Temazepam

Temazepam ist ein Benzodiazepin mit sedierenden, anxiolytischen und muskelrelaxierenden Eigenschaften, das primär zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen eingesetzt wird. Es wirkt durch Verstärkung der GABAergen Hemmung im Zentralnervensystem, was zu einer Reduktion der neuronalen Erregbarkeit führt.

Temazepam

Anwendung

Temazepam ist indiziert zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen.

Wirkmechanismus

Temazepam gehört zur Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Der Wirkmechanismus von Temazepam, wie bei anderen Benzodiazepinen, beruht auf der Verstärkung der Wirkung des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn. GABA ist der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im zentralen Nervensystem und spielt eine zentrale Rolle bei der Dämpfung neuronaler Aktivität.

Temazepam bindet an spezifische Stellen auf dem GABAA-Rezeptor-Komplex und erhöht die Affinität von GABA zu seinem Rezeptor. Durch diese Bindung wird die Öffnung des Chloridkanals innerhalb des Rezeptorkomplexes erleichtert, was zu einer erhöhten Chlorideinstrom in die Neuronen führt. Dieser erhöhte Chlorideinstrom hyperpolarisiert die Neuronenmembran, was die neuronale Erregbarkeit verringert und somit eine beruhigende Wirkung auf das zentrale Nervensystem ausübt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Temazepam wird nach oraler Gabe fast vollständig (90-100%) aufgenommen.
  • Der First-pass-Effekt ist minimal (ca. 5%).
  • Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 50 Minuten nach Einnahme erreicht, mit Werten zwischen 660-1100 ng/ml nach einer 20 mg Dosis.
  • Bei Mehrfachdosierung stabilisiert sich der Wirkstoffspiegel im Blut (Steady State) am dritten Tag.

Verteilung

  • Das Verteilungsvolumen variiert je nach Alter und Geschlecht und liegt bei etwa 1,3-1,5 l/kg Körpergewicht, wobei Frauen tendenziell höhere Werte aufweisen.
  • Temazepam bindet zu ca. 96% an Plasmaproteine.

Biotransformation

  • Der Hauptmetabolisierungsweg von Temazepam in der Leber ist die Konjugation zu Glukuronid (ca. 90%).
  • Weniger als 5% werden zu Oxazepam demethyliert, welches ebenfalls an Glukuronsäure gebunden wird.
  • Die entstehenden Glukuronide sind im Zentralnervensystem (ZNS) inaktiv.

Elimination

  • Etwa 80 % einer Dosis werden über die Nieren (hauptsächlich als Konjugate), ca. 12% über den Stuhl ausgeschieden.
  • Unter 2% erscheinen unverändert im Urin.
  • ie Eliminationshalbwertszeit variiert mit Alter und Geschlecht und reicht von durchschnittlich 8 Stunden bei jüngeren bis zu 14 Stunden (und bis zu 18,4 Stunden bei älteren Frauen) bei älteren Patienten.
  • Es kommt in der Regel nicht zu einer signifikanten Kumulation des Wirkstoffs oder seiner Metaboliten.

Dosierung

Erwachsene:

  • Standarddosis: 10-20 mg pro Tag als Tageshöchstdosis.
  • Ausnahmefälle: Kann bei Bedarf auf 30-40 mg pro Tag erhöht werden.

Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Temazepam sind folgende Nebenwirkungen möglich:

  • Psychiatrische Effekte: Gedämpfte Emotionen, Verwirrtheit, Libidoänderungen, Depressionen, paradoxe Reaktionen wie Unruhe und Aggressivität.
  • Nervensystem: Müdigkeit, Benommenheit, verringerte Aufmerksamkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelschwäche, Ataxie, anterograde Amnesie.
  • Sehstörungen: Sehr selten auftretend.
  • Gastrointestinale Störungen: Gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden.
  • Hautreaktionen: Gelegentlich auftretend.
  • Abhängigkeit: Risiko der Entwicklung bei längerem Gebrauch.
  • Atemwegseffekte: Atemdepression bei bestimmten Patientengruppen.
  • Sturzgefahr: Erhöhtes Risiko, besonders bei älteren Patienten.

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Temazepam sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:

  • Verstärkung der zentraldämpfenden Wirkung bei Kombination mit: Sedativa, Hypnotika, Analgetika, Narkotika, Neuroleptika, Antiepileptika, Anxiolytika, Antihistaminika, Antidepressiva, Lithium-Präparate
  • Opioide: Erhöhtes Risiko für Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod durch additive ZNS-dämpfende Wirkung. Dosierung und Anwendungsdauer begrenzen.
  • Narkoanalgetika: Kann euphorisierende Wirkung verstärken und Abhängigkeitsentwicklung beschleunigen.
  • Antihypertonika oder Betablocker: Gegenseitige Beeinflussung der Wirkungen möglich.
  • Muskelrelaxanzien: Verstärkung der muskelrelaxierenden Wirkung, besonders bei älteren Patienten und höherer Dosierung (Sturzgefahr).
  • Cytochrom P450-Inhibitoren: Können die Wirkung von Benzodiazepinen und ähnlichen Wirkstoffen verstärken (z.B. Cimetidin).
  • Alkoholkonsum: Sollte während der Behandlung vermieden werden, da er die Wirkung von Temazepam unvorhersehbar verändert und verstärkt.

Kontraindikationen

Temazepam darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Benzodiazepine
  • Myasthenia gravis
  • Schweren Störungen der Atemfunktion
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Schwerer Leberinsuffizienz
  • Spinalen und zerebellaren Ataxien
  • Akuter Vergiftung mit Alkohol, Sedativa, Hypnotika, Analgetika oder Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium-Präparate

Schwangerschaft

Temazepam sollte aufgrund unzureichender Erfahrungen am Menschen nicht während der Schwangerschaft verschrieben werden. Die Kombination von Temazepam mit Diphenhydramin ist wegen eines beschriebenen Falls von intrauterinem Kindstod zu vermeiden. Langfristige Einnahme von Benzodiazepinen während der Schwangerschaft kann bei Neugeborenen zu körperlicher Abhängigkeit und Entzugssymptomen führen. Hohe Dosen von Temazepam in der Spätschwangerschaft oder während der Geburt können beim Neugeborenen Ateminsuffizienz, Hypothermie, Hypotonie und Trinkschwäche verursachen.

Stillzeit

Temazepam geht in die Muttermilch über und kann dort akkumulieren, weshalb der Wirkstoff während der Stillzeit nicht angewendet werden sollte.

Verkehrstüchtigkeit

Die Wirkungen von Temazepam, wie Sedierung, Gedächtnisverlust, reduzierte Konzentrationsfähigkeit und beeinträchtigte Muskelfunktion, können die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs oder Bedienen von Maschinen signifikant beeinflussen. Diese Risiken sind besonders hoch, wenn die Schlafdauer nach der Einnahme des Medikaments unzureichend ist.

Anwendungshinweise

Beim Einsatz von Temazepan sind folgende besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Gleichzeitige Anwendung mit Opioiden: Kann zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen; nur bei unvermeidbarem Bedarf und unter strenger Überwachung.
  • Toleranzentwicklung: Risiko nach wiederholter Einnahme über wenige Wochen.
  • Abhängigkeitsrisiko: Kann bei langfristiger oder hoher Dosierung zu psychischer und physischer Abhängigkeit führen.
  • Entzugssymptome: Plötzliches Beenden kann zu Kopfschmerzen, Angst, Unruhe und in schweren Fällen zu Halluzinationen oder Krampfanfällen führen.
  • Behandlungsdauer: Idealweise nicht länger als 4 Wochen, inklusive schrittweiser Dosisreduktion.
  • Anterograde Amnesie: Risiko steigt mit der Dosierung; kann durch ausreichende Schlafdauer verringert werden.
  • Psychiatrische und „paradoxe“ Reaktionen: Insbesondere bei älteren Patienten oder Kindern möglich; erfordert sofortige Beendigung der Behandlung.
  • Nicht für Psychosen oder Depressionen: Nicht zur primären Behandlung von Psychosen oder als alleinige Behandlung von Depressionen empfohlen.
  • Vorsicht bei älteren Patienten: Wegen Sturzgefahr, insbesondere bei nächtlichem Aufstehen.
  • Eingeschränkte Nieren-/Leberfunktion: Vorsicht geboten und gegebenenfalls Dosierung anpassen.
  • Schwere Leberfunktionsstörungen: Nicht mit Benzodiazepinen behandeln wegen Enzephalopathie-Risiko.
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch: Äußerste Vorsicht bei Patienten mit entsprechender Anamnese.
  • Chronische Ateminsuffizienz: Niedrigere Dosis empfohlen wegen Atemdepressionsrisiko.

Alternativen

Siehe Benzodiazepine

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
300.74 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 13.0 H
Q0-Wert:
1.0
Autor:
Stand:
16.02.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Temazep-CT
  2. Fluyau, Dimy, Subitchan Ponnarasu, and Preeti Patel. "Temazepam." StatPearls [Internet]. StatPearls Publishing, 2024.
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