Clobazam
Clobazam ist ein Benzodiazepin mit anxiolytischer und antikonvulsiver Wirkung, das vorrangig an GABA(A)-Rezeptoren im Gehirn bindet und dadurch die inhibitorische Wirkung des Neurotransmitters GABA verstärkt. Es wird zur Behandlung von Angststörungen sowie als Zusatztherapie bei verschiedenen Formen der Epilepsie eingesetzt.
Clobazam: Übersicht

Anwendung
Clobazam ist indiziert zur:
- symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen.
- Zusatztherapie bei Patienten mit epileptischen Anfällen, die mit einer Standardbehandlung – bestehend aus einem oder mehreren Antiepileptika – nicht anfallsfrei waren.
Wirkmechanismus
Clobazam gehört mit einer Wirkdauer von bis zu 18 Stunden zur Wirkstoffgruppe der lang wirksamen Benzodiazepine. Seine Wirkung hängt von der Dosierung ab. Der Wirkstoff wirkt hauptsächlich durch die Potenzierung der inhibitorischen Neurotransmission des Gamma-Aminobuttersäure (GABA)-Systems im zentralen Nervensystem. Es bindet spezifisch an eine Stelle am GABA(A)-Rezeptorkomplex, der eine zentrale Rolle in der Vermittlung der hemmenden Wirkung von GABA spielt, dem wichtigsten inhibitorischen Neurotransmitter im Gehirn. Die Bindung von Clobazam an den GABA(A)-Rezeptor erhöht die Affinität des Rezeptors für GABA, was zu einer verstärkten Öffnung der mit dem Rezeptor assoziierten Chloridkanäle führt.
Die vermehrte Öffnung dieser Chloridkanäle bewirkt einen erhöhten Chlorideinstrom in die Neuronen, was zu einer Hyperpolarisation der neuronalen Membran führt. Diese Hyperpolarisation erschwert die Generierung von Aktionspotentialen und führt somit zu einer verminderten neuronalen Erregbarkeit. Indem Clobazam die GABAerge Inhibition verstärkt, wirkt es effektiv der übermäßigen neuronalen Aktivität entgegen, die für die Entstehung von Angstzuständen und epileptischen Anfällen verantwortlich ist.
Diese Modulation der GABAergen Transmission durch Clobazam führt zu einer Dämpfung des zentralen Nervensystems, was seine therapeutische Wirkung bei Angststörungen und als adjuvante Therapie bei verschiedenen Formen der Epilepsie begründet. Durch die selektive Verstärkung der GABA-vermittelten neuronalen Hemmung bietet Clobazam eine gezielte therapeutische Intervention, die sowohl anxiolytische als auch antikonvulsive Effekte umfasst.
Dosierung
Behandlung von Angstzuständen:
- Standarddosis: Anfangs 20 mg pro Tag, bei Bedarf auf 30 mg pro Tag steigerbar.
- Ältere Patienten: Beginn mit niedrigeren Dosen, oft ausreichend 10–15 mg pro Tag. Dosisanpassung unter sorgfältiger Beobachtung.
- Beendigung der Behandlung bei Angstzuständen: Schrittweise Dosisreduktion unter ärztlicher Aufsicht, um ein Wiederauftreten von Symptomen zu vermeiden.
Kombinationsbehandlung der Epilepsie:
- Erwachsene: Beginn mit 5–15 mg pro Tag, allmähliche Steigerung bis zu maximal 80 mg pro Tag. Konstante Dosierungen wie 20 mg/Tag oder Intervalltherapie sind ebenfalls möglich.
- Kinder ab 6 Jahren: Beginn mit täglich 5 mg, Erhaltungsdosis von 0,3 bis 1,0 mg/kg Körpergewicht täglich.
- Für Kinder unter 6 Jahren: Keine Dosierungsempfehlungen verfügbar.
- Ältere Patienten: Niedrige Anfangsdosen und allmähliche Dosiserhöhung unter sorgfältiger Beobachtung.
- Beendigung der Kombinationsbehandlung bei Epilepsie: Schrittweise Dosisreduktion zur Vermeidung erhöhter Anfallsbereitschaft.
Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion:
- Niedrige Anfangsdosen und allmähliche Dosiserhöhung.
- Regelmäßige Kontrolle der Leber- und Nierenfunktion bei Langzeitbehandlung.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen von Clobazam umfassen:
Sehr häufig:
- Ermüdung
- Somnolenz
Häufig:
- Verminderter Appetit
- Reizbarkeit, Aggression, Unruhe, Depression, Arzneimitteltoleranz, Agitiertheit
- Sedierung, Schwindelgefühl, Aufmerksamkeitsstörung, langsame Sprache/Dysarthrie/Sprechstörung, Kopfschmerzen, Tremor, Ataxie
- Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit
Gelegentlich:
- Anomales Verhalten, Verwirrtheitszustand, Angst, Wahn, Albträume, Libidoverlust
- Gefühlsarmut, Amnesie, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, anterograde Amnesie
- Doppeltsehen
- Hautausschlag
- Erhöhtes Gewicht
- Sturzgefahr
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Clobazam zu beachten:
- Zentral dämpfende Arzneimittel und Alkohol: Verstärkung der sedierenden Effekte und Erhöhung der Bioverfügbarkeit von Clobazam durch Alkohol.
- Opioide: Erhöhtes Risiko von Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod durch verstärkte zentral dämpfende Wirkung.
- MAO-Hemmer: Verlängerte und verstärkte Wirkung von Clobazam.
- Antiepileptika: Mögliche Wechselwirkungen und Beeinflussung der Medikamentenspiegel; Überwachung erforderlich.
- Narkoanalgetika, Muskelrelaxanzien und Lachgas: Verstärkte Euphorie, muskelrelaxierende Wirkung und Sturzgefahr, besonders bei älteren Patienten.
- CYP2C19-Inhibitoren: Erhöhte Spiegel des aktiven Metaboliten können eine Dosisanpassung von Clobazam erfordern.
- Cannabidiol: Erhöhte Spiegel des aktiven Metaboliten; möglicherweise Dosisanpassung von Clobazam notwendig.
- CYP2D6-Substrate: Eine Dosisanpassung der über CYP2D6 metabolisierten Medikamente kann notwendig sein.
Kontraindikationen
Clobazam darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Benzodiazepine
- Myasthenia gravis
- schwerer Ateminsuffizienz
- Schlafapnoe-Syndrom
- schwerer Leberfunktionsstörung
- akuter Intoxikation durch Alkohol oder andere ZNS-aktive Substanzen
- Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen in der Anamnese
- stillenden Frauen
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Clobazam zu beachten:
- Psychische Erkrankungen: Als Zusatztherapie bei Schizophrenien oder Psychosen; bei Depressionen nur mit spezifischer Begleittherapie.
- Spannungs- und Angstzustände: Nicht immer ist eine medikamentöse Behandlung notwendig; alternative Maßnahmen prüfen.
- Verschreibung und Überwachung: Nur mit ärztlicher Verschreibung und unter ärztlicher Aufsicht einnehmen.
- Alkohol: Während der Behandlung keinen Alkohol konsumieren.
- Opioidkombination: Gleichzeitige Anwendung von Clobazam und Opioiden nur unter strengen Bedingungen wegen erhöhtem Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen.
- Amnesie: Risiko der anterograden Amnesie, besonders bei höheren Dosen.
- Abhängigkeit: Risiko der physischen und psychischen Abhängigkeit, insbesondere bei längerem Gebrauch.
- Entzugssymptome: Bei Absetzen schrittweise Dosisreduktion empfohlen, um Entzugssymptome zu vermeiden.
- Toleranzentwicklung: Mögliche Toleranz bei Langzeitanwendung als Antikonvulsivum.
- Paradoxe Reaktionen: Unruhe, Aggression und andere unerwünschte Reaktionen können auftreten.
- Suizidalität: Überwachung auf Suizidgedanken oder -verhalten.
- Schwerwiegende Hautreaktionen: Risiko für Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse.
- CYP2C19 und Cannabidiol: Bei schwachen Metabolisierern oder gleichzeitiger Anwendung mit Cannabidiol kann eine Dosisanpassung notwendig sein.
- Besondere Patientengruppen: Ältere, Kinder und Personen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion benötigen besondere Aufmerksamkeit und eventuell eine Dosisanpassung.
- Atemdepression und Muskelschwäche: Vorsicht bei hoher Dosierung und bei Patienten mit bestehender Atem- oder Muskelschwäche.
Alternativen
Verwandte Wirkstoffe
Neben Clobazam gehören auch folgende Wirkstoffe zu den lang wirksamen Benzodiazepinen:
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Frisium
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Clobazam Desitin® 2 mg/ml Suspension zum Einnehmen
Desitin Arzneimittel GmbH
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Clobazam Micro Labs 10 mg Tabletten
Micro Labs GmbH
-
Clobazam Micro Labs 20 mg Tabletten
Micro Labs GmbH
-
Clobazam Syri Pharma® 2 mg/ml Suspension zum Einnehmen
Desitin Arzneimittel GmbH
-
Epaclob 1 mg/ml Suspension zum Einnehmen
Ethypharm GmbH
-
Epaclob 2 mg/ml Suspension zum Einnehmen
Ethypharm GmbH
-
Frisium 10 Emra Tabletten
Emra-Med Arzneimittel GmbH
-
Frisium 10 Eurim Tabletten
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
-
Frisium® 10 mg, Tabletten
Pharmanovia A/S (Athnahs Pharma Nordics A/S)
-
Frisium 10mg kohlpharma Tabletten
kohlpharma GmbH










