Kawasaki-Syndrom: Infektionen als Auslöser?

Das Kawasaki-Syndrom wird wahrscheinlich durch Umweltfaktoren bei genetischer Veranlagung ausgelöst. Eine neue Studie untersuchte nun die Häufigkeit von Infektionen bei Kindern mit Kawasaki-Syndrom – sowohl in der Vorgeschichte als auch nach der Diagnose.

Kawasaki-Syndrom

Das Kawasaki-Syndrom ist eine akute Vaskulitis unklarer Ursache, die vor allem bei Kindern unter fünf Jahren auftritt. Die genauen Ursachen des Kawasaki-Syndroms sind noch immer nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass sowohl die genetische Veranlagung als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. So wurde das Kawasaki-Syndrom beispielsweise häufiger in Japan, Korea und Taiwan beobachtet. Studien haben gezeigt, dass bestimmte Genvarianten, darunter FAM167A-BLK, CASP3, ITPKC, CD40 sowie Variationen im HLA-Bereich, mit einem erhöhten Risiko für das Kawasaki-Syndrom verbunden sind.

Allerdings können diese genetischen Faktoren allein die Entstehung der Krankheit nicht vollständig erklären. Es wird vermutet, dass eine immunologische Reaktion, die durch Umweltfaktoren ausgelöst wird, bei genetisch anfälligen Personen zur Entwicklung des Kawasaki-Syndroms führt. Infektionen werden als wichtige Umweltfaktoren diskutiert, was durch Berichte über zeitliche und räumliche Häufungen von Fällen, saisonale Muster und Beobachtungen in Mausmodellen gestützt wird. Auch das Auftreten des Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen unterstreicht die Rolle von Infektionen als potenziellen Auslöser.

Infektionen als Auslöser für Kawasaki-Syndrom im Fokus

Bisher konnte jedoch kein spezifischer Erreger identifiziert werden. Eine neue bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie aus Schweden liefert nun neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Infektionen und dem Kawasaki-Syndrom. Die Forschenden analysierten Daten von 1.774 Kindern, die zwischen 1987 und 2018 in Schweden mit dem Kawasaki-Syndrom diagnostiziert wurden und verglichen sie mit 17.731 passenden Kontrollpersonen.

Die verwendeten Register, das National Patient Register und das Prescribed Drug Register, bieten eine nahezu vollständige Abdeckung der Krankenhausaufenthalte (99 %) und eine hohe Abdeckung der ambulanten Behandlungen (80 %) in Schweden. Die Daten wurden prospektiv erfasst, um eine zuverlässige Analyse des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Infektionen und der Diagnose Kawasaki-Syndrom zu ermöglichen.

Mehr Infektionen in der Vorgeschichte

Während frühere, kleinere Studien bereits einen Zusammenhang zwischen begleitenden Infektionen und dem Kawasaki-Syndrom festgestellt haben, zeigten die Ergebnisse, dass auch Infektionen, die Wochen oder Monate vor der Diagnose Kawasaki-Syndrom auftraten, bei den betroffenen Kindern häufiger vorkamen als bei den Kontrollpersonen. 
Die Forschenden fanden heraus, dass 50 % der Kinder mit Kawasaki-Syndrom in der Vorgeschichte Infektionen hatten, verglichen mit 33 % der Kontrollgruppe (Odds Ratio [OR]: 2,3; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 2,0 bis 2,5). Die Robustheit der Ergebnisse wurde dadurch bestätigt, dass sie sich nicht wesentlich veränderten, wenn nur Infektionen von einer Infektionspforte wie zum Beispiel der Haut berücksichtigt wurden.

Zeitliche Nähe und Dosis-Wirkungs-Beziehung

Die Analyse zeigte, dass das Risiko für Kawasaki-Syndrom mit zunehmender zeitlicher Nähe zur Infektion anstieg. In den sieben Tagen vor der Diagnose hatten 21,3 % der Kinder mit Kawasaki-Syndrom eine Infektion, verglichen mit nur 0,3 % der Kontrollgruppe (OR: 91,5; 95 %-KI: 66,1 bis 126,8). Aber auch Infektionen, die acht bis 14 Tage zurücklagen, waren deutlich häufiger (OR: 11,6; 95 %-KI: 8,1 bis 16,6). Selbst Infektionen, die 181 bis 365 Tage vor der KD-Diagnose auftraten, waren noch mit einem erhöhten Risiko verbunden (OR: 1,3; 95 %-KI: 1,1 bis 1,6).

Außerdem zeigte sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Eine einzelne Infektion in den 180 Tagen vor der Diagnose war mit einer OR von 4,7 (95 %-KI 4,0 bis 5,4) verbunden, während zwei oder mehr Infektionen im gleichen Zeitraum die OR auf 7,8 (95 %-KI 6,4 bis 9,6) erhöhten. Dieser Zusammenhang zeigte sich für Infektionen der Atemwege, der Haut und des Magen-Darm-Trakts. Sowohl bakterielle als auch virale Infektionen waren mit einem erhöhten Risiko für das Kawasaki-Syndrom verbunden, wobei die ORs für beide Infektionsarten in allen untersuchten Zeiträumen ähnlich hoch waren.

Erhöhtes Infektionsrisiko auch nach Diagnose Kawasaki-Syndrom

Interessanterweise hatten Kinder mit Kawasaki-Syndrom auch nach der Diagnose ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von elf Jahren erhielten 47 % der Patienten mit Kawasaki-Syndrom und 33 % der Kontrollen eine Infektionsdiagnose. Die Hazard Ratio (HR) für Infektionen bei Patienten mit Kawasaki-Syndrom betrug 1,7 (95 %-KI: 1,6 bis 1,9). Dieses erhöhte Risiko nahm jedoch mit der Zeit ab und war sieben Jahre nach der Diagnose Kawasaki-Syndrom nicht mehr signifikant erhöht.

Mehrere mögliche Mechanismen könnten den Zusammenhang zwischen dokumentierten Infektionen und dem Kawasaki-Syndrom erklären. Eine Möglichkeit ist eine "Multi-Hit-Hypothese", bei der wiederholte immunologische Reize die Neigung zu einer pathologischen Entzündung erhöhen. Eine andere Möglichkeit ist, dass genetisch anfällige Personen bereits vor der Diagnose Kawasaki-Syndrom stärkere Symptome bei Infektionen zeigen und daher eher medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Eine dritte Möglichkeit ist, dass Kinder, die ein Kawasaki-Syndrom entwickeln, anfälliger für Infektionen sind.

Die Studie weist mehrere Stärken auf, darunter die bevölkerungsbasierte Stichprobengröße, die Verwendung validierter Registerdaten und die prospektive Erfassung der Daten. Einschränkungen ergeben sich aus der fehlenden Möglichkeit, die Infektionsdiagnosen im Detail zu validieren und die Ergebnisse nach Erreger sowie Infektionsschwere zu stratifizieren. Außerdem wurden Infektionen, die nicht ärztlich behandelt wurden, nicht erfasst und die Studie hat keine genetischen Faktoren berücksichtigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie einen deutlichen Zusammenhang zwischen Infektionen und dem Auftreten von Fällen des Kawasaki-Syndroms zeigt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht ein spezifischer Erreger, sondern die mit Infektionen verbundene Entzündung die Krankheit auslösen könnte.

Autor:
Stand:
21.03.2025
Quelle:

Mofors et al. (2025): Associations of infection burden with Kawasaki disease in a population-based setting during 30 years. RMD Open, DOI: 10.1136/rmdopen-2024-005160.

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