Lixisenatid

Lixisenatid ist ein Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1) Rezeptoragonist, der die Wirkung endogenen GLP-1 nachahmt, indem es die Insulinsekretion in einer glukoseabhängigen Weise stimuliert und die Glucagon-Sekretion unter hyperglykämischen Bedingungen hemmt.

Anwendung

Lixisenatid wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus in Kombination mit oralen blutzuckersenkenden Arzneimitteln und/oder Basalinsulin, wenn diese
zusammen mit Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend senken.

Anwendungsart

Lixisenatid wird subkutan in den Bauch, den Bereich des Deltamuskels oder den Oberschenkel injiziert.

Wirkmechanismus

Lixisenatid, ein Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1) Rezeptoragonist, spielt eine wesentliche Rolle in der Glykämiekontrolle durch Nachahmung der Wirkung von endogenem GLP-1. GLP-1 ist ein inkretines Hormon, das nach Nahrungsaufnahme freigesetzt wird und mehrere antihyperglykämische Effekte auslöst. Lixisenatid bindet an den GLP-1-Rezeptor und stimuliert die Insulinsekretion von den Betazellen der Bauchspeicheldrüse in einer glukoseabhängigen Weise, was bedeutet, dass es die Insulinsekretion verstärkt, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist, und nicht unter normoglykämischen Bedingungen.

Zudem unterdrückt Lixisenatid die Glucagon-Sekretion von Alphazellen im Pankreas, was wiederum die hepatische Glukoseproduktion reduziert. Es verlangsamt auch die Magenentleerung, was die postprandiale Glukoseaufnahme vermindert und das Sättigungsgefühl fördert. Diese Mechanismen zusammen wirken sich positiv auf die Blutzuckerkontrolle aus und bieten einen therapeutischen Nutzen für Patienten mit Typ-2-Diabetes.

GLP-1-Analoga

Pharmakokinetik

Resorption

  • Lixisenatid, wenn es in Kombination mit Insulin glargin verabreicht wird, erreicht eine mediane maximale Konzentration (t_max) zwischen 2,5 und 3,0 Stunden nach subkutaner Injektion bei Patienten mit Typ-1-Diabetes.
  • Die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) bleibt vergleichbar, auch wenn die maximale Konzentration (Cmax) um 22 bis 34% leicht reduziert ist, verglichen mit der separaten Verabreichung von Insulin glargin und Lixisenatid, was wahrscheinlich klinisch nicht relevant ist.
  • Es gibt keine klinisch relevanten Unterschiede in der Resorptionsgeschwindigkeit, wenn Lixisenatid als Monotherapie an verschiedenen Injektionsstellen (Abdomen, Oberarm, Oberschenkel) verabreicht wird.

Verteilung

  • Lixisenatid bindet mäßig (55%) an menschliche Proteine.
  • Das scheinbare Verteilungsvolumen (Vz/F) von Lixisenatid nach subkutaner Applikation der Kombination beträgt etwa 100 l.

Metabolisierung

  • Lixisenatid wird primär über die Nieren eliminiert, wobei es zunächst glomerulär filtriert wird, dann tubulär rückresorbiert wird und schließlich einer Proteolyse unterzogen wird.
  • Die resultierenden kleineren Peptide und Aminosäuren werden wieder in den Proteinstoffwechsel eingebracht.

Elimination

  • Nach wiederholter subkutaner Verabreichung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes beträgt die mittlere terminale Halbwertszeit von Lixisenatid etwa 3 Stunden.
  • Die mittlere scheinbare Clearance (CL/F) beträgt etwa 35 l/Stunde.

Dosierung

Anfangsdosis

Die Anfangsdosis wird basierend auf der vorherigen Diabetestherapie bestimmt, ohne die Anfangsdosis von 10 μg Lixisenatid zu überschreiten. Lixisenatid sollte einmal täglich vor einer Mahlzeit injiziert werden.

Dosistitration

Die Dosis wird individuell angepasst, mit einer maximalen Tagesdosis von 60 Einheiten Insulin glargin und 20 μg Lixisenatid. Engmaschige Blutzuckerkontrollen sind während der Anpassungsphase erforderlich.

Vergessene Dosis

Bei einer vergessenen Dosis sollte Lixisenatid innerhalb einer Stunde vor der nächsten Mahlzeit verabreicht werden.

Nebenwirkungen

In den durchgeführten klinischen Studien zu Lixisenatid traten am häufigsten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf, wobei diese in der Regel von leichter Natur und temporär waren. Des Weiteren wurden Hypoglykämien beobachtet, insbesondere wenn Lixisenatid in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff und/oder Basalinsulin verabreicht wurde, sowie Kopfschmerzen. Ein kleiner Prozentsatz der Patienten (0,4%) berichtete über allergische Reaktionen im Zusammenhang mit der Einnahme von Lixisenatid.

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Lixisenatid sind verschiedene Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten, darunter:

  • Paracetamol: Die maximale Konzentration (Cmax) von Paracetamol kann durch Lixisenatid beeinflusst werden, insbesondere wenn es 1 bis 4 Stunden nach der Lixisenatid-Injektion eingenommen wird.
  • Orale Kontrazeptiva: Die maximale Konzentration (Cmax) von Ethinylestradiol und Levonorgestrel kann reduziert werden, wenn das Kontrazeptivum 1 Stunde vor oder 4 Stunden nach Lixisenatid eingenommen wird.
  • Atorvastatin: Obwohl keine Dosisanpassung notwendig ist, kann Lixisenatid die maximale Konzentration (Cmax) von Atorvastatin beeinflussen und die Zeit bis zur maximalen Konzentration (tmax) verzögern.
  • Warfarin: Lixisenatid kann die maximale Konzentration (Cmax) von Warfarin reduzieren und die Zeit bis zur maximalen Konzentration (tmax) verzögern, ohne die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) oder die International Normalised Ratio (INR) zu beeinflussen.
  • Digoxin: Lixisenatid kann die maximale Konzentration (Cmax) von Digoxin reduzieren und die Zeit bis zur maximalen Konzentration (tmax) verzögern, ohne die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) zu beeinflussen.
  • Ramipril: Lixisenatid kann die maximale Konzentration (Cmax) von Ramipril reduzieren und die Zeit bis zur maximalen Konzentration (tmax) verzögern, während die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) von Ramipril und seinem aktiven Metaboliten Ramiprilat nicht beeinflusst wird.

Kontraindikationen

Lixisenatid darf nicht bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff angewendet werden.

Schwangerschaft

Die Anwendung von Lixisenatid bei Schwangeren ist aufgrund unzureichender Daten und festgestellter Reproduktionstoxizität in Tierstudien nicht empfohlen. Während der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch sollte Lixisenatid abgesetzt und durch Insulin ersetzt werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Lixisenatid in die Muttermilch übergeht. Aus diesem Grund darf Lixisenatid nicht in der Stillzeit angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Lixisenatid hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.Patienten sollten jedoch angewiesen werden, Maßnahmen zur Hypoglykämievermeidung bei der Teilnahme am Straßenverkehr oder während des Bedienens von Maschinen zu ergreifen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sollen bei der Anwendung von Lixisenatid beachtet werden:

  • Rückverfolgbarkeit: Es ist wichtig, den Namen und die Chargennummer des Medikaments klar zu dokumentieren, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.
  • Nicht für Typ-1-Diabetes: Lixisenatid sollte nicht bei Typ-1-Diabetes oder diabetischer Ketoazidose eingesetzt werden.
  • Wechsel der Injektionsstelle: Patienten sollten angewiesen werden, die Injektionsstelle zu wechseln, um Lipodystrophie und kutane Amyloidose zu vermeiden.
  • Hypoglykämie: Es besteht ein Risiko für Hypoglykämie, insbesondere wenn die Dosis von Lixisenatid höher als notwendig ist. Verschiedene Faktoren können das Risiko erhöhen und eine Dosisanpassung erfordern.
  • Akute Pankreatitis: Es besteht ein Risiko für akute Pankreatitis. Bei Verdacht sollte Suliqua abgesetzt und nicht wieder angewendet werden, wenn sich die Diagnose bestätigt.
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: Bei schweren Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts wird die Anwendung von Lixisenatid nicht empfohlen.
  • Nierenfunktionsstörung: Bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz wird die Anwendung nicht empfohlen.
  • Gleichzeitig angewendete Arzneimittel: Die Resorptionsrate oraler Arzneimittel kann durch Lixisenatid beeinflusst werden, was bei der Verschreibung anderer Medikamente berücksichtigt werden sollte.
  • Dehydrierung: Patienten sollten auf das Risiko einer Dehydrierung aufgrund von gastrointestinalen Nebenwirkungen hingewiesen werden.
  • Antikörperbildung: Die Bildung von Antikörpern gegen Insulin glargin und/oder Lixisenatid ist möglich und kann eine Dosisanpassung erfordern.
  • Vermeidung von Medikationsfehlern: Patienten sollten das Penetikett immer überprüfen, um Verwechslungen zu vermeiden, und das Medikament niemals mit einer Spritze aus der Patrone entnehmen.
  • Nicht untersuchte Kombinationen: Lixisenatid wurde nicht in Kombination mit Dipeptidylpeptidase-4-(DPP-4-)Inhibitoren, Sulfonylharnstoffen, Gliniden und Pioglitazon untersucht.
  • Reisen: Bei Reisen und Zeitzonenwechsel sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, um Dosierungsfehler zu vermeiden.

Alternativen

Es gibt verschiedene alternative Medikamente und Therapieansätze zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, die je nach individuellen Patientenbedürfnissen und -umständen ausgewählt werden können. Hier sind einige Behandlungsalternativen:

Orale Antidiabetika

Injizierbare Medikamente

Autor:
Stand:
08.10.2023
Quelle:
  1. EMA: Fachinformation Suliqua
  2. Pfeffer, Marc A., et al. "Lixisenatide in patients with type 2 diabetes and acute coronary syndrome." New England Journal of Medicine 373.23 (2015): 2247-2257.
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1 Präparate mit Lixisenatid