Sofosbuvir

Sofosbuvir ist ein antivirales Medikament, das in der Behandlung der chronischen Hepatitis C eingesetzt wird. Es fungiert als Prodrug, das im Körper zu einem aktiven Uracil-Nukleotid-Analogon umgewandelt wird und selektiv die RNA-abhängige RNA-Polymerase (NS5B) des Hepatitis-C-Virus hemmt. Diese Hemmung unterbricht die virale Replikation und trägt wesentlich zur Elimination des Virus bei.

Sofosbuvir

Anwendung

Sofosbuvir (Sovaldi) wird in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung der chronischen Hepatitis C bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 3 Jahren angewendet.

Einige gängige Kombinationstherapien umfassen:

  • Sofosbuvir und Ledipasvir: Diese Kombination wird häufig für Patienten mit HCV Genotyp 1 und 4 eingesetzt.
  • Sofosbuvir und Velpatasvir: Eine breit wirksame Kombination, die für alle HCV-Genotypen geeignet ist.
  • Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir: Diese Kombination wird oft bei Patienten mit vorherigem Therapieversagen oder bei bestimmten HCV-Genotypen angewendet.
  • Sofosbuvir und Daclatasvir: Eine weitere Kombination, die für verschiedene HCV-Genotypen eingesetzt werden kann.

Wirkmechanismus

Sofosbuvir gehört zur Wirkstoffgruppe der Virostatika und dort zur Untergruppe der Nukleotidanaloga. Sofosbuvir ist ein Prodrug, das erst in der Zelle in die aktive Wirkform Uridin-Analogon-Triphosphat (UAT) metabolisiert und über die NS5B-Polymerase in die Hepatitis-C-Viren-RNA eingebaut wird. Infolge kommt es zum Kettenabbruch und der Replikationszyklus der Hepatitisviren wird unterbrochen. Den virostatischen Effekt entfaltet die Substanz ausschließlich in viralen Ribosomen durch eine selektive, pangenotypische Inhibierung der NS5B-Polymerase, die so keine weitere Matrize für die Neubildung von Viren synthetisieren kann.

Dosierung

Die empfohlene Dosierung von Sofosbuvir für Erwachsene ist eine 400 mg Tablette einmal täglich, die während einer Mahlzeit eingenommen wird. Für Kinder und Jugendliche ab 3 Jahren ist die Dosis gewichtsabhängig. Bei Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten sind orale Granulate verfügbar.

Sofosbuvir wird stets in Kombination mit anderen Medikamenten angewendet, da eine Monotherapie nicht empfohlen wird. Die genauen Kombinationsmedikamente und die Behandlungsdauer variieren je nach Patientengruppe und HCV-Genotyp.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Sofosbuvir unterscheiden sich vor allem je nach Kombinationspartner. Ausführliche Informationen in den folgenden Fachinformationen:

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt vor einem erhöhten Risiko für die Reaktivierung von latenter Hepatitis B-Virus Infektion unter direkt wirkenden antiviralen Mitteln (direct acting antivirals, DAA) wie Sofosbuvir. Siehe auch: FDA-Warnung: DAA können Hepatitis-B-Infektionen reaktivieren

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) warnt vor der gemeinsamen Gabe der antiviralen Hepatitis-C-Therapeutika Sofosbuvir (Sovaldi) und Daclatasvir (Daklinza) sowie der fixen Wirkstoffkombination Sofosbuvir und Ledipasvir (Harvoni) zusammen mit dem Antiarrhythmikum Amiodaron. Aufgrund eines erhöhten Arrhythmiepotenzials sollte eine solche Kombination nicht bzw. nur im Ausnahmefall bei engmaschiger Überwachung erfolgen.

Kontraindikationen

Sofosbuvir darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Anwendung von Arzneimitteln, die starke P-Glykoprotein(P-gp)-Induktoren im Darm sind (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin und Johanniskraut), da die gleichzeitige Anwendung zu einer signifikant verringerten Plasmakonzentration von Sofosbuvir und so zu einem Verlust der Wirksamkeit führt.

Anwendungshinweise

Folgende Hinweise sind bei der Anwendung von Sofosbuvir zu beachten:

  • Kombinationstherapie: Sofosbuvir darf nicht als Monotherapie eingesetzt werden, sondern muss in Kombination mit anderen Medikamenten zur Behandlung von Hepatitis C angewendet werden.
  • Warnung bei Amiodaron: Bei Anwendung mit Amiodaron besteht das Risiko schwerer Bradykardie und Herzblock. Patienten, die Amiodaron nehmen, sollten engmaschig überwacht werden.
  • HBV/HCV-Koinfektion: Vor Beginn der Behandlung sollte auf eine Hepatitis-B-Virusinfektion getestet werden, um das Risiko einer HBV-Reaktivierung zu bewerten.
  • Schwangerschaft: Bei Kombination mit Ribavirin müssen geeignete Verhütungsmethoden angewendet werden, um Schwangerschaften zu verhindern.
  • Interaktionen mit anderen Medikamenten: Die gleichzeitige Anwendung mit bestimmten anderen Medikamenten (z. B. P-gp-Induktoren, Telaprevir, Boceprevir) wird nicht empfohlen.
  • Diabeteskontrolle: Bei Diabetikern ist der Blutzuckerspiegel engmaschig zu überwachen, da sich die Blutzuckerkontrolle während der Behandlung verbessern kann.
  • Nierenfunktionsstörung: Bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder Dialyse ist Vorsicht geboten, aber keine Dosisanpassung erforderlich.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
529.45 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 0.4 H
Q0-Wert:
0.0
Autor:
Stand:
23.11.2023
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30 Präparate mit Sofosbuvir