Ziconotid
Ziconotid ist ein synthetisches Peptid-Analgetikum, das an N-Typ-Calciumkanäle in den schmerzleitenden Neuronen des Rückenmarks bindet, um die Freisetzung schmerzvermittelnder Neurotransmitter zu blockieren. Es wird intrathekal zur Behandlung schwerer chronischer Schmerzen bei Patienten eingesetzt, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen.
Ziconotid: Übersicht
Anwendung
Ziconotid (Prialt®) wird angewendet zur Behandlung von starken, chronischen Schmerzen bei Erwachsenen, die eine intrathekale (i.th.) Analgesie benötigen.
Anwendungsart
Ziconotid wird intrathekal appliziert. Das bedeutet, dass das Medikament direkt in den Liquorraum des Rückenmarks verabreicht wird. Diese Methode ermöglicht es, dass Wirkstoffe direkt in die zerebrospinale Flüssigkeit gelangen, die Gehirn und Rückenmark umspült. Dadurch können Medikamente effektiver und zielgerichteter wirken, da sie unmittelbar an den zentralen Nervensystemstrukturen agieren, ohne die Blut-Hirn-Schranke passieren zu müssen.
Wirkmechanismus
Ziconotid wirkt als Antagonist der spannungsabhängigen N-Typ-Calciumkanäle an präsynaptischen Nervenendigungen im Rückenmark. Durch die Bindung an diese Kanäle inhibiert Ziconotid den Calciumeinstrom in die Nervenzellen. Da Calciumionen eine Schlüsselrolle bei der Freisetzung von Neurotransmittern aus den präsynaptischen Vesikeln spielen, führt die Hemmung des Calciumeinstroms durch Ziconotid zu einer verminderten Ausschüttung von schmerzvermittelnden Neurotransmittern wie Substanz P, Glutamat und Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im Hinterhorn des Rückenmarks. Dies führt zu einer signifikanten Reduktion der Schmerzsignalübertragung vom Rückenmark zum Gehirn.
Dosierung
Initiale Dosis:
Startdosis: Nicht mehr als 2,4 μg/Tag.
Dosistitration:
- Dosiserhöhungen: ≤ 2,4 μg/Tag, mit einem minimalen Intervall von 24 Stunden zwischen den Erhöhungen. Aus Sicherheitsgründen wird ein Intervall von mindestens 48 Stunden empfohlen.
- Höchstdosis: 21,6 μg/Tag (0,9 μg/h).
- Median wirksame Dosis: Ca. 6,0 μg/Tag, wobei ca. 75% der Responder in Studien ≤ 9,6 μg/Tag benötigten. In der Praxis könnten geringere Dosen (ca. 3,0 μg/Tag bis 4,5 μg/Tag) zur Einschränkung von Nebenwirkungen ausreichend sein.
Nebenwirkungen
Sehr häufig kommt es bei der Anwendung von Ziconotid zu folgenden Nebenwirkungen:
- Verwirrung
- Schwindel
- Nystagmus
- Gedächtnisstörungen
- Kopfschmerzen
- Somnolenz
- Verschwommensehen
- Übelkeit, Erbrechen
- Gangabnormalitäten
- Asthenie
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ziconotid zu beachten:
- Intrathekale Chemotherapie: Kombination mit Ziconotid ist nicht zulässig
- Systemische Chemotherapie: Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung
- Peptidasen/Proteasen beeinflussende Medikamente: Kein signifikanter Einfluss auf Ziconotid erwartet
- Opiate: Nicht mit Opiatrezeptoren interagierend; Opiate sollten bei Ziconotidbeginn ausschleichend beendet werden. Besondere Vorsicht bei Kombination mit intrathekalem Morphin wegen möglicher neuropsychiatrischer Nebenwirkungen
- Zentral wirksame Medikamente: Erhöhte Somnolenz bei Kombination mit Baclofen, Clonidin, Bupivacain oder Propofol; gleichzeitige Anwendung wird nicht empfohlen
- Partielle Opiatrezeptoragonisten: Keine Daten zur gleichzeitigen Anwendung vorhanden
Kontraindikationen
Ziconotid darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile
- Kombination mit einer intrathekalen (i.th.) Chemotherapie
- Psychosen, die unter Ziconotid in der Vorgeschichte auftraten
- Suizidversuch oder Suizidgedanken, die unter Ziconotid in der Vorgeschichte auftraten
- Infektion an der Mikroinfusions-Injektionsstelle, unkontrollierte hämorrhagische Diathese und Spinalkanalobstruktion, die das Zirkulieren des Liquors (CSF) beeinträchtigt
Verkehrstüchtigkeit
Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie Verwirrung, Schläfrigkeit und anderen unerwünschten neurologischen Effekten sollten Patienten darauf hingewiesen werden, in solchen Fällen nicht Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ziconotid zu beachten:
- Neuropsychiatrische Untersuchungen: Patienten sollten vor, während und nach der intrathekalen Gabe von Ziconotid sowie bei Anzeichen von Depression neuropsychiatrisch untersucht werden.
- Langzeitanwendung: Vorsicht ist bei Langzeitanwendung geboten, da mögliche lokale toxische Wirkungen auf das Rückenmark nicht ausgeschlossen wurden.
- Infektionsrisiko: Die intrathekale Anwendung birgt das Risiko schwerwiegender Infektionen wie Meningitis. Patienten und Ärzte müssen auf Meningitissymptome achten.
- Katheterplatzierung: Die optimale Platzierung der Katheterspitze ist entscheidend, um neurologische Nebenwirkungen zu minimieren und die Wirksamkeit zu maximieren.
- Erhöhungen der Kreatinkinase: Häufige, meist asymptomatische Erhöhungen der Kreatinkinase können auftreten. Bei progressiver Erhöhung oder Anzeichen einer Myopathie oder Rhabdomyolyse sollte Ziconotid möglicherweise abgesetzt werden.
- Allergische Reaktionen: Obwohl in Studien nicht beobachtet, können schwere allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen werden.
- Kognitive und neuropsychiatrische Wirkungen: Unerwünschte kognitive und neuropsychiatrische Effekte wie Verwirrung und Halluzinationen sind häufig. Bei Anzeichen sollte die Dosis reduziert oder Ziconotid abgesetzt werden.
- Suizidrisiko: Ziconotid kann Depressionen verschlimmern oder auslösen. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit Suizidgedanken oder -versuchen in der Vorgeschichte geboten.
- ZNS-Depression: Bewusstseinsbeeinträchtigungen ohne Atemdepression können auftreten. Bei solchen Ereignissen sollte die Behandlung mit Ziconotid ausgesetzt werden.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Prialt
- Löschner, Denise, et al. "Was wurde eigentlich aus Prialt®?: Beobachtungsstudie über den Langzeiteinsatz von Ziconotid in der Behandlung chronischer Schmerzen." Schmerz (Berlin, Germany) 35.5 (2021): 343.
- Ameri, Abdol A. "Mit Ziconotid starke chronische Schmerzen intrathekal bekämpfen." Orthopädie & Rheuma 15.2 (2012): 77-77.










