Vibegron
Vibegron ist ein selektiver Beta-3-Adrenozeptor-Agonist, der zur Behandlung des überaktiven Blasensyndroms eingesetzt wird. Er wirkt, indem er die Blasenmuskulatur entspannt und so unwillkürlichen Harndrang, häufiges Wasserlassen und Dranginkontinenz reduziert.
Vibegron: Übersicht
Anwendung
Vibegron ist ein neues Medikament, das zur Behandlung von Erwachsenen mit überaktiver Blase angewendet wird. Das Medikament ist für Patienten geeignet, die Symptome wie imperativen Harndrang, erhöhte Miktionsfrequenz oder Dranginkontinenz aufweisen.
Anwendungsart
Vibegron (Obgemsa) ist in Form von Filmtabletten erhältlich und wird einmal täglich eingenommen. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen, idealerweise mit einem Glas Wasser. Bei Bedarf können die Tabletten auch zerkleinert und mit weicher Nahrung wie Apfelmus gemischt werden.
Wirkmechanismus
Vibegron bindet als Beta-3-Adrenozeptoragonist an Beta-3-Adrenozeptoren, die überwiegend in der glatten Muskulatur der Harnblase vorkommen, und aktiviert daraufhin Gs-Proteine, was zur Aktivierung der Adenylylcyclase und zur Umwandlung von ATP in cAMP führt. Der Anstieg von cAMP aktiviert die Proteinkinase A (PKA), die Zielproteine phosphoryliert, wodurch die intrazelluläre Calciumkonzentration abnimmt. Dies führt zur Relaxation der glatten Muskulatur des Detrusors und lindert die Symptome des überaktiven Blasensyndroms, wie Dranginkontinenz und häufiger Harndrang.
Pharmakokinetik
Resorption
- Die maximale Plasmakonzentration (Cmax) und die Fläche unter der Kurve (AUC) von Vibegron steigen bei höheren Dosen nicht linear, sondern überproportional an.
- Der Steady-State wird bei täglicher Einnahme innerhalb von sieben Tagen erreicht, das Akkumulationsverhältnis beträgt 1,7 für Cmax und 2,4 für AUC.
- Die mediane Zeit bis zur maximalen Konzentration (Tmax) liegt bei 1 bis 3 Stunden.
- Das Zerkleinern der Tablette und die Einnahme mit Apfelmus beeinflussen die Pharmakokinetik von Vibegron nicht wesentlich.
Einfluss von Nahrung
- Die Einnahme einer 75-mg-Dosis zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit reduziert Cmax um 63% und AUC um 37%.
- Im Steady-State sind die Auswirkungen der Nahrung geringer, sodass Vibegron unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann.
Verteilung
- Das Verteilungsvolumen von Vibegron beträgt etwa 9.120 Liter.
- Die Plasmaproteinbindung liegt bei ca. 50%, und das Blut-Plasma-Konzentrationsverhältnis beträgt 0,9.
Biotransformation
- Vibegron wird durch Oxidation und direkte Glucuronidierung metabolisiert, wobei der Metabolismus kein wesentlicher Ausscheidungsweg ist.
- Im Plasma wurde ein Phase-II-Glucuronid-Metabolit gefunden, der 12-14% der Gesamtbelastung ausmacht.
- Verschiedene UGT-Enzyme (z. B. UGT1A3, UGT1A4) und in geringerem Maße CYP3A4 sind an der Metabolisierung beteiligt.
Elimination
- Die mittlere terminale Halbwertszeit (t½) liegt zwischen 59 und 94 Stunden, die effektive Halbwertszeit beträgt 31 Stunden.
- Nach oraler Gabe wurden etwa 59% im Stuhl und 20% im Urin ausgeschieden, wobei der Großteil unverändert blieb.
- Die Ausscheidung über die Nieren und die biliäre Ausscheidung tragen zur Elimination bei, während der hepatische Metabolismus eine geringere Rolle spielt.
Eingeschränkte Nierenfunktion
- Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion erhöhen sich die Cmax und AUC im Vergleich zu Patienten mit normaler Nierenfunktion je nach Schweregrad der Niereninsuffizienz.
- Eine Dosisanpassung wird bei leicht bis stark eingeschränkter Nierenfunktion nicht empfohlen, aber die Anwendung bei terminaler Niereninsuffizienz wird nicht empfohlen.
Eingeschränkte Leberfunktion
- Bei Patienten mit mäßig eingeschränkter Leberfunktion (Child-Pugh B) steigt Cmax und AUC um das 1,3-fache.
- Eine Dosisanpassung wird für Patienten mit leicht bis mäßig eingeschränkter Leberfunktion nicht empfohlen; bei schwer eingeschränkter Leberfunktion wird die Anwendung nicht empfohlen.
Kinder und Jugendliche
- Es liegen keine Daten zur Pharmakokinetik bei Patienten unter 18 Jahren vor.
Andere besondere Patientengruppen
- Alter, Gewicht, Geschlecht und ethnische Herkunft zeigten keine klinisch bedeutsamen Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Vibegron.
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt 75 mg Vibegron einmal täglich. Für Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sind keine Anpassungen der Dosierung erforderlich, jedoch sollte das Medikament bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz nicht angewendet werden, da hierfür keine Untersuchungen vorliegen.
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Harnwegsinfektionen (6,6%), Kopfschmerzen (5%), Diarrhoe (3,1%) und Übelkeit (3%). Bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten (0,9%) führten Nebenwirkungen zum Abbruch der Behandlung, am häufigsten wegen Kopfschmerzen, Obstipation, Diarrhoe oder Ausschlag.
Wechselwirkungen
Vibegron wird durch das Enzym Cytochrom P450 (CYP3A4) sowie mehrere UGT-Enzyme und den Effluxtransporter P-Glykoprotein (P-gp) verstoffwechselt. Bei gleichzeitiger Anwendung mit starken CYP3A4-Inhibitoren, wie beispielsweise Ketoconazol, kann die Konzentration von Vibegron im Blut ansteigen. Eine Dosisanpassung ist in solchen Fällen jedoch normalerweise nicht erforderlich.
Kontraindikationen
Vibegron darf nicht angewendet werden bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber Vibegron oder einem der sonstigen Bestandteile des Medikaments.
Schwangerschaft
Vibegron sollte bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Verhütungsmittel verwenden, nicht angewendet werden. Es liegen nur begrenzte Daten zur Anwendung von Vibegron während der Schwangerschaft vor, und tierexperimentelle Studien haben Hinweise auf eine schädliche Wirkung auf die Reproduktion gezeigt. Daher wird die Anwendung von Vibegron in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Sollte eine Schwangerschaft geplant oder festgestellt werden, ist die Behandlung abzubrechen und gegebenenfalls auf eine alternative Therapie umzusteigen.
Stillzeit
Ob Vibegron oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen, ist nicht bekannt. Tierstudien legen jedoch nahe, dass eine Ausscheidung in die Milch erfolgt. Ein Risiko für gestillte Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden, daher wird die Anwendung von Vibegron während der Stillzeit nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Vibegron hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Obgemsa zu beachten:
- Patienten mit Blasenausgangsobstruktion: Bei Patienten mit einer Obstruktion am Blasenausgang kann das Risiko eines Harnverhalts erhöht sein. Eine sorgfältige Überwachung ist notwendig.
- Patienten, die Antimuskarinika einnehmen: Das Risiko für Harnverhalt kann erhöht sein, wenn Vibegron zusammen mit Muskarinantagonisten eingenommen wird. Vor und während der Behandlung sollte auf Anzeichen und Symptome eines Harnverhalts geachtet werden.
- Harnverhalt: Bei Auftreten von Harnverhalt sollte Vibegron abgesetzt werde
Alternativen
Medikamentöse Alternativen zu Vibegron zur Behandlung des überaktiven Blasensyndroms umfassen folgende Arzneimittelgruppen:
Antimuskarinika:
Diese Medikamente hemmen die Aktivität der muskarinischen Acetylcholinrezeptoren in der Blase, wodurch die unwillkürlichen Kontraktionen der Blase reduziert werden. Beispiele sind:
Andere β3-Adrenozeptor-Agonisten:
- Mirabegron: Ein β3-Adrenozeptor-Agonist, ähnlich wie Vibegron, der die Blasenmuskulatur entspannt und die Symptome des überaktiven Blasensyndroms lindert.
Botulinumtoxin-Injektionen
- Botulinumtoxin A kann direkt in den Blasenmuskel injiziert werden, um die Aktivität der Blasenmuskulatur zu hemmen und so den Harndrang zu reduzieren.
Desmopressin
- In bestimmten Fällen kann Desmopressin eingesetzt werden, um die Urinproduktion zu reduzieren und vor allem nächtlichen Harndrang zu lindern.
Trizyklische Antidepressiva
- Amitriptylin und andere trizyklische Antidepressiva können manchmal zur Behandlung von Blasenproblemen eingesetzt werden, insbesondere wenn diese durch eine neurologische Erkrankung bedingt sind.
Phytopharmaka
- Bestimmte pflanzliche Präparate, wie Kürbiskernextrakte oder Sägepalme, werden manchmal zur Linderung von Blasenbeschwerden verwendet. Diese sind jedoch in der Regel weniger wirksam und haben keine evidenzbasierte Zulassung für das überaktive Blasensyndrom.
Die Wahl der Alternativen hängt von den individuellen Symptomen, Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit ab. Vor der Umstellung sollte immer eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Obgemsa
- Kennelly, Michael J., et al. "Efficacy of vibegron and mirabegron for overactive bladder: a systematic literature review and indirect treatment comparison." Advances in Therapy 38 (2021): 5452-5464.
- Keam, Susan J. "Vibegron: first global approval." Drugs 78 (2018): 1835-1839.
Abbildung
Dr. Isabelle Viktoria Maucher; Created with BioRender.com










