Travoprost

Travoprost ist ein synthetisches Prostaglandin-Analogon, das den Augeninnendruck durch Erhöhung des uveoskleralen Abflusses senkt. Es wird primär zur Behandlung des Offenwinkelglaukoms und der okulären Hypertension eingesetzt, um das Risiko einer Sehnervschädigung zu minimieren.

Travoprost

Anwendung

Travoprost ist in Form von Augentropfen indiziert zur Senkung des erhöhten Augeninnendrucks:

  • bei erwachsenen Patienten mit okulärer Hypertension oder Offenwinkelglaukom
  • bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 Monaten bis < 18 Jahren mit okulärer Hypertension oder kindlichem Glaukom

Wirkmechanismus

Travoprost ist wie die anderen Prostaglandin-Analoga Latanoprost und Bimatoprost ein synthetisches Analogon von Prostaglandin F2α. Travoprost ist ein Ester-Prodrug, das durch Hornhautesterasen in seine aktive freie Säureform hydrolysiert wird. 

Die augeninnendrucksenkende Wirkung dieser Prostaglandin-Analoga beruht auf der Interaktion mit dem Prostaglandin-FP-Rezeptor. Nach seiner Hydrolyse im Auge bindet die Travoprost-Säure an Prostaglandin-FP-Rezeptoren im Ziliarmuskel und im Trabekelwerk. Diese Bindung führt zu physiologischen Reaktionen in den Ziliarmuskelzellen, einschließlich der Aktivierung von MAP-Kinasen und der indirekten Stimulierung der cAMP-Produktion, was wiederum die Produktion verschiedener Matrixmetalloproteinasen (MMPs) erhöht.

Diese Enzyme sind in der Lage, alle Bestandteile der extrazellulären Matrix abzubauen, was zu einer Umstrukturierung der extrazellulären Matrix des Ziliarkörpers führt und vermutlich den Augeninnendruck durch Erhöhung des uveoskleralen Abflusses senkt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Travoprost ist ein Ester-Prodrug, das durch die Hornhaut absorbiert und dort in die aktive freie Säure umgewandelt wird.
  • Bei Kaninchen wurden maximale Wirkstoffspiegel der freien Säure im Kammerwasser von 20 ng/ml etwa 1 bis 2 Stunden nach der Anwendung erreicht.
  • Die Konzentration im Kammerwasser verringert sich mit einer Halbwertszeit von ca. 1,5 Stunden.

Verteilung

  • Nach der Anwendung am Auge wird eine geringe systemische Aufnahme der aktiven freien Säure beobachtet, mit Spitzenkonzentrationen von bis zu 25 pg/ml innerhalb von 10 bis 30 Minuten.
  • Die Plasmaspiegel fallen schnell unter die Nachweisgrenze von 10 pg/ml innerhalb einer Stunde nach Anwendung.

Metabolisierung

  • Travoprost und seine aktive Form werden hauptsächlich durch Metabolismus abgebaut, ähnlich dem Abbau von endogenem Prostaglandin-F2α.

Elimination

  • Die Ausscheidung erfolgt primär über die Nieren.
  • Bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance nicht weniger als 14 ml/min) ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Kinder und Jugendliche

  • Eine Studie mit pädiatrischen Patienten zeigte eine sehr niedrige Plasmaexposition der freien Säure, ähnlich den Werten, die bei Erwachsenen beobachtet wurden.
  • Die Plasmaexposition der freien Säure von Travoprost ist bei topischer Anwendung in allen Altersklassen extrem niedrig.

Dosierung

Dosierung:

  • Die übliche Konzentration von Travoprost in Augentropfen beträgt 40 Mikrogramm Travoprost pro ml Lösung.
  • Die empfohlene Dosierung besteht aus der täglichen Applikation eines Tropfens Travoprost in den Bindehautsack des betroffenen Auges oder der betroffenen Augen.

Anwendungszeitpunkt:

  • Für eine maximale Effizienz der Therapie wird die Applikation des Medikaments am Abend empfohlen.

Reduktion systemischer Absorption:

  • Um die systemische Aufnahme von Travoprost zu verringern und damit potenzielle systemische Nebenwirkungen zu reduzieren, wird den Patienten nahegelegt, unmittelbar nach der Applikation entweder den Tränenkanal leicht zu verschließen oder das Augenlid sanft zu schließen.

Ko-Anwendung mit anderen topischen Ophthalmika:

  • Bei der Verwendung von mehr als einem topischen Augenmedikament soll zwischen den einzelnen Applikationen ein Zeitintervall von mindestens 5 Minuten eingehalten werden, um Interferenzen in der Wirkung zu vermeiden.

Vorgehen bei vergessener Applikation:

  • Falls eine Dosis ausgelassen wird, sollte die Behandlung ohne Dosisanpassung mit der nächsten geplanten Applikation fortgeführt werden.
  • Die maximale Dosierung von einem Tropfen pro Auge und Tag darf dabei nicht überschritten werden.

Nebenwirkungen

In klinischen Studien waren die am häufigsten festgestellten Nebenwirkungen von Travoprost eine verstärkte Rötung der Augen und eine Zunahme der Pigmentierung der Iris. Etwa 20% der Patienten erlebten eine erhöhte Rötung, während rund 6% eine dunklere Färbung der Iris bemerkten.

Wechselwirkungen

Es wurden keine Studien zu Wechselwirkungen durchgeführt.

Kontraindikationen

Travoprost darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Verkehrstüchtigkeit

Travoprost hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Wie bei allen Augentropfen kann es jedoch kurzzeitig zu verschwommenem Sehen oder anderen Sehbeeinträchtigungen kommen, die es vorübergehend schwierig machen, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen. Patienten sollten in solchen Fällen warten, bis ihre Sehkraft wieder vollständig hergestellt ist, bevor sie sich ans Steuer eines Fahrzeugs setzen oder mit Maschinen arbeiten.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Travoprost zu beachten:

  • Veränderung der Augenfarbe: Travoprost kann eine dauerhafte Veränderung der Irisfarbe bewirken, indem es die Pigmentierung erhöht. Dies ist besonders bei Patienten mit gemischten Irisfarben zu beobachten und erfolgt schrittweise, möglicherweise über Jahre. Eine ungleiche Behandlung beider Augen kann zu dauerhafter Heterochromie führen.
  • Veränderungen der periorbitalen Region und der Augenlider: Ein Dunklerwerden der Haut um die Augen und der Augenlider wurde beobachtet, ebenso wie Veränderungen der Wimpern, die länger, dicker und dunkler werden können. Diese Effekte sind Teil der dokumentierten Nebenwirkungen.
  • Anwendung bei bestimmten Augenerkrankungen: Travoprost sollte mit Vorsicht bei Patienten mit entzündlichen Augenerkrankungen, bestimmten Formen von Glaukom und bei Patienten mit akuter Entzündung des Augeninneren eingesetzt werden.
  • Vorsicht bei aphaken Patienten und Risiko für Makulaödem: Bei Patienten ohne natürliche Linse im Auge (aphak) oder bei bestimmten Risikogruppen für zystoides Makulaödem ist Travoprost vorsichtig anzuwenden.
  • Iritis/Uveitis: Bei Neigung zu Iritis oder Uveitis ist bei der Anwendung von Travoprost Vorsicht geboten.
  • Hautkontakt vermeiden: Direkter Hautkontakt mit Travoprost sollte vermieden werden, besonders bei schwangeren Frauen oder solchen, die schwanger werden möchten, um eine Resorption durch die Haut zu verhindern.
  • Umgang mit Kontaktlinsen: Vor der Anwendung von Travoprost sollten Kontaktlinsen entfernt und frühestens 15 Minuten nach der Anwendung wieder eingesetzt werden.
  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Die Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter 3 Jahren sind begrenzt, und bei Kindern unter 2 Monaten liegen keine Daten vor. Bei sehr jungen Kindern bleibt ein chirurgischer Eingriff oft die bevorzugte Behandlungsmethode. Zur Langzeitanwendung bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Daten vor.

Alternativen

Alternativen zu Travoprost, die eingesetzt werden um den Augeninnendruck zu senken, umfassen:

Prostaglandin-Analoga

Beta-Blocker

Carboanhydrase-Inhibitoren

Alpha-2-adrenerge Agonisten

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
500.55 g·mol-1
Autor:
Stand:
04.03.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Travoprost-ratiopharm
  2. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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