Gallensäuremetaboliten und Lebensmittelallergiepersistenz?

Daten zeigen, dass über die Menge der Gallensäuremetaboliten, die über den alternativen Weg synthetisiert werden, die Persistenz von Lebensmittelallergien prognostiziert werden könnte. Auch scheint die Reduktion der Abundanz von Clostridien eine Rolle zu spielen.

Lebensmittelallergie Lupe

Lebensmittelallergie – wie kommt es dazu?

Die Prävalenz der Lebensmittelallergie stieg in den letzten zwei Dekaden in den westlichen Ländern signifikant an. Der Erkrankung liegt bei Kindern die Unreife der Darmbarriere und des Immunsystems zugrunde. Bestimmte Nahrungsmittel werden nicht toleriert.

Das Erreichen dieser Toleranz bleibt neben Umweltfaktoren, der Darmbarriere und dem Mikrobiom in der frühen Kindheit der wichtigste Faktor in der Pathophysiologie der Lebensmittelallergie. Die Toleranz gegenüber Lebensmitteln ist ein aktiver Prozess, der über die gastrointestinale Exposition der Nahrungsmittelantigene angestoßen wird. Für das Erlangen der oralen Toleranz ist die intestinale Immunität und die hiermit verbundenen intestinalen Metaboliten und Mikrobiota in der frühen Kindheit wichtig. In Studien konnte bisher gezeigt werden, dass sich das Darmmikrobiom der Patienten mit Lebensmittelallergie von dem gesunder Menschen unterscheidet.

Gallensäuremetaboliten und Immunentwicklung

Stoffwechselprodukte der Mikrobiota, wie beispielsweise Gallensäuremetaboliten, spielen eine wichtige Rolle in der normalen Immunentwicklung und Homöostase. Die Gallensäuren werden über zwei Pfade synthetisiert: den klassischen Weg, der in der Leber beginnt und 90% der Gallensäuren produziert und den alternativen Weg, der die verbleibenden 10% der Gallensäuren produziert. Er findet primär extrahepatisch, etwa im vaskulären Endothel und Makrophagen, statt.

Unterstützen intestinale Metaboliten Lebensmittelallergiepersistenz?

Bisher gibt es kaum Daten bezüglich intestinaler Metaboliten und ihrer Assoziation mit Lebensmittelallergiepersistenz. Daher untersuchte eine aktuelle Studie Gallensäuremetaboliten und die assoziierten Mikrobiome ab Geburt bis zum dritten Lebensjahr, die die Entwicklung und Persistenz von Lebensmittelallergien unterstützen.

Für die nicht-zielgerichtete Metabolomikanalyse wurden 15 Kinder mit Lebensmittelallergie sowie 21 gesunde Kontrollen untersucht. In der zielgerichteten Analyse der Gallensäuren wurden Proben von 94 Kindern mit Lebensmittelallergie sowie 85 gesunden Kontrollen untersucht. Zudem wurden Analysen des Stuhl-Mikrobioms bei 27 Kindern mit Lebensmittelallergie und 27 gesunden Kontrollen, die zwischen sechs und zwölf Monate alt waren, durchgeführt.

Gallensäuremetaboliten bei persistierender Allergie reduziert

Bei der für Gallensäure zielgerichteten Metabolomik zeigte sich, dass die intestinalen Gallensäuremetaboliten, die über den alternativen Pathway synthetisiert wurden, bei den Patienten mit persistierender Lebensmittelallergie gegenüber den gesunden Kontrollen reduziert waren. Auch die Kinder, die eine Remission der Lebensmittelallergie zeigten, wiesen höhere Level der Gallensäuremetaboliten auf.

Die Studienautoren postulieren, dass diese Assoziation zwischen alternativen Gallensäuremetabolitenpathways und der Persistenz einer Lebensmittelallergie zeigt, dass die Modulation von Gallensäuren eine vielversprechende Strategie für die Vorhersage der Prognose einer Lebensmittelallergie sowie deren Behandlung sein könnte.

ROC-Kurven für Unterscheidung: Allergiepersistenz versus gesund

Receiver operating characteristic (ROC)-Kurven konnten genutzt werden, um die Patienten mit persistierender Lebensmittelallergie von gesunden Kontrollen zu unterscheiden. Die Kombination von sechs Gallensäuremetaboliten (Chenodeoxycholsäure, Glycochenodeoxycholsäure, Taurochenodeoxycholsäure, Lithocholsäure, Hyodeoxycholsäure und Ursodeoxycholsäure) wies eine Sensitivität von 77,6% und Spezifität von 78,6% mit einer Area under the Curve (AUC) von 0,803 auf.

Clostridien scheinen Lebensmittelallergien zu beeinflussen

Es ist bekannt, dass Clostridien in der sekundären Gallensäureproduktion involviert sind. Hierzu passend zeigte die Studie eine negative Korrelation der Clostridienabundanz mit dem Gallesäuremetaboliten Ursodeoxycholsäure. Die Studie zeigte außerdem, dass die Abundanz der intestinalen Clostridien in der Lebensmittelallergiegruppe erniedrigt war (p<0,005).

Die Studienautoren vermuten daher, dass Clostridien Lebensmittelallergien über Gallensäuremetabolite beeinflussen. Im Gegensatz dazu fand sich eine höhere Abundanz von Actinobacteria in der Gruppe mit Lebensmittelallergien im Vergleich zu den gesunden Kontrollen (p<0,05).

Autor:
Stand:
19.09.2023
Quelle:

Lee et al. (2023):  The alternative bile acid pathway can predict food allergy persistence in early childhood. Pediatric Allergy and Immunology, DOI.

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