Teicoplanin

Teicoplanin ist ein Glykopeptid-Antibiotikum, das die bakterielle Zellwandsynthese hemmt und besonders wirksam gegen grampositive Bakterien ist, einschließlich MRSA und Enterokokken. Teicoplanin findet Anwendung bei schweren Infektionen wie Endokarditis, Osteomyelitis und komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen.

Anwendung

Teicoplanin ist bei Erwachsenen und Kindern ab der Geburt indiziert zur parenteralen Behandlung von:

  • Komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen
  • Knochen- und Gelenkinfektionen
  • Nosokomialen Pneumonien
  • Ambulant erworbenen Pneumonien
  • Komplizierten Harnwegsinfektionen
  • Infektiöser Endokarditis
  • Peritonitis, assoziiert mit kontinuierlicher ambulanter Peritonealdialyse (CAPD)
  • Bakteriämie, die im Rahmen einer der oben aufgelisteten Indikationen auftritt

Zur oralen Anwendung ist Teicoplanin zudem als Alternativbehandlung von durch Infektion mit Clostridioides difficile verursachter Diarrhö und Kolitis indiziert.

Wirkmechanismus

Das Glykopeptid-Antibiotikum Teicoplanin wirkt durch gezielte Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese. Es bindet spezifisch an die D-Alanyl-D-Alanin-Enden der Peptidoglykan-Vorläufermoleküle, die essenziell für den Aufbau der Zellwand sind. Diese Bindung verhindert die Transglykosylierung und Transpeptidierung, zwei Schlüsselschritte in der Quervernetzung des Peptidoglykans, was zu einer schwachen Zellwand und letztendlich zum Zelltod führt.

Teicoplanin ist hauptsächlich gegen grampositive Bakterien wirksam, darunter resistente Stämme wie Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE).

Pharmakokinetik

Resorption

  • Teicoplanin wird parenteral verabreicht und zeigt nach intramuskulärer Gabe eine nahezu vollständige Bioverfügbarkeit (90 %).
  • Nach intramuskulärer Gabe von 200 mg erreicht die maximale Serumkonzentration 12,1 mg/l nach 2 Stunden.
  • Nach intravenöser Initialdosis von 6 mg/kg oder 12 mg/kg erreichen die Serumkonzentrationen Spitzenwerte von 60-70 mg/l bzw. 100 mg/l.
  • Orale Gabe führt zu keiner Resorption, Teicoplanin wird unverändert in den Fäzes ausgeschieden.

Verteilung

  • Bindet zu 87,6 - 90,8 % an menschliche Serumproteine, überwiegend an Serum-Albumin.
  • Verteilt sich hauptsächlich in Lunge, Myokard und Knochen, nicht in rote Blutkörperchen und schlecht in die Zerebrospinalflüssigkeit.

Biotransformation

  • Geringer Metabolismus, mit der Bildung von zwei geringfügigen Metaboliten durch Hydroxylierung.

Elimination

  • Hauptsächlich renale Ausscheidung (80 % unverändertes Teicoplanin innerhalb von 16 Tagen).
  • Lange Eliminationshalbwertszeit von 100 bis 170 Stunden.

Linearität

  • Lineare Pharmakokinetik im Dosisbereich von 2 – 25 mg/kg.

Dosierung

Die Dosierung und Anwendung von Teicoplanin sollten individuell anhand der Art und Schwere der Infektion sowie des Patientenansprechens auf die Therapie und unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter und Nierenfunktion des Patienten angepasst werden.

Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen, Pneumonie, komplizierte Harnwegsinfektionen

  • Startdosis: 6 mg/kg Körpergewicht alle 12 Stunden für 3 Anwendungen.
  • Erhaltungsdosis: 6 mg/kg Körpergewicht einmal täglich.

Knochen- und Gelenkinfektionen

  • Startdosis: 12 mg/kg Körpergewicht alle 12 Stunden für 3 bis 5 Anwendungen.
  • Erhaltungsdosis: 12 mg/kg Körpergewicht einmal täglich.

Infektiöse Endokarditis

  • Startdosis: 12 mg/kg Körpergewicht alle 12 Stunden für 3 bis 5 Anwendungen.
  • Erhaltungsdosis: 12 mg/kg Körpergewicht einmal täglich.

Bestimmung der Serumkonzentration

  • Die Überwachung der Teicoplanin-Serumkonzentrationen ist wichtig, um sicherzustellen, dass effektive Mindesttalspiegel erreicht werden.
  • Bei den meisten grampositiven Infektionen sollten die Talspiegel von Teicoplanin mindestens 10 mg/l (mittels HPLC gemessen) oder mindestens 15 mg/l (mittels FPIA gemessen) betragen.
  • Bei schweren Infektionen wie Endokarditis sollten die Talspiegel 15 – 30 mg/l (mittels HPLC) oder 30 – 40 mg/l (mittels FPIA) betragen.
  • Während der Erhaltungsphase sollte das Monitoring mindestens wöchentlich fortgeführt werden, um stabile Serumkonzentrationen zu gewährleisten.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Teicoplanin umfassen:

  • Exanthem
  • Erythem (Rötung)
  • Juckreiz
  • Schmerzen
  • Fieber

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Teicoplanin sind folgende Wechselwirkungen und Einschränkungen zu beachten:

  • Keine spezifischen Wechselwirkungsstudien: Es wurden keine speziellen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln durchgeführt.
  • Inkompatibilität mit Aminoglykosiden: Teicoplanin-Lösungen sind nicht kompatibel mit Aminoglykosid-Lösungen und sollten nicht für Injektionszwecke gemischt werden.
  • Hämodialyse: Teicoplanin wird nicht durch Hämodialyse eliminiert.
  • Einsatz bei CAPD (kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse): Nach einer initialen Dosis wird Teicoplanin in der Dialyseflüssigkeit dosiert, beginnend mit 20 mg/l in der ersten Woche, dann 20 mg/l in jedem zweiten Beutel in der zweiten Woche und 20 mg/l im nächtlichen Beutel in der dritten Woche. Es ist kompatibel in Dialyseflüssigkeiten für die Behandlung von CAPD-bedingter Peritonitis.
  • Vorsicht bei Kombination mit nephrotoxischen und/oder neuro-/ototoxischen Arzneimitteln: Bei gleichzeitiger oder anschließender Anwendung von Medikamenten mit nephrotoxischem oder ototoxischem Potenzial, wie Aminoglykosiden, Colistin, Amphotericin B, Ciclosporin, Cisplatin, Furosemid und Etacrynsäure, ist Vorsicht geboten, obwohl ein synergistischer toxischer Effekt nicht nachgewiesen wurde.
  • Weitere Medikamente: In klinischen Studien wurde Teicoplanin zusammen mit verschiedenen anderen Arzneimitteln wie Antibiotika, Antihypertensiva, Anästhetika, Herzmedikamenten und Antidiabetika verabreicht, ohne dass Wechselwirkungen beobachtet wurden.

Kontraindikationen

Teicoplanin darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff angewendet werden.

Schwangerschaft

Die Datenlage zur Anwendung von Teicoplanin in der Schwangerschaft ist begrenzt. In Tierstudien wurden bei hohen Dosen Reproduktionstoxizität, wie vermehrte Totgeburten und neonatale Mortalität bei Ratten, beobachtet. Das Risiko für Menschen ist jedoch unklar. Daher sollte Teicoplanin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Zudem kann ein potentielles Risiko für Schädigungen des Innenohrs und der Nieren des Fötus nicht ausgeschlossen werden.

Stillzeit

Es ist unklar, ob Teicoplanin in die Muttermilch beim Menschen übergeht, da sowohl beim Menschen als auch bei Tieren dazu keine Informationen vorliegen. Bei der Entscheidung, ob während der Behandlung mit Teicoplanin weitergestillt werden soll, müssen der Wert der Muttermilch für das Kind und der Nutzen der Therapie für die Mutter abgewogen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Teicoplanin kann Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Kopfschmerzen verursachen, die die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen können. Patienten, die diese Symptome erleben, sollten vom Fahren oder Bedienen von Maschinen absehen.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Teicoplanin sind folgende besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Nicht intraventrikulär anwenden: Teicoplanin sollte nicht intraventrikulär verabreicht werden.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei allergischen Reaktionen, einschließlich anaphylaktischem Schock, muss die Behandlung sofort abgebrochen und Notfallmaßnahmen eingeleitet werden. Vorsicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Vancomycin.
  • Infusionsbedingte Reaktionen: Das „Red-Man-Syndrom“ kann auftreten. Infusionsgeschwindigkeit reduzieren oder Anwendung abbrechen.
  • Schwere bullöse Reaktionen: Schwere Hautreaktionen wie SJS, TEN und DRESS wurden berichtet. Bei Verdacht auf schwere Hautreaktionen sollte Teicoplanin abgesetzt werden.
  • Antibakterielles Wirkspektrum: Beschränkt auf Gram-positive Erreger. Teicoplanin sollte nur bei nachgewiesener Empfindlichkeit des Erregers oder begründetem Verdacht eingesetzt werden.
  • Thrombozytopenie: Unter Teicoplanin-Anwendung wurde Thrombozytopenie berichtet. Regelmäßige Blutbildkontrollen werden empfohlen.
  • Nephrotoxizität: Nierenfunktion überwachen, insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen nephrotoxischen Medikamenten.
  • Ototoxizität: Überwachung auf Anzeichen von Hörverlust, insbesondere bei längerer Anwendung oder bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.
  • Superinfektion: Bei längerer Anwendung kann es zur Vermehrung nicht empfindlicher Mikroorganismen kommen. Folgeinfektionen entsprechend behandeln.

Alternativen

Für die Behandlung von Infektionen, bei denen Teicoplanin eingesetzt wird, kommen je nach Art der Infektion und dem Erreger folgende alternative Antibiotika in Betracht:

  • Vancomycin: Ein häufig verwendetes Glykopeptid-Antibiotikum, besonders wirksam gegen grampositive Bakterien, einschließlich MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).
  • Linezolid: Ein Oxazolidinon-Antibiotikum, das gegen eine Vielzahl von grampositiven Bakterien, einschließlich MRSA und VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken), wirksam ist.
  • Daptomycin: Ein Lipopeptid-Antibiotikum, das insbesondere bei komplizierten Hautinfektionen und Bakteriämie durch grampositive Bakterien eingesetzt wird.
  • Clindamycin: Ein Lincosamid-Antibiotikum, das gegen verschiedene Arten von Staphylokokken und Streptokokken wirksam ist.
  • Ceftarolin: Ein Cephalosporin-Antibiotikum der neueren Generation, das Aktivität gegen MRSA zeigt.
  • Tigecyclin: Ein Breitbandantibiotikum der Tetracyclin-Klasse, das gegen eine Vielzahl von grampositiven und einigen gramnegativen Bakterien wirksam ist.

Wirkstoff-Informationen

Mittlere Halbwertszeit:
ca. 135.0 H
Q0-Wert:
0.2
Autor:
Stand:
01.12.2023
Quelle:

Fachinformation Teicoplanin Eberth

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