Liraglutid

Liraglutid ist ein langwirksames Analogon des humanen Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1), das zur Behandlung von Typ-2-Diabetes mellitus sowie zur Gewichtsreduktion bei Adipositas und übergewichtigem metabolischem Risikoprofil eingesetzt wird. Der Wirkstoff bindet an GLP-1-Rezeptoren und entfaltet dort blutzucker- sowie appetitregulierende Effekte.

Anwendung

Liraglutid wird angewendet bei:

Typ-2-Diabetes mellitus

  • Als Monotherapie, wenn Metformin ungeeignet ist.
  • In Kombination mit anderen Antidiabetika, einschließlich Insulin, zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 10 Jahren.

Adipositas

  • Bei Erwachsenen mit einem BMI ≥30 kg/m² (Adipositas) oder ≥27 kg/m² (Übergewicht) mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung (z. B. Hypertonie, Dyslipidämie, Typ-2-Diabetes, obstruktives Schlafapnoesyndrom).
  • Bei Jugendlichen (12–17 Jahre) mit Adipositas entsprechend alters- und geschlechtsbezogener Referenzdaten.

Anwendungsart

Liraglutid wird einmal täglich subkutan injiziert – unabhängig von Mahlzeiten – vorzugsweise in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Eine Injektion zur gleichen Tageszeit wird empfohlen.

Wirkmechanismus

Liraglutid ist ein langwirksames Analogon des humanen Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1), das eine 97%ige Aminosäuresequenzhomologie zu endogenem GLP-1 aufweist. Es bindet spezifisch an den GLP-1-Rezeptor, einen membrangebundenen G-Protein-gekoppelten Rezeptor, der unter anderem in Pankreas, ZNS und gastrointestinalem Trakt exprimiert wird. Die Aktivierung dieses Rezeptors führt zu einer glukoseabhängigen Stimulation der Insulinsekretion aus den Betazellen des Pankreas sowie zu einer Hemmung der Glukagonsekretion aus den Alphazellen. Darüber hinaus verzögert Liraglutid die Magenentleerung und führt zu einer Reduktion des Appetits durch zentrale Wirkmechanismen im Hypothalamus. Diese Effekte führen zu einer verbesserten Blutzuckerkontrolle und – bei adipösen Patienten – zu einer klinisch relevanten Gewichtsreduktion. Das Hypoglykämierisiko ist bei Monotherapie gering, da die Insulinfreisetzung glukoseabhängig erfolgt.

GLP-1-Analoga

Pharmakokinetik

Resorption

  • Resorption erfolgt langsam nach subkutaner Injektion
  • Maximale Plasmakonzentration nach 8–12 Stunden

Verteilung

  • Verteilungsvolumen ca. 11–17 l
  • Plasmaproteinbindung >98 %

Metabolisierung

  • Liraglutid wird wie endogenes GLP-1 enzymatisch abgebaut
  • Es entstehen keine aktiven Metaboliten

Elimination

  • Plasmahalbwertszeit: ca. 13 Stunden
  • Elimination erfolgt über Metabolismus, nicht renal

Besondere Hinweise

  • Keine Dosisanpassung bei älteren Patienten erforderlich
  • Bei mäßiger Nieren- oder Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung notwendig; bei schwerer Einschränkung Vorsicht geboten
  • Nicht empfohlen bei Kindern unter 10 Jahren (Diabetes) bzw. unter 12 Jahren (Adipositas)

Dosierung

Die Dosierung von Liraglutid richtet sich nach der Indikation:

Typ-2-Diabetes

• Initial 0,6 mg/Tag
• Steigerung auf 1,2 mg/Tag nach mindestens einer Woche
• Bei Bedarf Erhöhung auf 1,8 mg/Tag zur besseren Blutzuckerkontrolle
• Maximaldosis: 1,8 mg/Tag

Adipositas

• Initial 0,6 mg/Tag, wöchentliche Steigerung in 0,6-mg-Schritten
• Ziel: 3,0 mg/Tag ab Woche 5
• Behandlung abbrechen, wenn nach 12 Wochen unter 3,0 mg keine Gewichtsreduktion von ≥5 % erreicht wurde
 

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen (≥1/10) sind:

  • Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation
  • Zentralnervös: Kopfschmerzen, Müdigkeit
  • Stoffwechsel: Hypoglykämie (v. a. bei Kombination mit Insulin/SU), Appetitverlust
  • Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Erhöhte Pankreasenzyme
  • Gallenerkrankungen
     

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Liraglutid zu beachten:

  • Verzögerte Magenentleerung: Kann die Resorption gleichzeitig verabreichter Arzneimittel (z. B. Paracetamol, orale Kontrazeptiva) beeinflussen
  • Insulin / Sulfonylharnstoffe: Risiko für Hypoglykämien erhöht – ggf. Dosisanpassung notwendig
  • Nicht empfohlen mit anderen GLP-1-Analoga
     

Kontraindikationen

Liraglutid darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Liraglutid oder einen der sonstigen Bestandteile.

Schwangerschaft

Liraglutid soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Tierexperimentelle Studien zeigten Reproduktionstoxizität. Patientinnen mit Kinderwunsch sollten auf eine geeignete Alternative umgestellt werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Liraglutid in die Muttermilch übergeht. Aufgrund mangelnder Erfahrung soll der Wirkstoff in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Liraglutid beeinflusst die Verkehrstüchtigkeit nicht direkt. Bei gleichzeitiger Anwendung mit blutzuckersenkenden Medikamenten (z. B. Insulin) ist das Risiko für Hypoglykämien zu berücksichtigen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Liraglutid zu beachten:

  •  Aspirationsrisiko bei Narkose: Bei GLP-1-Rezeptoragonisten wurde über Aspirationspneumonien im Zusammenhang mit Vollnarkose oder tiefer Sedierung berichtet. Aufgrund verzögerter Magenentleerung ist das Risiko von Restmageninhalt zu berücksichtigen.
  • Cholelithiasis und Cholezystitis: Unter Liraglutid kann das Risiko für Gallensteine und Gallenblasenentzündung erhöht sein. Eine stationäre Behandlung oder Cholezystektomie kann erforderlich werden. Patienten sind über typische Symptome aufzuklären.
  • Rückverfolgbarkeit: Die Bezeichnung und Chargennummer des Arzneimittels sollten zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit dokumentiert werden.
  • Herzinsuffizienz: Bei NYHA-Stadium IV liegen keine klinischen Daten vor. Liraglutid wird bei diesen Patienten nicht empfohlen.
  • Besondere Patientengruppen: Die Anwendung wird nicht empfohlen bei Patienten ≥75 Jahren, mit schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung, mit endokrinen Ursachen der Adipositas, Essstörungen oder gleichzeitiger Behandlung mit anderen Gewichtsreduktionspräparaten.
  • Entzündliche Darmerkrankungen und Gastroparese: Die Anwendung wird bei diesen Patienten nicht empfohlen, da gastrointestinale Nebenwirkungen verstärkt auftreten können.
  • Pankreatitis: Bei Verdacht auf akute Pankreatitis ist Liraglutid sofort abzusetzen. Eine Wiederaufnahme der Therapie nach bestätigter Pankreatitis ist kontraindiziert.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Schilddrüsenbedingte unerwünschte Ereignisse (z. B. Struma) wurden insbesondere bei Patienten mit Vorerkrankung beobachtet. Vorsicht ist geboten.
  • Herzfrequenz: Eine klinisch relevante Erhöhung der Herzfrequenz wurde beobachtet. Bei Symptomen wie Palpitationen ist regelmäßige Kontrolle empfohlen; bei anhaltender Erhöhung sollte Liraglutid abgesetzt werden.
  • Dehydrierung: Gastrointestinale Nebenwirkungen können zur Dehydrierung führen. Patienten sind über eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu informieren.
  • Hypoglykämie bei Typ-2-Diabetes: Bei gleichzeitiger Gabe von Insulin oder Sulfonylharnstoffen besteht ein erhöhtes Hypoglykämierisiko. Dosisanpassung dieser Medikamente kann erforderlich sein.
  • Kinder und Jugendliche: In der pädiatrischen Anwendung wurden klinisch signifikante Hypoglykämien beobachtet. Eine entsprechende Aufklärung ist erforderlich.
  • Hyperglykämie bei insulinpflichtigem Diabetes: Saxenda® darf nicht als Insulinersatz verwendet werden. Ein abruptes Absetzen von Insulin kann zur diabetischen Ketoazidose führen.
     

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Liraglutid kommen folgende Wirkstoffe infrage:

Für Typ-2-Diabetes:

Für Adipositas:

  • GLP-1-Analoga: Semaglutid (2,4 mg s.c./Woche)
  • Zentrale Wirkstoffe: Naltrexon/Bupropion
  • Lipasehemmer: Orlistat
  • Chirurgische Maßnahmen: Bariatrische Verfahren bei therapierefraktärer Adipositas

Wirkstoff-Informationen

Mittlere Halbwertszeit:
ca. 13.0 H
Q0-Wert:
0.0
Autor:
Stand:
22.12.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Victoza® 6 mg/ml Injektionslösung, Stand Januar 2023
  2. Fachinformation Saxenda® 6 mg/ml Injektionslösung, Stand August 2023
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