Tetryzolin

Tetryzolin ist ein alpha-adrenerger Agonist, der durch Vasokonstriktion die Schleimhäute abschwellen lässt und zur Behandlung von nasaler Kongestion sowie in Augentropfen zur Linderung von Reizungen eingesetzt wird.

Tetryzolin

Anwendung

Tetryzolin wird in der Behandlung von Schnupfen und Heuschnupfen, Nasopharyngitis (Nasenrachenentzündung), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) und Konjunktivitis (Bindehautentzündung) eingesetzt.

Wirkmechanismus

Tetryzolin entfaltet seine Wirkung durch die Aktivierung von alpha-2-adrenergen Rezeptoren, die zu einer Kaskade intrazellulärer Ereignisse führt. Nach der Bindung an diese Rezeptoren wird die Adenylylcyclase gehemmt, was zu einer reduzierten Umwandlung von ATP in zyklisches AMP (cAMP) führt. Das gesenkte Niveau von cAMP führt zu einer verminderten Aktivität der Proteinkinase A (PKA).

Diese Verringerung der PKA-Aktivität führt zu einer reduzierten Phosphorylierung von Zielproteinen, die für die Regulation der Zellfunktionen und insbesondere für die Kontrolle des Tonus der glatten Muskulatur in den Blutgefäßen verantwortlich sind.

Die resultierende Vasokonstriktion, also die Verengung der Blutgefäße, wird durch die direkte Wirkung auf die glatte Muskulatur der Gefäßwände vermittelt. Dieser Prozess führt zu einer Abnahme des Blutflusses und einer Reduktion des Volumens in den betroffenen Gefäßen, was wiederum die Schwellung der Schleimhäute reduziert. Durch diese Kaskade wird effektiv die nasale Kongestion bei Rhinitis und die Rötung sowie Schwellung bei Konjunktivitis verringert.

Dosierung

Tetryzolin wird in der Regel ein- bis dreimal täglich angewendet. Die Wirkung setzt schnell innerhalb von 5 bis 10 Minuten ein und hält bis zu 8 Stunden an. Der Wirkstoff sollte nicht länger als 5 Tage lang angewendet werden.

Nebenwirkungen

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung bleiben die Nebenwirkungen von Tetryzolin in der Regel auf lokale Reaktionen wie juckende Nasenschleimhaut oder Bindehautreizungen am Auge beschränkt.

Bei langfristigem Gebrauch kommt es neben dem bereits beschriebenen Nekroserisiko auch zu systemischen Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, die sich in Form von Bluthochdruck, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Schwäche und vermehrtem Schwitzen äußern.

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern oder trizyklischen Antidepressiva mit vasokonstriktorischen Substanzen kann zu einer potenzierten systemischen vasokonstriktorischen Wirkung führen, die eine Erhöhung des Blutdrucks zur Folge haben kann.

Kontraindikationen

Tetryzolin-Augentropfen dürfen nicht angewendet werden bei:

  • Engwinkelglaukom
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Kindern unter 2 Jahren
  • schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. koronarer Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Phäochromozytom)
  • Stoffwechselstörungen (z. B. Hyperthyreose oder Diabetes mellitus)
  • Behandlung mit MAO-Hemmern und anderen potenziell blutdrucksteigernden Medikamenten
  • Rhinitis sicca
  • Keratokonjunktivitis sicca
  • Glaukom

Schwangerschaft/Stillzeit

Es existieren keine Daten zur Plazentagängigkeit von Tetryzolin und zum Übergang in die Muttermilch. Aufgrund des potenziellen Risikos systemischer Nebenwirkungen wird von einer Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten.

Verkehrstüchtigkeit

Die Anwendung von Augentropfen kann temporär zu verschwommenem Sehen oder anderen Sehbeeinträchtigungen führen, was die Fähigkeit, Fahrzeuge zu führen oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen kann.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Tetryzolin zu beachten:

  • Kontraindikation bei Engwinkelglaukom
  • Vorsicht bei anderen Glaukomformen: Nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden.
  • Warnung bei Augenreizung oder -rötung: Kann auf ernste Augenerkrankungen hinweisen; Augenarzt konsultieren.
  • Sofortiger Arztbesuch erforderlich: Bei akuter oder einseitiger Augenrötung, Augen- oder Kopfschmerzen, Sehverschlechterung oder fliegenden Punkten.
  • Hinweis für Kontaktlinsenträger: Bei Augenerkrankungen keine Kontaktlinsen tragen; Brille bevorzugen. Benzalkoniumchlorid kann Kontaktlinsen verfärben und Reizungen verursachen; Linsen vor Anwendung entfernen und erst 15 Minuten nach Anwendung wieder einsetzen.

Alternativen

Ähnliche Wirkstoffe wie Tetryzolin sind Naphazolin, Oxymetazolin, Phenylephrin, Tramazolin und Xylometazolin.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
200.28 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
08.03.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Berberil
  2. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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