Gadobensäure

Gadobensäure ist ein paramagnetisches Kontrastmittel auf Gadolinium-Basis, das in der Magnetresonanztomographie (MRT) zur Verbesserung der Bildgebung eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine partielle hepato-biliäre Ausscheidung und eine hohe Relaxivität aus, was die Bildqualität insbesondere bei Leberuntersuchungen verbessert.

Anwendung

Gadobensäure wird als Kontrastmittel in der Magnetresonanztomographie (MRT) zur Kontrastverstärkung angewendet bei:

  • MRT des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) zur Detektion von Läsionen mit gestörter Blut-Hirn-Schranke.
  • MRT des Körpers (z. B. Leber, Gefäße) zur Verbesserung der Detektion und Charakterisierung von pathologischen Strukturen.
  • Leber-MRT zur Detektion und Charakterisierung fokaler Leberläsionen (z. B. Leberzellkarzinom), insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose oder Risikofaktoren.

Anwendungsart

Gadobensäure wird intravenös als Injektionslösung verabreicht.

Wirkmechansimus

Gadobensäure ist ein chelatisiertes Gadolinium(III)-Ion (Gadobenat-Dimeglumin), das paramagnetische Eigenschaften besitzt. Es verkürzt die longitudinalen (T1) und transversalen (T2) Relaxationszeiten benachbarter Wasserstoffkerne und bewirkt dadurch eine Kontrastverstärkung in der MRT.
Im Vergleich zu anderen extrazellulären Gadolinium-Kontrastmitteln weist Gadobensäure eine ca. 50 % höhere Relaxivität auf. Darüber hinaus besitzt sie eine partielle hepato-biliäre Ausscheidung (~3–5 % der applizierten Dosis), wodurch sie eine Leber-spezifische Bildgebung ermöglicht.

Pharmakokinetik

Verteilung

  • Das Gadobenat-Ion verteilt sich im Plasma und Extrazellulärraum.
  • Das scheinbare Verteilungsvolumen liegt bei ca. 0,17–0,25 l/kg.
  • Bei Läsionen mit gestörter Blut-Hirn-Schranke kann der Wirkstoff ins Gewebe eindringen.

Metabolisierung

  • Keine nennenswerte Metabolisierung; der Wirkstoff liegt unverändert im Körper vor.

Elimination

  • Die Elimination erfolgt überwiegend renal über glomeruläre Filtration, zu einem kleinen Teil biliär.
  • Etwa 78–94 % der Dosis werden innerhalb von 24 Stunden über den Urin ausgeschieden, 2–4 % über den Stuhl.
  • Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ca. 1,2–1,7 Stunden.
  • Clearance-Werte: 0,098–0,133 l/h/kg (gesamt), 0,082–0,104 l/h/kg (renal).
  • Plasmaspiegel nehmen biexponentiell ab.

Besonderheiten bei Kindern und älteren Patienten

  • Die Pharmakokinetik bei Kindern (ab 2 Jahren) ist vergleichbar mit der bei Erwachsenen, sofern gewichtsadaptiert dosiert wird.
  • Bei älteren Patient:innen sollte die Nierenfunktion vor Anwendung geprüft werden, da die renale Clearance altersbedingt reduziert sein kann.

Gadolinium-Ablagerung

  • Wie bei anderen linearen gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln kann sich Gadolinium im Körpergewebe (z. B. Gehirn, Knochen, Haut) anreichern.
  • Die klinische Relevanz dieser Ablagerungen ist bislang unklar, jedoch dosisabhängige Veränderungen im T1-Signal wurden beobachtet.

Dosierung

Die empfohlene Dosis (Erwachsene & Kinder ≥ 2 Jahre) beträgt 0,05 mmol/kg Körpergewicht → entspricht 0,1 ml/kg der 0,5 M Lösung.

Hinweis:

Es soll stets die geringstmögliche Dosis verwendet werden, die eine ausreichende Kontrastverstärkung erlaubt.

Die Dosierung ist körpergewichtsabhängig und darf nicht überschritten werden.

Wiederholungsdosis:

Bei Patient:innen mit normaler Nierenfunktion kann eine erneute Gabe erfolgen, sofern medizinisch erforderlich.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen (≥1/100 bis <1/10) bei der Anwendung von Gadobensäure umfassen Kopfschmerzen, Übelkeit. Wie bei anderen Gadoliniumchelaten wurden während der klinischen Entwicklung anaphylaktische/anaphylaktoide Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.

Wechselwirkungen

Klinisch relevante Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.

Kontraindikationen

Gadobensäure darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Gadobensäure oder einen der sonstigen Bestandteile.

Schwangerschaft

Gadobensäure sollte in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus überwiegt. Tierexperimentelle Studien haben bei wiederholten hohen Dosen eine Reproduktionstoxizität gezeigt.

Stillzeit

Gadobensäure wird in geringen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden. Aufgrund der geringen Resorption beim gestillten Kind ist eine Unterbrechung des Stillens nicht erforderlich.

Verkehrstüchtigkeit

Gadobensäure hat keinen oder nur vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Gadobensäure zu beachten:

  • Anwendung nur in geeigneten Einrichtungen: Die Verabreichung sollte ausschließlich in Krankenhäusern oder medizinischen Einrichtungen erfolgen, die über die Ausrüstung und das Personal zur kardiopulmonalen Notfallversorgung verfügen.
  • Beobachtungszeit nach Injektion: Patienten sollten nach der Injektion für mindestens 15 Minuten engmaschig überwacht und insgesamt für eine Stunde in der Einrichtung verbleiben, da schwere Reaktionen meist kurz nach Gabe auftreten.
  • Einhaltung der MRT-Sicherheitsstandards: Vor der Anwendung sind die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen für die Magnetresonanztomografie zu beachten, insbesondere der Ausschluss ferromagnetischer Implantate (z. B. Herzschrittmacher, Aneurysmaclips).
  • Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bei entsprechenden Vorerkrankungen ist besondere Sorgfalt geboten.
  • Erhöhtes Risiko bei neurologischer Vorerkrankung: Bei Epilepsie oder Hirnschädigungen ist das Risiko für Krampfanfälle erhöht. Eine geeignete Überwachung und Verfügbarkeit von Notfallmedikation sind sicherzustellen.
  • Gadolinium-Ablagerung: Nach Verabreichung kann es zu einer Anreicherung von Gadolinium im Gehirn und anderen Geweben kommen. Die klinische Relevanz ist bislang unklar. Bei wiederholten Untersuchungen ist der potenzielle Nutzen sorgfältig gegen mögliche Ablagerungen abzuwägen.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Besonders bei Asthma oder allergischen Erkrankungen in der Anamnese kann es zu schweren oder lebensbedrohlichen Reaktionen kommen. Entsprechendes Notfallmanagement muss vor Ort gewährleistet sein.
  • Benzylalkohol: Aufgrund möglicher Freisetzung geringer Mengen Benzylalkohol sollte das Präparat bei bekannter Überempfindlichkeit gegen diesen Stoff nicht verwendet werden.
  • Mindestabstand zwischen Kontrastmittelgaben: Eine erneute kontrastverstärkte MRT mit Gadobensäure sollte frühestens 7 Stunden nach der vorherigen Gabe erfolgen, um eine ausreichende Ausscheidung sicherzustellen.
  • Vermeidung von Paravasaten: Während der intravenösen Applikation ist auf korrekte Injektion zu achten. Paravasate sollten bei auftretenden lokalen Reaktionen symptomatisch behandelt werden.
  • Nierenfunktion überprüfen: Vor der Anwendung ist die Nierenfunktion labordiagnostisch abzuklären, insbesondere bei älteren Patienten.
  • Risiko nephrogener systemischer Fibrose (NSF): Bei schwerer Nierenfunktionsstörung (GFR < 30 ml/min/1,73 m²) und im Umfeld von Lebertransplantationen besteht ein erhöhtes Risiko für NSF. In diesen Fällen sollte Gadobensäure nur verwendet werden, wenn eine kontrastverstärkte MRT unbedingt erforderlich ist.
  • Hämodialyse: Eine unmittelbar nach der Gabe durchgeführte Hämodialyse kann die Ausscheidung von Gadobensäure fördern, eignet sich aber nicht als vorbeugende Maßnahme gegen NSF bei nicht dialysepflichtigen Patienten.
  • Ältere Patienten: Aufgrund potenziell eingeschränkter Nierenfunktion sollte bei Menschen ab 65 Jahren die Nierenfunktion vor der Anwendung sorgfältig geprüft werden.

Alternativen

Folgende Alternativen zu Gadobensäure (als Dimeglumin-Salz, z. B. in MultiHance) stehen zur Verfügung:

Extrazelluläre gadoliniumhaltige Kontrastmittel:

Leber-spezifische (hepato-biliäre) Kontrastmittel:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
667.72 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.6 H
Q0-Wert:
0.1
Autor:
Stand:
01.04.2025
Quelle:

Fachinformation MultiHance® (Gadobenat-Dimeglumin)

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