Trastuzumab emtansin
Trastuzumab Emtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das gezielt HER2-positive Brustkrebszellen angreift, indem es Trastuzumab für die Bindung an HER2 nutzt und Emtansin nach der Internalisierung freisetzt, um die Mikrotubuli-Dynamik zu stören. Das zielgerichtete Therapeutikum wird primär bei metastasiertem HER2-positivem Mammakarzinom eingesetzt.
Trastuzumab emtansin: Übersicht

Anwendung
Trastuzumab Emtansin (Kadcyla) besitzt folgende Indikationen:
Brustkrebs im Frühstadium (EBC – Early Breast Cancer)
- Als Einzelsubstanz zur adjuvanten Behandlung bei erwachsenen Patienten mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium angewendet, die nach einer neoadjuvanten Taxan-basierten und HER2-gerichteten Therapie eine invasive Resterkrankung in der Brust und/oder den Lymphknoten aufweisen.
Metastasierter Brustkrebs (MBC – Metastatic Breast Cancer)
- Als Einzelsubstanz zur Behandlung bei erwachsenen Patienten mit HER2-positivem, inoperablem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs angewendet, die zuvor, einzeln oder in Kombination, Trastuzumab und ein Taxan erhalten haben. Die Patienten sollten entweder eine vorherige Behandlung gegen die lokal fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankungerhalten haben oder ein Rezidiv während oder innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung der adjuvanten Behandlung entwickelt haben.
Anwendungsart
Trastuzumab Emtansin ist unter dem Präparatenamen Kadcyla als Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats auf dem Markt.
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus von Trastuzumab Emtansin (T-DM1) ist ein faszinierendes Beispiel für die fortschrittliche Krebstherapie, bei der zielgerichtete Behandlungen mit zytotoxischen Wirkstoffen kombiniert werden. Trastuzumab Emtansin agiert als Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das sowohl die spezifische Antikörper-vermittelte Zielgerichtetheit als auch die potente zytotoxische Aktivität in sich vereint:
- Trastuzumab: Der Antikörperkomponent von T-DM1, Trastuzumab, ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der gezielt an das human epidermal growth factor receptor 2 (HER2)-Protein bindet. HER2 wird bei bestimmten Brust- und Magenkrebsarten überexprimiert und ist mit aggressiverem Tumorwachstum verbunden.
- Emtansin (DM1): DM1 ist ein Derivat des Zytotoxins Maytansin, ein Mikrotubuli-inhibierender Wirkstoff. Es stört die Mikrotubulidynamik und hemmt so die Zellteilung, was zum Zelltod führt.
Bindung und Internalisierung
Nach der Verabreichung bindet Trastuzumab in T-DM1 an die HER2-Rezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen. Diese hohe Affinität und Spezifität für HER2-positive Zellen ermöglicht es T-DM1, gezielt Krebszellen anzugreifen, während die Auswirkungen auf normale Zellen minimiert werden. Nach der Bindung wird das T-DM1-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat durch Rezeptor-vermittelte Endozytose in die Krebszelle aufgenommen.
Freisetzung des Zytotoxins
Innerhalb der Zelle wird der Linker zwischen Trastuzumab und DM1 enzymatisch gespalten. Diese Spaltung setzt das aktive DM1 in der Zelle frei. DM1 bindet an Tubulin, ein Schlüsselprotein in der Mikrotubulustruktur der Zelle. Dies behindert den Aufbau und Abbau von Mikrotubuli, was für die Mitose und Zellteilung essentiell ist. Die Hemmung der Mikrotubulidynamik führt zum Anhalten des Zellzyklus und induziert die Apoptose.

Dosierung
Die Anwendung von Trastuzumab Emtansin sollte nur unter medizinischer Aufsicht erfolgen, vorzugsweise von einem Arzt mit Erfahrung in der Onkologie. Es wird intravenös als Infusion verabreicht, wobei die initiale Dosis über 90 Minuten gegeben wird. Die Patienten müssen während und nach der Infusion überwacht werden. Nach guter Verträglichkeit der Erstinfusion können weitere Dosen innerhalb von 30 Minuten verabreicht werden.
Die Standarddosierung beträgt 3,6 mg/kg Körpergewicht alle drei Wochen. Bei Frühstadium-Brustkrebs wird die Behandlung für 14 Zyklen fortgesetzt, außer bei Rezidiv oder unkontrollierbarer Toxizität. Bei metastasiertem Brustkrebs erfolgt die Behandlung bis zur Krankheitsprogression oder bei unbeherrschbarer Toxizität. Bei Nebenwirkungen kann eine Dosisanpassung nötig sein, wobei die reduzierte Dosis dann beibehalten wird. Bei starker Toxizität kann die Behandlung abgebrochen werden.
Nebenwirkungen
In klinischen Studien mit 2.611 Brustkrebspatienten wurde die Sicherheit von Trastuzumab Emtansin bewertet. In dieser Patientengruppe traten verschiedene Nebenwirkungen auf:
- Schwerwiegende Nebenwirkungen: Zu den häufigsten ernsthaften Nebenwirkungen, die bei mehr als 0,5% der Patienten beobachtet wurden, gehörten Blutungen, Fieber, Thrombozytopenie, Atemnot, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen, Skelettschmerzen und Erbrechen.
- Häufige Nebenwirkungen: Die am häufigsten vorkommenden Nebenwirkungen, die bei mindestens 25% der Patienten auftraten, waren Übelkeit, Ermüdung, Muskelschmerzen, Skelettschmerzen, Blutungen, Kopfschmerzen, erhöhte Transaminasen, Thrombozytopenie und periphere Neuropathie. Die meisten dieser Nebenwirkungen waren mild bis mäßig ausgeprägt.
- Häufige Nebenwirkungen von Grad ≥ 3: Gemäß den NCI-CTCAE-Kriterien (National Cancer Institute - Common Terminology Criteria for Adverse Events) traten bei mehr als 2% der Patienten schwerere Nebenwirkungen auf, einschließlich Thrombozytopenie, erhöhte Transaminasen, Anämie, Neutropenie, Ermüdung und Hypokaliämie.
Wechselwirkungen
Es wurden bisher keine spezifischen Studien durchgeführt, um die Wechselwirkungen von Trastuzumab Emtansin mit anderen Medikamenten zu untersuchen. Jedoch deuten In-vitro-Studien darauf hin, dass DM1, ein Bestandteil von Trastuzumab Emtansin, vorwiegend durch das Enzym CYP3A4 und zu einem geringeren Teil durch CYP3A5 abgebaut wird. Daher wird empfohlen, die gleichzeitige Anwendung von Trastuzumab Emtansin mit starken CYP3A4-Inhibitoren, wie Ketoconazol, Itraconazol oder Clarithromycin, zu vermeiden. Diese Inhibitoren könnten nämlich die Konzentration von DM1 im Körper erhöhen und somit das Risiko für Nebenwirkungen steigern.
Wenn die Verwendung eines starken CYP3A4-Hemmers unumgänglich ist, könnte es sinnvoll sein, die Behandlung mit Trastuzumab Emtansin zu verzögern, bis der Hemmer vollständig aus dem Körper ausgeschieden ist. Sollte eine gleichzeitige Anwendung doch notwendig sein, ist eine intensive Überwachung des Patienten auf Nebenwirkungen ratsam. Alternativ sollten Medikamente in Betracht gezogen werden, die entweder keine oder nur eine minimale Hemmung von CYP3A4 verursachen.
Kontraindikationen
Trastuzumab Emtansin darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe angewendet werden.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Akeega sind folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
- Dokumentation: Der Handelsname und die Chargenbezeichnung des Arzneimittels müssen in der Patientenakte dokumentiert werden.
- Etikettenprüfung: Stellen Sie sicher, dass das Medikament tatsächlich Akeega ist, um Verwechslungen mit anderen Trastuzumab-haltigen Medikamenten zu vermeiden.
- Thrombozytopenie: Häufig beobachtete Nebenwirkung; es wird empfohlen, die Thrombozytenzahl vor jeder Anwendung zu kontrollieren. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit niedrigen Thrombozytenzahlen oder bei Behandlung mit Antikoagulanzien geboten.
- Blutungen: Vorsicht bei Patienten mit Blutungsrisiken, insbesondere wenn gleichzeitig Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer eingenommen werden.
- Hepatotoxizität: Überwachung der Leberfunktion ist erforderlich; besondere Vorsicht bei Patienten mit vorbestehenden Leberproblemen.
- Neurotoxizität: Überwachung auf Anzeichen einer peripheren Neuropathie; Behandlungspausen oder -abbrüche können bei schweren Fällen erforderlich sein.
- Linksventrikuläre Dysfunktion: Regelmäßige Überwachung der Herzfunktion, insbesondere bei Patienten mit bestehenden kardialen Risikofaktoren.
- Pulmonale Toxizität: Überwachung auf Symptome von Lungenerkrankungen wie ILD oder Pneumonitis; Behandlungsabbruch bei Bestätigung dieser Diagnosen.
- Infusionsbedingte Reaktionen: Engmaschige Überwachung während der ersten Infusion; Abbruch der Behandlung bei schweren Reaktionen.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Vorsicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Trastuzumab; Notfallmedikamente sollten bereitstehen.
Wirkstoff-Informationen
- EMA: Fachinformation Kadcyla
- Von Minckwitz, Gunter, et al. "Trastuzumab emtansine for residual invasive HER2-positive breast cancer." New England Journal of Medicine 380.7 (2019): 617-628.
- Barok, Mark, Heikki Joensuu, and Jorma Isola. "Trastuzumab emtansine: mechanisms of action and drug resistance." Breast cancer research 16.2 (2014): 1-12.
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Kadcyla 100 mg CC Pharma Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
CC Pharma GmbH
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Kadcyla® 100 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
Roche Pharma AG
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Kadcyla 160 mg Orifarm Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
Orifarm GmbH
-
Kadcyla® 160 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
Roche Pharma AG










