Hormonelle Kontrazeptiva Kompakt

Hormonelle Kontrazeptiva werden zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt. Sie basieren auf der Anwendung von Gestagenen und Estrogenen, entweder einzeln oder in Kombination. Im Folgenden finden Sie alles auf einen Blick.

Hormonelle Kontrazeptiva

Einteilung und Anwendung

Gestagenpräparate

  • Erhältlich als Minipille, Drei-Monats-Spritze, Drei-Jahres-Implantat oder Hormonspirale
  • Kontrazeptive Wirkung beruht vorwiegend auf der Hemmung des Penetrationsvermögens der Spermien durch Viskositätserhöhung des Zervixschleims, zum Teil wird aber auch die Ovulation gehemmt (abhängig von Wirkstoff und Dosierung)
  • Die Minipille muss täglich sowie immer zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden (kein einnahmefreies Intervall)
  • Pearl-Index: Minipille 0,14 - 8, Drei-Monats-Spritze 0,3 - 0,88, Drei-Jahres-Implantat 0 - 0,08, Hormonspirale 0,16

Estrogen-Gestagen-Kombinationspräparate

  • Erhältlich als Mikropille, Hormonpflaster oder Vaginalring
  • Kontrazeptive Wirkung beruht auf der Unterdrückung der Ovulation durch Hemmung der Gonadotropinfreisetzung, der Hemmung der Einnistung der Eizelle sowie der Viskositätserhöhung des Zervixschleims
  • Unterschiedliche Präparatetypen der Mikropille: Einphasen-, Zweiphasen-, Zweistufen-, Dreistufen- und Vierphasenpräparate
  • Die Einnahme der Mikropille geht bei allen Präparatetypen mit einer 7-tägigen Einnahmepause einher (während dieser Zeit kommt es zur Abbruchblutung)
  • Auch bei der Verwendung des Hormonpflasters und des Vaginalrings wird eine 7-tägige Pause eingelegt
  • Pearl-Index: Mikropille 0,2 - 2,2, Hormonpflaster 0,72 - 0,9, Vaginalring 0,4 - 0,65

Notfallkontrazeption

  • Postkoitale Kontrazeption ("Pille danach")
  • Wirkstoffe: Ulipristalacetat (30 mg) oder Levonorgestrel (1,5 mg)
  • Anwendung von Ulipristalacetat (ellaOne®) muss innerhalb von fünf Tagen nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgen
  • Für Levonorgestrel (PiDaNa®) beträgt das Zeitfenster 72 Stunden

Nebenwirkungen

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Spannungsgefühl in den Brüsten
  • Nachlassende Libido
  • Blutdruckveränderungen
  • Depressive Verstimmungen
  • Venöse und arterielle Thromboembolien
  • Erniedrigung der Glucosetoleranz

Wechselwirkungen

  • Rifampicin, Carbamazepin und Johanniskraut (Reduktion der kontrazeptiven Wirkung)
  • Fluconazol und Indinavir (Verstärkung der kontrazeptiven Wirkung sowie der Nebenwirkungen)
  • Abschwächung der Wirksamkeit von Lamotrigin, Paracetamol, Morphin und Lorazepam sowie Wirkverstärkung von Diazepam, Ciclosporin, Theophyllin und Glucocorticoiden
  • Ascorbinsäure und Paracetamol führen zur verminderten Metabolisierung von Ethinylestradiol, Atorvastatin erhöht dessen AUC
  • Verminderte Resorption aus dem Magen-Darm-Trakt von oralen Kontrazeptiva durch Colestyramin, Antibiotika und Metoclopramid

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Bestehende und vorausgegangene venöse oder arterielle Thrombosen
  • Entzündliche und degenerative Gefäßleiden
  • Bestehende und vorausgegangene Leberfunktionsstörungen oder Pankreatitis
  • Hyperbilirubinämie
  • Rauchen (v.a. bei Estrogen-Gestagen-Kombinationen)
  • Sexualhormonabhängige maligne Tumorerkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Nicht abgeklärte vaginale Blutungen oder Amenorrhoe

Hier geht's zum Langtext hormonelle Kontrazeptiva

Autor:
Stand:
12.10.2023
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