Tenecteplase
Tenecteplase ist ein gentechnisch hergestelltes Fibrinolytikum, das an Fibrin bindet und die Umwandlung von Plasminogen zu Plasmin fördert, wodurch Blutgerinnsel aufgelöst werden. Es wird beim akuten Myokardinfarkt zur Wiederherstellung des Blutflusses in den betroffenen Koronararterien eingesetzt.
Tenecteplase: Übersicht
Anwendung
Tenecteplase wird angewendet bei Erwachsenen zur thrombolytischen Therapie bei Verdacht auf akuten Herzinfarkt mit andauernder ST-Streckenhebung oder frischem Linksschenkelblock innerhalb 6 Stunden nach Symptombeginn eines akuten Herzinfarkts.
Wirkmechanismus
Tenecteplase ist ein rekombinanter Gewebe-Plasminogen-Aktivator (tPA), der an Fibrin in einem Thrombus bindet, wodurch die Umwandlung von Plasminogen zu Plasmin gefördert wird. Plasmin ist ein Serinprotease-Enzym, das Fibrin, den Hauptbestandteil von Blutgerinnseln, abbaut und somit zur Auflösung des Thrombus führt. Durch die gezielte Aktivierung von Plasminogen an der Oberfläche des Thrombus wird das Risiko systemischer Blutungen minimiert. Tenecteplase zeichnet sich durch eine höhere Affinität zu Fibrin und eine längere Halbwertszeit im Vergleich zu anderen tPAs aus, was die Anwendung als einmalige intravenöse Bolusinjektion ermöglicht und so die Behandlung des akuten Myokardinfarkts effizienter gestaltet.
Dosierung
Unter 60 kg:
- Tenecteplase: 6,000 U / 30 mg
- Lösung: 6 ml
60 bis < 70 kg:
- Tenecteplase: 7,000 U / 35 mg
- Lösung: 7 ml
70 bis < 80 kg:
- Tenecteplase: 8,000 U / 40 mg
- Lösung: 8 ml
80 bis < 90 kg:
- Tenecteplase: 9,000 U / 45 mg
- Lösung: 9 ml
Ab 90 kg:
- Tenecteplase: 10,000 U / 50 mg
- Lösung: 10 ml
Nebenwirkungen
Blutungen stellen eine häufig auftretende Nebenwirkung bei der Behandlung mit Tenecteplase dar. Diese Nebenwirkungen manifestieren sich vorrangig als oberflächliche Blutungen an der Stelle der Injektion sowie als Hämatome, welche normalerweise keiner speziellen Behandlung bedürfen. Es gibt jedoch Fälle, in denen Patienten nach der Anwendung von Tenecteplase schwerwiegendere Blutungsereignisse erleiden, einschließlich Schlaganfälle mit intrakraniellen Blutungen. Solche schweren Blutungskomplikationen können zu Todesfällen oder dauerhaften Beeinträchtigungen führen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Tenecteplase zu beachten:
- Rückverfolgbarkeit: Die Bezeichnung des Arzneimittels und die Chargenbezeichnung müssen eindeutig dokumentiert werden, um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern.
- Koronarintervention: Bei geplanter primärer perkutaner Koronarintervention (PCI) sollte Tenecteplase nicht eingesetzt werden. Patienten, die Tenecteplase erhalten und nicht innerhalb einer Stunde eine PCI durchführen können, sollten schnellstmöglich in eine geeignete Einrichtung für eine Koronarintervention verlegt werden.
- Blutungen: Blutungen sind die häufigste Nebenwirkung. Besondere Aufmerksamkeit ist auf mögliche Blutungsquellen zu legen. Starre Katheter, intramuskuläre Injektionen und unnötige medizinische Maßnahmen sollten vermieden werden. Bei schweren Blutungen ist die Begleittherapie mit Heparin sofort zu beenden.
- Arrhythmien: Reperfusionsarrhythmien können auftreten und erfordern möglicherweise konventionelle antiarrhythmische Therapien. Maßnahmen zur Behandlung von Bradykardien und/oder ventrikulären Tachyarrhythmien sollten verfügbar sein.
- GP-IIb/IIIa-Antagonisten: Die gleichzeitige Anwendung kann das Blutungsrisiko erhöhen.
- Überempfindlichkeit/wiederholte Anwendung: Bei bekannter Überempfindlichkeit ist Vorsicht geboten. Bei anaphylaktischen Reaktionen ist die Injektion sofort abzubrechen.
- Kinder und Jugendliche: Die Anwendung von Tenecteplase bei Personen unter 18 Jahren wird aufgrund fehlender Daten nicht empfohlen.
- Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln: Arzneimittel, die die Blutgerinnung beeinflussen oder die Thrombozytenfunktion verändern, können das Blutungsrisiko erhöhen. Es wurden keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Arzneimitteln festgestellt, die üblicherweise bei Patienten mit akutem Herzinfarkt eingesetzt werden.










