Vortioxetin

Vortioxetin ist ein Antidepressivum, das zur Behandlung von Major Depression bei Erwachsenen eingesetzt wird. Es wirkt als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und moduliert verschiedene Serotoninrezeptoren. Diese duale Wirkungsweise führt zur Verbesserung der Neurotransmitter-Balance im Gehirn, was wiederum depressive Symptome lindert.

Vortioxetin

Anwendung

Vortioxetin (Brintellix) ist indiziert zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen.

In Deutschland wurde der Vertrieb von Brintellix aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Wirkmechanismus

Vortioxetin ist ein Antidepressivum, das als selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Modulator mehrerer Serotoninrezeptoren wirkt. Es ist ein Agonist an 5-HT1A-Rezeptoren, ein partieller Agonist an 5-HT1B-Rezeptoren und ein Antagonist an 5-HT3-, 5-HT1D- und 5-HT7-Rezeptoren. Diese vielfältige Interaktion mit dem Serotoninsystem trägt dazu bei, die Freisetzung verschiedener Neurotransmitter im Gehirn zu beeinflussen, was zur Linderung depressiver Symptome beitragen kann.

Dosierung

Die Initialdosis und die empfohlene Dosis von Vortioxetin bei Erwachsenen unter 65 Jahren beträgt 10 mg einmal täglich.

Nebenwirkungen

Die häufigste Nebenwirkung von Vortioxetin ist Übelkeit. Generell sind die Nebenwirkungen leicht oder mittelschwer und treten innerhalb der ersten zwei Behandlungswochen auf. Gastrointestinale Nebenwirkungen, wie z. B. Übelkeit, traten in klinischen Studien mit Vortioxetin bei Frauen häufiger auf als bei Männern.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Vortioxetin zu beachten:

  • Metabolisierung: Vortioxetin wird hauptsächlich in der Leber abgebaut, vorrangig durch CYP2D6 und in geringerem Maße durch CYP3A4/5 und CYP2C9.
  • Wechselwirkungen mit MAO-Hemmern: Kombination mit irreversiblen, nicht-selektiven MAO-Hemmern ist kontraindiziert (Risiko eines Serotonin-Syndroms). Bei reversiblen, selektiven MAO-A-Hemmern (z.B. Moclobemid) und nicht-selektiven MAO-Hemmern (z.B. Linezolid) ist Vorsicht geboten.
  • Wechselwirkungen mit serotonergen Arzneimitteln: Gleichzeitige Anwendung mit anderen serotonergen Medikamenten (z.B. Tramadol, Triptane) kann ein Serotonin-Syndrom auslösen. Vorsicht bei Kombination mit Johanniskraut.
  • Krampfschwellensenkende Medikamente: Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von Medikamenten, die die Krampfschwelle senken
  • CYP2D6-Inhibitoren: Vortioxetin-Exposition kann sich z. B. bei gleichzeitiger Anwendung mit Bupropion erhöhen.
  • CYP3A4- und CYP2C9-Inhibitoren: Geringfügige Zunahme der Vortioxetin-Exposition bei gleichzeitiger Anwendung.
  • Wechselwirkungen bei schlechten CYP2D6-Metabolisierern: Stärkere Erhöhung der Vortioxetin-Exposition möglich.
  • CYP450-Induktoren: Vortioxetin-Exposition kann sich verringern, z.B. bei gleichzeitiger Anwendung mit Rifampicin.
  • CYP450-Substrate: Keine relevante Inhibition oder Induktion durch Vortioxetin.
  • Alkohol: Keine signifikante Beeinträchtigung, aber Alkoholkonsum während der Behandlung ist nicht ratsam.
  • Acetylsalicylsäure: Keine Wirkung auf die Pharmakokinetik von Vortioxetin.
  • Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer: Keine signifikanten Effekte, aber Vorsicht ist geboten.
  • Lithium, Tryptophan: Keine klinisch relevante Wirkung, aber Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung.

Kontraindikationen

Vortioxetin darf nicht angewendet werden bei:

Schwangerschaft

Es gibt nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Vortioxetin bei schwangeren Frauen. Tierstudien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt.

Bei Neugeborenen, deren Mütter serotonerge Arzneimittel während der Schwangerschaft einnahmen, können Symptome wie Atemnot, Krampfanfälle, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Erbrechen und Schlafstörungen auftreten. Diese könnten auf Entzugserscheinungen oder übermäßige serotonerge Aktivität zurückzuführen sein und treten meist kurz nach der Geburt auf.

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die Anwendung von SSRIs während der Schwangerschaft, insbesondere im späten Stadium, das Risiko einer persistierenden pulmonalen Hypertonie bei Neugeborenen erhöhen kann. Obwohl kein direkter Zusammenhang mit Vortioxetin nachgewiesen wurde, kann dieses Risiko aufgrund des ähnlichen Wirkmechanismus nicht ausgeschlossen werden.

Vortioxetin darf deshalb während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es unbedingt notwendig ist.

Stillzeit

Tierstudien zeigen, dass Vortioxetin in die Milch übergeht, was darauf hindeutet, dass es auch beim Menschen in die Muttermilch übergehen könnte. Ein Risiko für den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss deshalb abgewogen werden, ob das Stillen unterbrochen oder die Behandlung mit Vortioxetin beendet wird, wobei der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Therapie für die Mutter berücksichtigt werden sollten.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Vortioxetin zu beschten:

  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Nicht empfohlen für unter 18-Jährige, da Sicherheit und Wirksamkeit unklar. Risiko für suizidales Verhalten und Feindseligkeit bei jungen Patienten höher.
  • Suizidrisiko: Erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und -verhalten bei depressiven Patienten, besonders zu Behandlungsbeginn. Besondere Überwachung bei Patienten mit Suizidgedanken in der Vorgeschichte.
  • Krampfanfälle: Vorsicht bei Patienten mit Epilepsie oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte.
  • Serotonin-Syndrom und malignes neuroleptisches Syndrom: Risiko für lebensbedrohliche Zustände bei gleichzeitiger Einnahme von serotonergen Wirkstoffen, MAO-Hemmern, Antipsychotika und anderen Dopaminantagonisten. Überwachung auf Symptome und sofortiges Absetzen bei Auftreten.
  • Manie/Hypomanie: Vorsicht bei Patienten mit manischer oder hypomanischer Vorgeschichte.
  • Hämorrhagie: Risiko für ungewöhnliche Blutungen, besonders bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern oder bei Blutungsneigung.
  • Hyponatriämie: Selten, aber möglich, besonders bei älteren Patienten oder solchen mit Leberzirrhose.
  • Ältere Patienten: Begrenzte Daten verfügbar; Vorsicht bei Dosen über 10 mg täglich.
  • Nieren- und Leberfunktionsstörungen: Vorsicht bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, da begrenzte Daten verfügbar.

Alternativen

Alternativen von Vortioxetin hängen von der spezifischen Situation und den Bedürfnissen des Patienten ab. Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva, die als Alternativen in Betracht gezogen werden können:

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs)

Trizyklische Antidepressiva (TCAs)

Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)

  • Beispiele: Tranylcypromin
  • Wird in der Regel bei Patienten eingesetzt, die auf andere Antidepressiva nicht ansprechen.

Atypische Antidepressiva

  • Beispiele: Bupropion, Mirtazapin
  • Eine heterogene Gruppe, die nicht in die oben genannten Kategorien fällt.

Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI)

  • Beispiel: Bupropion
  • Kann bei Patienten mit Energieverlust und Antriebsmangel hilfreich sein.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
298.45 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
11.12.2023
Quelle:
  1. Europäische Kommission: Fachinformation Brintellix
  2. Kuhn, J., and K. Wiedemann. "Vortioxetin." Die Psychiatrie 12.03 (2015): 201-210.
  3. Chen, Grace, et al. "Vortioxetine: clinical pharmacokinetics and drug interactions." Clinical pharmacokinetics 57 (2018): 673-686.
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