Thioridazin

Thioridazin ist ein typisches Antipsychotikum aus der Klasse der Phenothiazine, das durch Blockade dopaminerger D2-Rezeptoren im Zentralnervensystem wirkt. Es wird bei der Behandlung von Schizophrenie und anderen psychotischen Störungen eingesetzt, insbesondere wenn sedierende Eigenschaften erwünscht sind.

Thioridazin

Anwendung

Thioridazin wird angewendet zur Behandlung von Patienten mit chronischen Formen schizophrener und anderer Psychosen, bei denen psychomotorische Unruhe und Erregungszustände im Vordergrund stehen, insbesondere als Alternative oder Komedikation, wenn andere Standardtherapeutika nicht ausreichend wirksam sind.

Sein Einsatz wird jedoch durch das Risiko kardialer Nebenwirkungen, insbesondere der Verlängerung des QT-Intervalls, begrenzt.

Wirkmechanismus

Thioridazin ist ein typisches Antipsychotikum der Phenothiazin-Klasse und wirkt hauptsächlich durch die antagonistische Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Diese Blockade reduziert die dopaminerge Neurotransmission, was zur Minderung von psychotischen Symptomen, insbesondere positiven Symptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen, beiträgt.

Zusätzlich zu seinen antipsychotischen Effekten zeigt Thioridazin eine signifikante Affinität zu anderen Neurotransmitterrezeptoren, einschließlich Serotonin-2 (5-HT2), α1-adrenergen und muskarinischen Acetylcholinrezeptoren, was zu einem breiten Spektrum von pharmakologischen Wirkungen und Nebenwirkungen führt.

Die klinische Anwendung von Thioridazin ist durch sein Potenzial, das QT-Intervall zu verlängern und damit das Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu erhöhen, eingeschränkt.

Dosierung

  • Ambulante Behandlung: Bis zu 200 mg täglich
  • Stationäre Behandlung: Bis zu 600 mg täglich
  • Maximale Tagesdosis: 600 mg

Hinweise:

  • Die Dosierung und Dauer sind individuell anzupassen.
  • Psychomotorisch dämpfende Wirkung tritt sofort ein; bis zur maximalen antipsychotischen Wirkung kann es bis zu drei Wochen dauern.
  • Empfohlen wird ein schrittweiser Dosisanstieg, besonders bei ambulanter Behandlung.
  • Starke Dosisänderungen sind zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Thioridazin sind dosisabhängig. Innerhalb des empfohlenen Dosisbereichs sind die meisten Nebenwirkungen mild und vorübergehend, während schwerere Effekte meist bei höheren Dosierungen auftreten.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Sedierung und Schläfrigkeit; Schwindel, Mundtrockenheit und orthostatische Hypotonie kommen ebenfalls oft vor. Gelegentlich können Verwirrung, Übelkeit und Sehstörungen auftreten. Seltener sind extrapyramidale Symptome, Herzrhythmusstörungen und Leberfunktionsstörungen. Sehr selten können ernsthafte Zustände wie das maligne neuroleptische Syndrom, paralytischer Ileus oder Torsade de pointes vorkommen.

Die Wahrscheinlichkeit für extrapyramidale Symptome oder Blutbildveränderungen ist bei niedrigeren Dosen sehr gering.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Thioridazin zu beachten:

  • Cytochrom P450 2D6-Inhibitoren (z.B. Fluoxetin, Paroxetin): Können den Metabolismus von Thioridazin verlangsamen, was zu erhöhten Serumkonzentrationen und einem Risiko für QTc-Intervall Verlängerung führt.
  • Medikamente, die das QTc-Intervall verlängern: Die kombinierte Einnahme kann das Risiko für Herzrhythmusstörungen, wie Torsade de pointes, erhöhen.
  • Trizyklische Antidepressiva: Die Kombination kann zu erhöhten Plasmaspiegeln dieser Medikamente führen und Herzrhythmusstörungen auslösen.
  • Antiepileptika: Thioridazin kann die Anfallsschwelle senken und die Serumkonzentrationen von Phenytoin verändern.
  • Barbiturate und Antihypertensiva/Betablocker: Können in Kombination mit Thioridazin zu reduzierten Serumkonzentrationen oder schweren Hypotonien führen.
  • Antikoagulanzien: Phenothiazine können die Prothrombinzeit senken und eine Anpassung der Dosierung erforderlich machen.
  • ZNS-Depressoren: Die Wirkung von Alkohol und anderen dämpfenden Substanzen kann verstärkt werden.
  • MAO-Hemmer: Können die sedativen und anticholinergen Effekte von Thioridazin verstärken.
  • Lithium: Die Kombination kann zu schweren neurotoxischen Komplikationen führen.
  • Anticholinergika: Die gleichzeitige Anwendung kann anticholinerge Nebenwirkungen verstärken.
  • Adrenerge Vasokonstriktoren und Chinidin: Thioridazin kann die Wirksamkeit dieser Medikamente herabsetzen oder zu myokardialer Depression führen.
  • Antiarrhythmika und Thiazid-Diuretika: Vorsicht ist geboten wegen des Risikos für QTc-Intervall Verlängerung und Hypotonie.
  • Antidiabetika: Thioridazin kann den Kohlenhydratstoffwechsel beeinflussen und mit der Behandlung von Diabetes interferieren.
  • Antazida und Antidiarrhoika: Können die Resorption von Thioridazin vermindern.

Kontraindikationen

Thioridazin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Thioridazin
  • schweren Herzkrankheiten, besonders klinisch relevante Herzrhythmusstörungen (z. B. Torsade de pointes, angeborenes QT-Syndrom)
  • Anwendung von Medikamenten, für die eine mögliche Verlängerung des QTc-Intervalls bekannt ist
  • Anwendung von Medikamenten, die CYP2D6 hemmen (z. B. Fluoxetin und Paroxetin)
  • Anwendung von Medikamenten, die den Metabolismus von Thioridazin verlangsamen können (z. B. Fluvoxamin, Pindolol, Propranolol)
  • angeborenem oder erworbenem CYP2D6-Mangel
  • komatösen Zuständen und schwerer ZNS-Dämpfung
  • hämatologischen Störungen in der Anamnese (z. B. Knochenmarksdepressionen)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen in der Anamnese, wie z. B. schwere Photosensitivität oder Überempfindlichkeit gegen andere Phenothiazine
  • Kindern
  • Stillzeit

Schwangerschaft

Während keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vorliegen, zeigen Tierstudien keinen teratogenen Effekt von Thioridazin. Dennoch sollte Thioridazin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für den Fötus überwiegt. Thioridazin kann die Plazentaschranke überwinden, und Neugeborene, die im letzten Trimenon einer Schwangerschaft Antipsychotika ausgesetzt waren, könnten Nebenwirkungen wie extrapyramidale Symptome oder Entzugserscheinungen erfahren. Diese können in ihrer Schwere variieren und erfordern eine sorgfältige Überwachung nach der Geburt.

Stillzeit

Thioridazin wird in die Muttermilch ausgeschieden und kann beim gestillten Kind zu Schläfrigkeit sowie zu einem erhöhten Risiko für Dystonie und Spätdyskinesien führen. Aus diesem Grund wird Müttern, die Thioridazin einnehmen, vom Stillen abgeraten.

Verkehrstüchtigkeit

Thioridazin kann Nebenwirkungen wie verschwommenes Sehen, Schläfrigkeit und andere Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems verursachen, die das Reaktionsvermögen derart einschränken, dass die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigt wird. Die Beeinträchtigung wird durch die Kombination mit Alkohol oder anderen Medikamenten noch verstärkt. Personen, die Thioridazin einnehmen, sollten daher auf das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen verzichten.

Alternativen

Alternativen zu Thioridazin umfassen z.B.:

Atypische Antipsychotika

Typische Antipsychotika

Neuere Optionen

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
370.58 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 10.0 H
Q0-Wert:
1.0
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
02.04.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Thioridazin neuraxpharm
  2. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie."
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