Ursodesoxycholsäure
Ursodesoxycholsäure ist eine Gallensäure, die den Gallenfluss fördert und die toxische Wirkung hydrophober Gallensäuren in der Leber reduziert. Sie wird zur Behandlung der primär biliären Cholangitis (PBC) und zur Auflösung von nicht verkalkten Cholesterin-Gallensteinen eingesetzt.
Ursodesoxycholsäure: Übersicht
Anwendung
Ursodesoxycholsäure besitzt folgende Indikationen:
- Primär biliäre Cholangitis (PBC): Ursodesoxycholsäure wird zur Behandlung von Patienten mit primär biliärer Cholangitis eingesetzt, einer chronischen Autoimmunerkrankung, die die Gallengänge in der Leber betrifft. Sie verlangsamt das Fortschreiten der Erkrankung und verbessert die Leberfunktion.
- Cholestase bei Lebererkrankungen: Bei bestimmten cholestatischen Lebererkrankungen, wie z.B. intrahepatischer Cholestase während der Schwangerschaft oder bestimmten Formen von Gallenstauungen, kann Ursodesoxycholsäure eingesetzt werden, um den Gallenfluss zu verbessern und die Symptome zu lindern.
- Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen: Ursodesoxycholsäure ist auch zugelassen zur Auflösung kleiner, nicht verkalkter Cholesterin-Gallensteine bei Patienten, die keine operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) wünschen oder bei denen eine Operation nicht möglich ist.
Wirkmechanismus
Ursodesoxycholsäure (UDCA) ist eine natürlich vorkommende Gallensäure, die in geringer Menge im menschlichen Körper produziert wird. Ihr Wirkmechanismus basiert auf der Verringerung der Konzentration von hydrophoben, toxischen Gallensäuren, die bei cholestatischen Lebererkrankungen in der Leber akkumulieren. UDCA fördert den Gallenfluss (Cholerese) und schützt die Leberzellen (Hepatozyten) durch die Stabilisierung der Zellmembran und die Reduktion der Apoptose. Darüber hinaus wirkt sie entzündungshemmend und immunmodulierend, indem sie die Expression von Molekülen reduziert, die an der Entzündungsreaktion und der Immunzellaktivierung beteiligt sind. UDCA kann auch die Sekretion von Galle und das Abfließen von Gallensäuren fördern, was zu einer Entlastung der Leber führt. Insgesamt verbessert sie somit die Leberfunktion und verlangsamt das Fortschreiten cholestatischer Lebererkrankungen wie der primär biliären Cholangitis (PBC).
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen von Ursodesoxycholsäure sind Durchfall oder weiche, breiige Stühle.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ursodesoxycholsäure zu beachten:
- Colestyramin, Colestipol, aluminiumhaltige Antazida: Diese Substanzen können die Resorption von Ursodesoxycholsäure im Darm hemmen. Eine Einnahme sollte zeitversetzt mindestens 2 Stunden vor oder nach Ursodesoxycholsäure erfolgen.
- Ciclosporin: Ursodesoxycholsäure kann die Resorption von Ciclosporin beeinflussen, weshalb die Ciclosporin-Konzentration im Blut überwacht und die Dosis ggf. angepasst werden sollte.
- Östrogene, orale Kontrazeptiva, Clofibrat: Diese Substanzen können die Gallensteinbildung fördern und somit der Wirkung von Ursodesoxycholsäure entgegenwirken.
- Ciprofloxacin: In Einzelfällen kann die Resorption von Ciprofloxacin durch Ursodesoxycholsäure vermindert werden.
- Rosuvastatin: Die gleichzeitige Anwendung kann zu leicht erhöhten Plasmaspiegeln von Rosuvastatin führen; die klinische Relevanz ist unklar.
- Nitrendipin: Ursodesoxycholsäure kann die Konzentration und Wirkung von Nitrendipin vermindern. Eine engmaschige Überwachung und ggf. Dosisanpassung von Nitrendipin wird empfohlen.
- Dapson: Ein vermindertes therapeutisches Ansprechen auf Dapson wurde berichtet, was möglicherweise auf eine Induktion von Cytochrom P450 3A-Enzymen hinweist.
Kontraindikationen
Ursodesoxycholsäure darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- akuten Ulkuserkrankungen
- entzündlichen Darmerkrankungen und anderen Dünndarm-, Dickdarm- und Leberleiden, die den enterohepatischen Kreislauf der Gallensalze störend beeinflussen (Ileumresektion und Ileostoma, extra- und intrahepatischer Gallenstau, schwere Lebererkrankungen)
- häufigen Gallenkoliken
- röntgendichten, kalzifizierten Gallensteinen
- akuten Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege
- Verschluss der Gallenwege (Choledochus- oder Zystikusverschluss)
- eingeschränkter Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase
- wenn die Gallenblase röntgenologisch nicht darstellbar ist
Schwangerschaft
Ursodesoxycholsäure sollte während der ersten drei Schwangerschaftsmonate möglichst vermieden werden, es sei denn, es liegt eine primär biliäre Zirrhose vor, die eine fortlaufende Behandlung erfordert. Im 2. und 3. Trimenon wird die Therapie erfolgreich zur Behandlung der Schwangerschaftscholestase eingesetzt, um Symptome wie Juckreiz zu lindern und Schwangerschaftskomplikationen zu reduzieren. Nach Bekanntwerden einer Schwangerschaft sollte Ursodesoxycholsäure abgesetzt werden, wenn die Grunderkrankung dies zulässt.
Stillzeit
In der Stillzeit wird Ursodesoxycholsäure als sicher angesehen, da nur sehr geringe Mengen in die Muttermilch übergehen. Eine Therapie während der Stillzeit, beispielsweise bei primär biliärer Zirrhose, erfordert keine Einschränkung des Stillens.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ursodesoxycholsäure zu beachten:
- Ärztliche Kontrolle: Ursodesoxycholsäure sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. In den ersten 3 Monaten der Behandlung sollten die Leberparameter (AST, ALT, γ-GT) alle 4 Wochen kontrolliert werden, danach alle 3 Monate, um mögliche Leberfunktionsstörungen frühzeitig zu erkennen.
- Gallensteinauflösung: Vor Beginn einer Therapie zur Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen muss der Cholesterol-Charakter der Steine bestätigt werden. Die Wirksamkeit der Behandlung sollte alle 6 Monate mittels Cholezystografie oder Echografie überprüft werden.
- Kontraindikationen bei Gallensteinauflösung: Ursodesoxycholsäure sollte nicht angewendet werden bei röntgenologisch nicht darstellbarer Gallenblase, kalzifizierten Gallensteinen, gestörter Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase und häufigen Gallenkoliken.
- Verhütungsmethoden: Frauen im gebärfähigen Alter, die Ursodesoxycholsäure zur Gallensteinauflösung einnehmen, sollten nicht-hormonelle Verhütungsmethoden verwenden, da hormonelle Kontrazeptiva die Bildung von Gallensteinen fördern können.
- Leberzirrhose: In seltenen Fällen wurde eine Dekompensation der Leberzirrhose bei Patienten mit primär biliärer Zirrhose beobachtet, die nach Absetzen der Behandlung teilweise reversibel war.
- Diarrhö: Bei Auftreten von Durchfall sollte die Dosis reduziert werden. Bei anhaltender Diarrhoe sollte die Behandlung abgebrochen werden.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Ursochol® 300mg Tabletten
- Embryotox - Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. "Ursodeoxycholsäure." Abgerufen am 3. September 2024
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