Erster bestätigter Todesfall durch H5N5 beim Menschen

Ein älterer Erwachsener in Washington/USA ist als weltweit erster Mensch nach bestätigter Infektion mit dem Vogelgrippevirus H5N5 gestorben. Die US-Gesundheitsbehörden weisen auf ein weiterhin niedriges öffentliches Risiko hin, betonen jedoch verstärkte Überwachung bei Tierkontakt.

Vogelgrippe

Die Vogelgrippe durch Influenza-A(H5)-Viren stellt seit Jahren eine relevante zoonotische Herausforderung dar. Die aktuell größte dokumentierte Welle begann 2022 und betrifft weltweit Wildvögel, Geflügelhaltungen und teilweise Säugetiere. Seit 2003 wurden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in 23 Ländern über 890 humane H5N1-Infektionen registriert.

In den USA sind seit 2022 Ausbrüche bei Wild- und Hausgeflügel sowie bei Milchkühen dokumentiert. Seit 2024 überwachen CDC und weitere Behörden mehrere zehntausend Personen mit regelmäßigem Tierkontakt. Die Mehrzahl der humanen H5N1-Fälle in den USA verlief mild, einzelne Patienten wurden jedoch stationär behandelt; mindestens ein Todesfall ist bestätigt. Damit gilt H5-Vogelgrippe insgesamt als seltene, potenziell schwere zoonotische Erkrankung – besonders für Personen mit engem Kontakt zu Vögeln oder landwirtschaftlichen Tierbeständen.

Erstmals nachgewiesener H5N5-Fall beim Menschen

Am 14. November 2025 bestätigte das Washington State Department of Health bei einem Bewohner des Bezirks Grays Harbor eine Infektion mit einem A(H5)-Virus; die weitere Analyse identifizierte den Subtyp H5N5. Es handelt sich um den weltweit ersten bekannten humanen Fall.

Der Patient war älter, hatte Vorerkrankungen und hielt Geflügel im Hinterhof. Umweltproben der Haltung zeigten Vogelgrippevirus-Nachweise, wodurch ein zoonotischer Übertragungsweg naheliegt. Der Patient verstarb am 21. November.

Laut Behörden gibt es keine Hinweise auf weitere Fälle im Umfeld oder auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Das öffentliche Risiko wird weiterhin als gering eingestuft.

Einordnung im Kontext bisheriger H5-Vogelgrippefälle

Bis Mitte 2025 wurden insgesamt 70 H5N1-Fälle in den USA dokumentiert, überwiegend bei Personen mit engem Kontakt zu Milchkühen oder Geflügel. Die klinische Ausprägung reichte von milden Verläufen bis zu Hospitalisierungen; ein Todesfall wurde bestätigt.

Der nun registrierte H5N5-Fall erweitert das Spektrum der zoonotischen H5-Subtypen, da dieser Subtyp bislang nur bei Tieren beschrieben wurde.

Überwachungslage in den USA und Einordnung des zoonotischen Risikos

Laut dem CDC-Update vom 24. November 2025 bleibt das Risiko für die Öffentlichkeit derzeit gering, dennoch sind Überwachungssysteme Teil der langjährigen Influenza-Surveillance. Die Surveillance umfasst Monitoring von Personen mit Tierkontakt, Laboruntersuchungen und klinische Berichte. Bis zum 8. November 2025 zeigten die Überwachungssysteme keine Hinweise auf ungewöhnliche Influenza-Aktivität beim Menschen, auch nicht auf Infektionen mit H5-Viren.

Der neue H5N5-Fall macht deutlich, dass neben H5N1 auch andere H5-Subtypen ein Risiko für Zoonosen darstellen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Surveillance und Präventionssysteme auch auf neu auftretende Subtypen anzupassen.

Was der erste H5N5-Todesfall für Monitoring und Diagnostik bedeutet

Der dokumentierte H5N5-Todesfall beim Menschen markiert ein neues Ereignis innerhalb der globalen H5-Epidemiologie. Aus den vorliegenden Daten lassen sich für die Praxis folgende Punkte ableiten:

  • Der Nachweis von H5N5 beim Menschen erweitert das bekannte Spektrum zoonotischer Influenzaviren.
  • Personen mit Geflügelhaltung – insbesondere in Hobbyhaltungen mit Wildvogelkontakt – benötigen besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich Schutzmaßnahmen.
  • Gesundheitsbehörden sollten weiterhin Personen mit Tierkontakt engmaschig überwachen und bei respiratorischen Erkrankungen aviane Influenza differenzialdiagnostisch berücksichtigen.
  • Virologische und epidemiologische Untersuchungen sind notwendig, um das zoonotische Potenzial von H5N5 weiter zu charakterisieren und mögliche weitere Fälle frühzeitig zu erkennen.

Der Fall verdeutlicht die Bedeutung kontinuierlicher Überwachung und präziser Diagnostik, um neu auftretende H5-Subtypen rasch zu identifizieren und gesundheitliche Risiken zuverlässig einzuschätzen.

Lage und Überwachung in Deutschland

In Deutschland sind weiterhin keine humanen Infektionen mit H5-Viren bekannt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde bislang weder H5N1 noch H5N5 beim Menschen nachgewiesen. Tiermedizinisch ist Deutschland jedoch seit 2022 regelmäßig von Ausbrüchen des hochpathogenen H5N1-Virus betroffen. In den vergangenen Wochen mussten in mehreren Geflügelhaltungen größere Bestände gekeult werden, nachdem Infektionen bei Haus- oder Wildvögeln bestätigt worden waren.

Die Überwachung ist in Deutschland zweigleisig organisiert. Für den humanmedizinischen Bereich ist das RKI zuständig, das Influenzanachweise im Meldewesen erfasst und bei Verdachtsfällen auf aviäre Influenza Referenzdiagnostik durchführt. Für den tiermedizinischen Bereich ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor verantwortlich. Es übernimmt die virologische Bestätigung, Typisierung und Bewertung von Influenza-A(H5)-Ausbrüchen bei Tieren und veröffentlicht regelmäßige Risikoeinschätzungen.

Landes- und Kreisveterinärbehörden führen das Monitoring vor Ort durch und setzen notwendige Seuchenbekämpfungsmaßnahmen um, einschließlich Aufstallungsverfügungen und Sperrzonen. Beide Sektoren – Human- und Tiergesundheit – arbeiten eng zusammen und speisen Daten in europäische und internationale Überwachungssysteme ein. Insgesamt zeigt die deutsche Lage ein weiterhin niedriges Risiko für den Menschen, jedoch anhaltende Aktivität des Virus im Tiersektor und die Notwendigkeit fortlaufender Surveillance.

Autor:
Stand:
04.12.2025
Quelle:
  1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC), News, 24. November 2025.
  2. Washington State Department of Health, Pressemitteilung, 21. November 2025.
  3. Healio, News, 25. November 2025.
  4. Robert Koch-Institut (RKI), Überblick, abgerufen am 27. November 2025.
  5. Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Aktuelles, abgerufen am 27. November 2025.
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