleitmedikation notwendig werden.

Kontraindikationen

Teclistamab darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels.

Schwangerschaft

Bislang gibt es keine Daten zur Wirkung von Teclistamab bei Schwangeren. Bekannt ist, dass menschliche IgG-Antikörper nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel die Plazenta passieren können. Da Teclistamab ein Antikörper auf IgG4-Basis ist, könnte er zum Fötus gelangen. Daher wird von der Anwendung von Teclistamab während der Schwangerschaft abgeraten. Zudem kann Teclistamab den Immunglobulinspiegel senken, weshalb bei Neugeborenen von behandelten Müttern eine Überprüfung in Erwägung gezogen werden sollte.

Stillzeit

Es ist unklar, ob Teclistamab in die Muttermilch gelangt. Auch die Auswirkungen auf gestillte Babys oder die Milchproduktion sind unbekannt. Aufgrund des Risikos ernster Nebenwirkungen bei gestillten Neugeborenen sollten Mütter darauf hingewiesen werden, während und mindestens drei Monate nach der letzten Teclistamab-Dosis nicht zu stillen.

Verkehrstüchtigkeit

Teclistamab kann die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, erheblich beeinträchtigen. Durch das Potenzial, ICANS (Immune Effector Cell-Associated Neurotoxicity Syndrome) auszulösen, besteht bei Patienten, die Teclistamab einnehmen, die Gefahr von Bewusstseinsstörungen. Daher sollten Patienten angewiesen werden, während und bis 48 Stunden nach Abschluss des Teclistamab Step-up Dosierungsschemas sowie bei erstmaligem Auftreten bestimmter neurologischer Symptome kein Auto zu fahren und keine schweren oder potenziell gefährlichen Maschinen zu bedienen.

Anwendungshinweise

Vor jeder Dosis von Teclistamab sind Arzneimittel zur Vorbehandlung anzuwenden. Es wird empfohlen, eine antivirale Prophylaxe zur Prävention einer Herpes-zoster-Virusreaktivierung vor Beginn der Behandlung in Betracht zu ziehen.

Alternativen

Siehe Therapie Multiples Myelom

Autor:
Stand:
12.09.2023
Quelle:
  1. Fachinformation Tecvayli
  2. Moreau, Philippe, et al. "Teclistamab in relapsed or refractory multiple myeloma." New England Journal of Medicine 387.6 (2022): 495-505.
  3. Moreau, Philippe, et al. "Updated results from MajesTEC-1: phase 1/2 study of teclistamab, a B-cell maturation antigen x CD3 bispecific antibody, in relapsed/refractory multiple myeloma." Blood 138 (2021): 896.
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