Treprostinil
Treprostinil ist ein synthetisches Analogon des natürlichen Prostacyclins, das zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) eingesetzt wird. Es wirkt vasodilatierend auf die pulmonalen arteriellen Gefäße und inhibiert die Thrombozytenaggregation, was zu einer verbesserten Sauerstoffversorgung und einer Reduktion des Blutdrucks in den Lungenarterien führt.
Treprostinil: Übersicht

Anwendung
Treprostinil wird angewendet zur Behandlung von idiopathischer oder familiärer pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) zur Verbesserung der Belastbarkeit und zur Milderung der Krankheitssymptome bei
Patienten mit New York Heart Association (NYHA)-Funktionsklasse III.
Anwendungsart
Treprostinil ist in Form einer Infusionslösung auf dem deutschen Markt verfügbar. Eine subkutane oder intravenöse Dauerinfusion ist die bevorzugte Anwendungsart, wobei subkutane Infusionen aufgrund der Risiken, die mit zentralen Venenverweilkathetern verbunden sind, einschließlich schwerer Infektionen, bevorzugt werden.
Wirkmechanismus
Treprostinil wirkt durch die Aktivierung der Prostazyklin (IP)-Rezeptoren, die eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) spielen. Diese Aktivierung führt zur Stimulierung der Adenylylcyclase und einer anschließenden Erhöhung des intrazellulären zyklischen Adenosinmonophosphats (cAMP). Das erhöhte cAMP bewirkt eine Relaxation der glatten Muskulatur in den pulmonalen Arterien, was zu einer Vasodilatation und einer Senkung des pulmonalarteriellen Widerstands führt.
Zusätzlich hemmt Treprostinil die Thrombozytenaggregation, was das Risiko von thrombotischen Ereignissen in den bereits geschädigten pulmonalen Gefäßen reduziert. Diese kombinierten Effekte von Treprostinil verbessern die Symptome und die körperliche Leistungsfähigkeit von Patienten mit PAH, indem sie den Blutfluss durch die Lungen erhöhen und die Belastung des rechten Herzens verringern.
Dosierung
Behandlungsbeginn für erstmalige Prostazyklintherapie-Patienten:
- Initiale Infusionsrate: 1,25 ng/kg/min, bei schlechter Verträglichkeit Reduktion auf 0,625 ng/kg/min.
- Patienten mit Leberbeeinträchtigung: Initialdosis auf 0,625 ng/kg/min reduzieren, vorsichtige Dosissteigerungen.
Dosisanpassung:
- In den ersten vier Wochen unter ärztlicher Aufsicht schrittweise um 1,25 ng/kg/min pro Woche erhöhen, danach um 2,5 ng/kg/min pro Woche.
- Ziel ist die Einstellung auf eine optimale Erhaltungsdosis, die die Symptome der PAH verbessert, bei akzeptabler Verträglichkeit.
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen:
- Kopfschmerzen
- Vasodilatation, Hitzegefühl
- Diarrhö, Übelkeit
- Hautausschlag
- Kieferschmerzen
- Schmerzen an der Infusionsstelle, Reaktionen an der Infusionsstelle, Blutung oder Hämatom
Häufige Nebenwirkungen:
- Benommenheit
- Hypotonie
- Blutungsereignis
- Erbrechen
- Pruritus
- Myalgie, Arthralgie
- Gliederschmerzen
- Ödem
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Treprostinil zu beachten:
- Diuretika, Antihypertensiva oder andere Vasodilatatoren: Die gleichzeitige Anwendung kann das Risiko einer systemischen Hypotonie erhöhen.
- Thrombozytenaggregationshemmer, einschließlich NSAR und Antikoagulanzien: Treprostinil kann die Thrombozytenfunktion hemmen, wodurch das Blutungsrisiko bei gleichzeitiger Gabe dieser Medikamente erhöht wird. Eine strenge Überwachung ist erforderlich, und die Kombination mit anderen Thrombozytenaggregationshemmern sollte vermieden werden.
- Furosemid: Die Treprostinil-Plasma-Clearance kann bei gleichzeitiger Anwendung leicht herabgesetzt sein.
- Cytochrom-P450 (CYP)-2C8-Induktoren/Inhibitoren: Gemfibrozil (CYP2C8-Inhibitor): Kann die Treprostinil-Exposition beim Menschen verdoppeln. Eine Dosisanpassung von Treprostinil sollte erwogen werden, wenn Gemfibrozil ein- oder abgesetzt wird.
- Rifampicin (CYP2C8-Induktor): Kann die Treprostinil-Exposition um etwa 20% reduzieren. Eine Dosisanpassung von Treprostinil sollte erwogen werden, wenn Rifampicin ein- oder abgesetzt wird.
- Andere CYP2C8-Induktoren wie Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital oder Johanniskraut können die Treprostinil-Exposition verringern. Eine Dosisanpassung für Treprostinil sollte erwogen werden.
- Bosentan: Keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen zwischen Bosentan und Treprostinil in Studien festgestellt.
- Sildenafil: Keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen zwischen Sildenafil und Treprostinil in Studien festgestellt.
Verkehrstüchtigkeit
Zu Beginn der Behandlung oder nach einer Anpassung der Dosierung können Nebenwirkungen wie ein niedriger Blutdruck mit Symptomen oder Schwindelgefühle auftreten. Diese Zustände können die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen sicher zu bedienen, negativ beeinflussen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Treprostinil zu beachten:
- Langzeittherapie: Die Entscheidung für eine Treprostinil-Therapie impliziert in der Regel eine langfristige Behandlung, weshalb die Bereitschaft und Fähigkeit des Patienten, einen Verweilkatheter und ein Infusionsgerät zu handhaben, sorgfältig geprüft werden muss.
- Niedriger Blutdruck: Bei Patienten mit niedrigem systemischem Arteriendruck kann Treprostinil das Risiko einer Hypotonie erhöhen. Die Anwendung bei einem systolischen Blutdruck unter 85 mmHg wird nicht empfohlen.
- Dosisanpassung: Bei Dosisänderungen sollten Blutdruck und Herzfrequenz überwacht werden, um bei Hypotonie oder einem systolischen Blutdruck von 85 mmHg oder darunter die Infusion zu stoppen.
- Abrupter Therapieabbruch: Ein plötzlicher Stopp der Treprostinil-Therapie kann zu einem Rebound der PAH führen. Eine Unterbrechung der Behandlung sollte vermieden werden.
- Pulmonales Ödem: Bei Auftreten eines pulmonalen Ödems während der Treprostinil-Therapie sollte eine pulmonale Venenverschlusskrankheit in Betracht gezogen und die Behandlung gegebenenfalls eingestellt werden.
- Adipositas: Bei adipösen Patienten (BMI über 30 kg/m²) kann Treprostinil langsamer abgebaut werden. Die Dosis sollte auf Basis des Idealgewichts angepasst werden.
- Leberbeeinträchtigung: Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten und eine sorgfältige Dosisanpassung erforderlich.
- Blutungsrisiko: Treprostinil kann durch Hemmung der Thrombozytenaggregation das Blutungsrisiko erhöhen.
- Natriumgehalt: Das Medikament enthält eine signifikante Menge an Natrium, was bei Patienten mit eingeschränkter Natriumtoleranz berücksichtigt werden sollte.
- Wechselwirkungen mit CYP2C8-Inhibitoren und -Induktoren: Die gleichzeitige Anwendung kann die Treprostinil-Exposition beeinflussen und eine Dosisanpassung erforderlich machen.
- Infektionsrisiko bei intravenöser Anwendung: Infektionen des Blutkreislaufs und Sepsis sind Risiken, die mit zentralen Venenkathetern verbunden sind. Die subkutane Infusion wird daher bevorzugt.
- Schulung des Patienten: Patienten müssen gründlich in die Handhabung des Infusionsgerätes eingewiesen werden, um das Risiko von Komplikationen zu minimieren.
Alternativen
Behandlungsalternativen zu Treprostinil für die Therapie der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) umfassen verschiedene Medikamentenklassen, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Pathophysiologie der Erkrankung adressieren:
Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA)
Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren)
Guanylatcyclase-Stimulatoren
Prostazyklin-Analoga und -Analoga
Selektive IP-Rezeptor-Agonisten
- Fachinformation Remodulin
- NCBI: Treprostinil, abgerufen am 05.03.2024
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