Ceftazidim

Ceftazidim ist ein Cephalosporin der dritten Generation, das durch Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese bakterizid wirkt. Es wird zur Behandlung schwerer bakterieller Infektionen, wie nosokomiale Pneumonien oder bakterielle Meningitis, eingesetzt.

Ceftazidim

Anwendung

Ceftazidim wird angewendet bei schweren bakteriellen Infektionen, insbesondere durch aerobe gramnegative Erreger, und umfasst:

  • Nosokomiale Pneumonie
  • Broncho-pulmonale Infektionen bei Mukoviszidose
  • Bakterielle Meningitis
  • Chronisch eitrige Otitis media und maligne Otitis externa
  • Komplizierte Harnwegsinfektionen
  • Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen
  • Komplizierte intraabdominellen Infektionen
  • Knochen- und Gelenksinfektionen
  • Peritonitis bei Dialyse (CAPD)
  • Fiebriger Verlauf bei Neutropenie, verursacht durch eine vermutete bakterielle 
    Infektion
  • Bakteriämie, assoziiert oder vermutet im Zusammenhang mit den genannten Infektionen
  • Perioperative Prophylaxe bei transurethraler Resektion der Prostata (TURP)

Ceftazidim ist in der Regel kein First-Line-Antibiotikum, sondern wird als Reserveantibiotikum eingesetzt. Es wird bevorzugt bei schweren Infektionen verwendet, insbesondere bei nachgewiesener oder stark vermuteter Beteiligung von aeroben gramnegativen Erregern, einschließlich multiresistenter Keime wie Pseudomonas aeruginosa.

Als First-Line-Antibiotikum kommt es meist nur dann in Frage, wenn:

  • Spezifische Resistenzen gegen gängige Antibiotika vorliegen.
  • Kritische Patientenpopulationen betroffen sind, wie z. B. neutropenische oder immungeschwächte Patienten.
  • Es eine dokumentierte Sensibilität des Erregers gibt.

Anwendungsart

Ceftazidim wird als intravenöse oder intramuskuläre Injektions- oder Infusionslösung angewendet. Intramuskuläre Injektionen werden vorzugsweise in den oberen äußeren Quadranten des Gesäßmuskels oder den lateralen Oberschenkel verabreicht.

Wirkmechanismus

Ceftazidim ist ein Cephalosporin der dritten Generation, das durch Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese bakterizid wirkt. Der Wirkstoff bindet spezifisch an Penicillin-Bindeproteine (PBPs), insbesondere PBP3 bei gramnegativen Bakterien, und blockiert dadurch die Quervernetzung von Peptidoglykanen, einem essenziellen Bestandteil der bakteriellen Zellwand. Dies führt zur Schwächung der Zellwandintegrität, was osmotische Instabilität, Zelllyse und schließlich den Tod der Bakterien zur Folge hat.

Darüber hinaus beeinflusst Ceftazidim die bakterielle Signaltransduktion, indem es die Synthese von Autolysinen stimuliert, die den Zellwandabbau weiter verstärken. Bei empfindlichen gramnegativen Erregern, wie Pseudomonas aeruginosa, greift es an der äußeren Zellmembran an, um PBPs effizient zu erreichen.

Cephalosporine Transpeptidase

Pharmakokinetik

Resorption

  • Wird ausschließlich parenteral verabreicht (intravenös oder intramuskulär).
  • Nach intramuskulärer Gabe werden Spitzenplasmaspiegel von 18 mg/l (0,5 g) bzw. 37 mg/l (1 g) erreicht.
  • Die Pharmakokinetik ist linear im Dosierungsbereich von 0,5–2 g.

Verteilung

  • Geringe Serumproteinbindung (~10%).
  • Gute Gewebepenetration, höhere Konzentrationen als die minimale Hemmkonzentration (MIC) in Knochen, Synovialflüssigkeit, Pleuraflüssigkeit, Peritoneum und anderen Geweben.
  • Schwache Penetration durch die Blut-Hirn-Schranke bei nicht entzündeten Hirnhäuten; bei entzündeten Hirnhäuten werden jedoch therapeutische Konzentrationen (4–20 mg/l) erreicht.
  • Übertritt in die Muttermilch und schnelle Plazentapassage.

Elimination

  • Hauptsächlich unverändert über die Nieren durch glomeruläre Filtration (~80–90% innerhalb von 24 Stunden).
  • Halbwertszeit: ~2 Stunden bei normaler Nierenfunktion.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion verlängert sich die Eliminationshalbwertszeit erheblich.

Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik

  • Reduzierte Nierenfunktion: Die Elimination ist stark abhängig von der glomerulären Filtration, weshalb die Dosis entsprechend angepasst werden muss. Ohne Anpassung drohen erhöhte Plasmaspiegel, die zu neurologischen Komplikationen (z. B. Enzephalopathie) führen können.
  • Ältere Patienten: Altersbedingt verringerte renale Clearance führt zu einer verlängerten Halbwertszeit (3,5–4 Stunden). Dosisanpassung bei Patienten >80 Jahre erforderlich.
  • Kinder und Neugeborene: Bei Neugeborenen und Frühgeborenen ist die Halbwertszeit verlängert (4,5–7,5 Stunden) aufgrund unreifer Nierenfunktion.
  • Optimale Gewebepenetration: Die gute Verteilung in verschiedene Gewebe macht Ceftazidim ideal für Infektionen in schwer zugänglichen Bereichen wie Knochen oder Hirnhäuten.
  • Blut-Hirn-Schranke: Bei entzündeten Hirnhäuten therapeutisch wirksam; bei nicht entzündeten Hirnhäuten nur begrenzte Wirkung.

Dosierung

Dosierungsübersicht von Ceftazidim bei verschiedenen Indikationen und Patientengruppen:

Erwachsene und Kinder ≥40 kg

  • Standarddosierung für schwere Infektionen (z. B. nosokomiale Pneumonie, bakterielle Meningitis, Bakteriämie, komplizierte Haut-, Weichteil- und intraabdominelle Infektionen, Peritonitis bei Dialyse, chronisch eitrige Otitis media, maligne Otitis externa): 1–2 g alle 8 Stunden
  • Fiebrige Neutropenie: 2 g alle 8 Stunden
  • Komplizierte Harnwegsinfektionen: 1–2 g alle 8 oder 12 Stunden
  • Broncho-pulmonale Infektionen bei Mukoviszidose: 100–150 mg/kg pro Tag, aufgeteilt in 3 Dosen (Maximaldosis: 9 g/Tag)
  • Perioperative Prophylaxe bei TURP: 1 g zu Beginn der Anästhesie, zweite Dosis beim Entfernen des Katheters

Kinder <40 kg und Kleinkinder >2 Monate

  • Standarddosierung für komplizierte Infektionen (alle oben genannten): 100–150 mg/kg pro Tag, aufgeteilt in 3 Dosen (Maximaldosis: 6 g/Tag)
  • Fiebrige Neutropenie oder Broncho-pulmonale Infektionen bei Mukoviszidose: 150 mg/kg pro Tag, aufgeteilt in 3 Dosen

Neugeborene und Kinder ≤ 2 Monate

  • Standarddosierung: 25–60 mg/kg pro Tag, aufgeteilt in 2 gleiche Dosen

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Angepasste Erhaltungsdosis nach Kreatinin-Clearance:

  • 31–50 ml/min: 1 g alle 12 Stunden
  • 16–30 ml/min: 1 g alle 24 Stunden
  • 6–15 ml/min: 0,5 g alle 24 Stunden
  • <5 ml/min: 0,5 g alle 48 Stunden

Dauerinfusionen (spezielle Fälle)

  • Startdosis: 2 g, gefolgt von 4–6 g in kontinuierlicher Infusion über 24 Stunden

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Ceftazidim (≥10%) sind:

  • Makulopapulöser oder urtikarieller Ausschlag
  • Diarrhö
  • Eosinophilie
  • Thrombozytose
  • Schmerz und/oder Entzündung an der Injektionsstelle (bei intramuskulärer Gabe)

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ceftazidim zu beachten:

  • Nephrotoxische Medikamente: Die gleichzeitige Anwendung mit Aminoglykosiden oder hochdosierten Diuretika wie Furosemid kann die Nierenfunktion beeinträchtigen.
  • Chloramphenicol: In-vitro-Tests zeigen eine antagonistische Wirkung zwischen Ceftazidim und Chloramphenicol; die klinische Relevanz ist jedoch unklar.
  • Probenecid: Keine Wechselwirkungen bekannt, da Ceftazidim nicht renal tubulär sekretiert wird.
  • Coombs-Test: Ceftazidim kann zu einem falsch-positiven Coombs-Test führen und die Interpretation von Blutgruppenbestimmungen erschweren.

Kontraindikationen

Ceftazidim darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Ceftazidim, andere Cephalosporine oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Schwerer Überempfindlichkeit (z. B. anaphylaktische Reaktion) gegen andere Beta-Lactam-Antibiotika wie Penicilline, Monobactame oder Carbapeneme in der Anamnese.

Schwangerschaft

Die Anwendung von Ceftazidim in der Schwangerschaft sollte nur erfolgen, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt. Tierstudien zeigen keine direkten oder indirekten schädlichen Auswirkungen auf Schwangerschaft, fötale Entwicklung oder Geburt.

Stillzeit

Ceftazidim geht in geringen Mengen in die Muttermilch über, klinisch relevante Auswirkungen auf gestillte Kinder sind nicht bekannt. Es kann während der Stillzeit angewendet werden, wenn dies medizinisch notwendig ist.

Verkehrstüchtigkeit

Es liegen keine Untersuchungen zu Einschränkungen der Verkehrstüchtigkeit vor. Das Wirkprofil von Ceftazidim beeinflusst die Fähigkeit nicht, allerding können Nebenwirkungen wie Schwindel zur eingeschränkten Verkehrstüchtigkeit führen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ceftazidim zu beachten:

  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei Patienten mit bekannter Allergie gegen Beta-Lactam-Antibiotika besteht ein erhöhtes Risiko schwerer, potenziell tödlicher Reaktionen.
  • Schwere Hautreaktionen: Es wurden Fälle von Stevens-Johnson-Syndrom, toxischer epidermaler Nekrolyse und DRESS berichtet.
  • Pseudomembranöse Colitis: Antibiotika-assoziierte Colitis kann auftreten und lebensbedrohlich sein.
  • Resistenzproblematik: Ceftazidim hat ein eingeschränktes Wirkspektrum und ist anfällig für Hydrolyse durch Betalactamasen. Die lokale Resistenzsituation sollte vor Therapieentscheidung berücksichtigt werden.
  • Nierenfunktionsstörungen: Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich, um neurologische Nebenwirkungen wie Enzephalopathie zu vermeiden.
  • Wachstum nichtempfindlicher Erreger: Längere Anwendung kann eine Überbesiedlung mit resistenten Bakterien oder Pilzen fördern.

Alternativen

Mögliche pharmazeutische Alternativen zu Ceftazidim:

Alle Alternativen sind Beta-Lactam-Antibiotika, die gegen gramnegative Bakterien wirksam sind. Sie werden vor allem bei schweren Infektionen eingesetzt, oft als Reserveantibiotika oder bei nachgewiesener Resistenz gegen andere Substanzen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
546.58 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.9 H
Q0-Wert:
0.15
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
12.01.2025
Quelle:

Fachinformation Ceftazidim Kabi 2 g (2024), Fresenius Kabi

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