Pitolisant

Pitolisant ist ein zentral wirksamer Histamin-H3-Rezeptor-Antagonist bzw. -Inverse-Agonist, der zur Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen eingesetzt wird. Der Wirkstoff fördert die Wachheit durch indirekte Stimulation histaminerger Neurone im Hypothalamus und wirkt so exzessiver Tagesschläfrigkeit und Kataplexie entgegen.

Pitolisant

Anwendung

Pitolisant wird angewendet zur Behandlung von Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie.

Anwendungsart

Pitolisant wird oral in Form von Filmtabletten verabreicht. Die Einnahme erfolgt einmal täglich morgens während oder nach dem Frühstück.

Wirkmechanismus

Pitolisant wirkt als inverser Agonist bzw. Antagonist an präsynaptischen Histamin-H₃-Rezeptoren. Diese Rezeptoren fungieren als Autorezeptoren, welche die Freisetzung von Histamin im zentralen Nervensystem hemmen. Durch Blockade dieser Rezeptoren wird die Histaminfreisetzung erhöht, wodurch die Aktivität histaminerger Neuronen im Hypothalamus gesteigert wird. Indirekt beeinflusst Pitolisant auch andere Neurotransmittersysteme, darunter Noradrenalin, Acetylcholin und Dopamin, was zu einer Erhöhung der Wachheit und Vigilanz führt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Pitolisant wird nach oraler Gabe rasch resorbiert.
  • Die maximale Plasmakonzentration (C_max) wird etwa 3 Stunden nach Einnahme erreicht.
  • Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 90 %.

Verteilung

  • Das Verteilungsvolumen beträgt ca. 7.3–11.0 L/kg.
  • Die Plasmaproteinbindung liegt bei etwa 91 %–96 %.

Metabolisierung

  • Pitolisant wird hauptsächlich über CYP3A4 und CYP2D6 metabolisiert, in geringerem Ausmaß auch durch CYP1A2.
  • Die Hauptmetaboliten sind inaktiv.
  • Keine Autoinduktion oder Hemmung eigener Metabolisierung.

Elimination

  • Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ca. 10–12 Stunden.
  • Die Ausscheidung erfolgt überwiegend renal als inaktive Metaboliten.
  • Steady-State-Konzentrationen werden innerhalb von 5–6 Tagen erreicht.

Besondere Hinweise

  • Die Pharmakokinetik von Pitolisant wird durch Leberfunktionsstörungen beeinflusst – bei mäßiger Leberinsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich.
  • Daten bei schwerer Leberinsuffizienz liegen nicht vor; Anwendung kontraindiziert.
  • Keine relevante Akkumulation bei einmal täglicher Einnahme.

Dosierung

Die Dosierung von Pitolisant richtet sich nach dem klinischen Ansprechen und der Verträglichkeit:

  • Initialdosis: 9 mg/Tag über die ersten 7 Tage
  • Erhöhbar auf 18 mg/Tag in Woche 2
  • Maximaldosis: 36 mg/Tag ab Woche 3 bei guter Verträglichkeit
  • Einnahme einmal täglich morgens während oder nach dem Frühstück
  • Bei eingeschränkter Leberfunktion (Child-Pugh B): maximal 18 mg/Tag
  • Anwendung bei schwerer Leberfunktionsstörung oder schwerer Niereninsuffizienz ist kontraindiziert
     

Nebenwirkungen

Sehr häufig (≥1/10):

  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit

Häufig (≥1/100 bis <1/10):

  • Übelkeit
  • Angst
  • Reizbarkeit
  • Schwindel
  • Erbrechen
  • Gewichtszunahme
  • Bauchschmerzen
  • Rückenschmerzen

Selten: QT-Verlängerung bei Risikopatienten
 

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Pitolisant zu beachten:

  • CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin): können die Wirksamkeit von Pitolisant vermindern
  • CYP2D6-Inhibitoren (z. B. Paroxetin): können die Plasmakonzentration erhöhen
  • Orale Kontrazeptiva mit Ethinylestradiol und Levonorgestrel können in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt sein
  • Kombination mit Substanzen, die das QT-Intervall verlängern, sollte vermieden werden
     

Kontraindikationen

Pitolisant darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Pitolisant oder einem der sonstigen Bestandteile
  • Schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh C)
  • Stillenden Frauen
     

Schwangerschaft

Pitolisant sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus überwiegt. In tierexperimentellen Studien wurden unerwünschte Wirkungen auf Reproduktion und Embryonalentwicklung beobachtet.

Stillzeit

Pitolisant darf während der Stillzeit nicht angewendet werden, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und ein Risiko für das Neugeborene besteht.

Verkehrstüchtigkeit

Pitolisant kann die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinflussen. Patientinnen und Patienten sollten auf individuelle Reaktionen achten, insbesondere zu Beginn der Behandlung.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Pitolisant zu beachten:

  • QT-Intervall: Pitolisant kann das QT-Intervall verlängern. Vorsicht ist geboten bei Patientinnen und Patienten mit bekannten Risikofaktoren oder unter gleichzeitiger Einnahme von QT-verlängernden Substanzen.
  • Leberfunktion: Bei mäßiger Leberinsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich; bei schwerer Leberinsuffizienz ist die Anwendung kontraindiziert.
  • Suizidgedanken: Es liegen Berichte über das Auftreten suizidaler Gedanken vor; Patientinnen und Patienten sollten entsprechend beobachtet werden.
  • Niereninsuffizienz: Bei schwerer Nierenfunktionsstörung (CLcr <30 mL/min) ist die Anwendung nicht empfohlen.
  • Wechselwirkungen: Kombination mit hormonellen Kontrazeptiva kann zu deren Wirkungsverlust führen – zusätzliche Verhütungsmaßnahmen sind erforderlich.
  • Kinder und Jugendliche: Die Sicherheit und Wirksamkeit bei Patientinnen und Patienten unter 18 Jahren ist nicht erwiesen.
     

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Pitolisant kommen folgende Wirkstoffe infrage:

  • Modafinil: zentral stimulierendes Arzneimittel zur Behandlung exzessiver Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie
  • Sodium-Oxybat (Gammahydroxybutyrat): wirkt auf das zentrale Nervensystem und reduziert Kataplexie sowie Tagesschläfrigkeit
  • Solriamfetol: Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, zugelassen bei Narkolepsie mit exzessiver Tagesschläfrigkeit

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
295.85 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
22.12.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Pitolisant (Stand: 2023)
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